Ehemaliger Profi kickt als Spielertrainer gemeinsam mit Sohn

Von: Antonius Wolters
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Als Säule in der Abwehr kann man auch mal eben das Leichtgewicht von Sohn schultern: Dirk Lehmann mit seinem Spieler und Team-Kollegen Dennis. Foto: Antonius Wolters

Freialdenhoven. „Wenn der Vater mit dem Sohne“ – der Filmklassiker von 1955 mit Heinz Rühmann in der Hauptrolle kommt jedem in den Sinn, wenn er über Vater Dirk und Sohn Dennis Lehmann nachdenkt, die gemeinsam bei Borussia Freialdenhoven II am Ball sind.

Dirk, inzwischen 42 Jahre alt und gelernte Angriffsspitze, ist ein Modellathlet geblieben. Der 1,84 Meter große Fußballer hat als Jugendlicher geboxt und hatte offenbar auch gute Reflexe, denn mit 16 Jahren war er Westdeutscher Meister im Tischtennis, bis der Fußball und die professionelle Mentalität seine weitere Karriere bestimmten. „Ich kann nicht verlieren.“

Der ausgebuffte ehemalige Abwehrschreck hält als Spielertrainer inzwischen die eigene Hintermannschaft zusammen. Dennis (22) ist ein Allrounder, der wegen seiner Schnelligkeit vornehmlich als Stoßstürmer eingesetzt wird. Der 1,69 Meter große Angreifer ist dank seiner großen Sprungkraft „sehr stark in der Luft“, wie sein Vater stolz verrät. Zudem attestiert er ihm Selbstkritik und Ehrgeiz. „Es war wichtig, dass er gekämpft hat“, sagte der Vater/Trainer nach einem Spiel, während dem Sohnemann mit der eigenen Leistung überhaupt nicht einverstanden war. Für seinen unbändigen Einsatz ist Dennis Lehmann gleich zum Saisonauftakt reich belohnt worden: Für die Borussia-Reserve erzielte er vier Tore und bereitete ein weiteres vor.

Keine Sonderrechte für den Filius

„War nicht geplant“, antwortet Dirk Lehmann knapp, als er auf den geringen Altersunterschied zwischen Vater und Sohn angesprochen wird. Für den damals 20-Jährigen stellte sich der Nachwuchs am Beginn seiner Fußballerkarriere zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt ein. Trotzdem sei ein gutes Verhältnis entstanden. „Er hat mich früher oft besucht, auch in Schottland und Japan“, so hielten Vater und Sohn, der noch bei der Mutter nahe Stolberg wohnt, stets engen Kontakt. Der ist inzwischen sogar noch besser geworden, „auch wenn Papa kritisch ist“, wie Dennis Lehmann anmerkt. Natürlich genießt Dennis bei Dirk keine Sonderrechte und macht sich wie seine Mannschaftskameraden nach dem Abpfiff auf zum Auslaufen, das der Routinier seinen Schützlingen auferlegt, um die Muskulatur zu lockern und Verletzungen vorzubeugen.

„Ich kann ihn fördern“, nimmt Dirk Lehmann die willkommene Gelegenheit wahr, Versäumtes nachzuholen. Als langjähriger Profi hat er rasch das „super Talent“ seines Sohnes erkannt, der „zwei Klassen höher spielen könnte“. So hat Wilfried Hannes, Trainer der ersten Mannschaft von Borussia Freialdenhoven, die in der Mittelrheinliga ihre sportliche Heimat hat, auch bereits auf die Dienste von Dennis Lehmann vertraut, doch durchgesetzt hat sich der Youngster dort nicht.

„Ich war fußballerisch viel besser ausgebildet“, erinnert sich Vater Lehmann an die Zeit, als er so alt war wie sein Sohn heute. Die Förderung durch den Vater erfolgt also vermutlich zu spät. Entsprechend fällt das Urteil zu den Karriere-Chancen des Sohnes unbestechlich und eindeutig aus: „Er wird niemals mehr ein Profi“, sagt Dirk Lehmann, ein fester Arbeitsplatz sei wichtiger.

Eine Lehre mit 35 Jahren

Das lebt der ehemalige Berufsfußballer auch selbst vor. Er hat eine Ausbildung zum Kommunikationselektroniker abgeschlossen und mit 35 Jahren noch eine zweieinhalbjährige Lehre zum Industriekaufmann nachgeschoben, um eine weitere berufliche Option in der Hinterhand zu haben. Der Filius ist dem Rat des Alten gefolgt und wird nach dem Fachabitur zum Elektroniker für Betriebstechniker geschult.

Die aktuelle Situation erleben Lehmann&Lehmann als ideale Kombination. Nach 14 Lehr- und Wanderjahren im In- und Ausland hat Dirk Lehmann als Trainer in Freialdenhoven, wo er seit gut acht Jahren im Verein aktiv ist, offenbar seine Bestimmung gefunden, zumal er Sohn Dennis – im vierten Jahr bei Borussia aktiv – sportlich und menschlich nahe sein kann.

Früheren Angeboten als Spieler oder Co-Trainer in der 2. schottischen Liga trauert er nicht nach. Seinen Trainer A-Schein hat er dereinst mit Uefa-Lizenz in Großbritannien erworben. Wenn er gelegentlich zu Auffrischungskursen auf die Insel reist und alte Kumpel trifft, wird gerne auch die Story um „Porno Lehmann“ aufgewärmt, aber das ist eine ganz andere Geschichte...

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