Dürenerin Jana Kulessa will DM-Hürde nehmen

Von: Lukas Weinberger
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Ein vielseitiges Talent: Jana Kulessa vom TV Germania Obermaubach startet bei der Deutschen Meisterschaft der U 20 im 100-Meter-Hürdenlauf und im Hochsprung. Foto: Wolfgang Birkenstock
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Voller Vorfreude auf die U 20-DM: Jana Kulessa. Foto: Lukas Weinberger

Kleinhau. Es war keine richtige Auszeit, die sich Jana Kulessa da am vergangenen Wochenende gegönnt hat. Die junge Leichtathletin hat zwar die Füße ein bisschen hochgelegt, so ganz ohne ihren Sport ging es dann aber doch nicht. Kulessa, 17, ist mit ihrem Vater nach Nürnberg gefahren, dort hat sie sich die Deutschen Leichtathletik-Meisterschaften der Männer und Frauen angeschaut.

„Das ist auch eine Art der Vorbereitung“, sagt sie und lacht. Am Wochenende tauscht sie den Tribünenplatz gegen einen auf der Tartanbahn im Stadion. Kulessa ist in zwei Disziplinen für die Deutschen Meisterschaften der U 20 in Jena qualifiziert: über 100 Meter Hürden und im Hochsprung. „Natürlich ist das der absolute Saisonhöhepunkt für mich“, sagt sie. „Ich freue mich riesig auf die Wettkämpfe und die Atmosphäre.“

Kulessa, die in Kleinhau in der Gemeinde Hürtgenwald wohnt, hat vor knapp neun Jahren mit der Leichtathletik begonnen, seitdem startet sie für den kleinen TV Germania Obermaubach. „Wir sind eine kleine, schnuckelige Trainingsgruppe“, sagt Kulessa und lacht. Vom Alter her bunt gemischt, von den Disziplinen her genauso. Zu einem großen Verein zieht sie nichts hin, „ich habe in Obermaubach im Grunde alles, was ich brauche“. Zunächst war sie Mehrkämpferin, sie nahm 2011 und 2012 sogar bei den Deutschen Meisterschaften teil. Irgendwann hat sie damit aber aufgehört – „weil ich den 800-Meter-Lauf absolut nicht mag“.

Kulessa spezialisierte sich auf den Hochsprung, den Hürdenlauf nahm sie als zweite Disziplin dazu. Und die beiden Qualifikationen für die Deutschen Meisterschaften in diesem Jahr zeigen, dass dieser Weg sicher nicht der falsche war. Wenn die Zeit es zulässt – die Leichtathletin macht nächstes Jahr ihr Abitur – trainiert Kulessa vier Mal in der Woche. Zweimal in Obermaubach bei ihrem Trainer Helmut Jansen, zweimal mit dem NRW-Kader in Leverkusen. In der Vorbereitung auf die nationalen Titelkämpfe hat sie teilweise zwei Einheiten am Tag gemacht, „da habe ich das Pensum hochgeschraubt“, sagt sie.

Kulessa ist die einzige Leichtathletin aus dem Kreis Düren, die in Jena an den Start geht. Dass sie gleich in zwei Disziplinen die DM-Qualifikation schafft, das war so nicht geplant – vor allem, weil Kulessa in den vergangenen Monaten immer wieder Probleme mit dem linken Fußgelenk hatte. An Hochsprung-Wettkämpfe war lange gar nicht zu denken, erst bei den Regiomeisterschaften im Aachener Waldstadion Anfang Mai konnte Kulessa erst wieder richtig auftrumpfen – in beiden Disziplinen.

Im 100-Meter-Hürdenlauf der U 20 gelang ihr bei ihrem souveränen Sieg in 14,93 Sekunden nicht nur eine neue persönliche Bestzeit, sondern auch die DM-Qualifikation. Und endlich absolvierte sie auch wieder einen Wettkampf in ihrer Paradedisziplin: Mit einem Satz über 1,58 Meter gewann sie den Hochsprung. „Das war ein Wettkampf, um wieder reinzukommen“, sagt Kulessa rückblickend. Sie kann wesentlich höher springen, ihr Dürener Kreisrekord steht bei 1,72 Metern – und genau das zeigte sie im Juni bei den Nordrhein-Jugendmeisterschaften. Mit einer Höhe von 1,71 Metern sicherte sie sich gemeinsam mit ihrer Konkurrentin Sarah Großmann (Köln) den Sieg und die zweite DM-Qualifikation. „Ich konnte das zuerst gar nicht wirklich fassen“, sagt Kulessa. „Ich habe ehrlich gesagt nicht damit gerechnet, dass mir die Quali im Hochsprung gelingt.“

Morgen reist Kulessa nun mit ihren Eltern nach Jena. Und dort will sie in beiden Wettbewerben an den Start gehen. Ob das auch organisatorisch möglich ist, wird die Leichtathletin vor Ort entscheiden. „Ich mag es nicht, wenn ich von einer Disziplin zur nächsten hetzen muss.“

Große Ziele für die Titelkämpfe hat sich Kulessa nicht gesetzt – und das hat einen guten Grund. „Immer wenn ich mir für Wettkämpfe viel vorgenommen habe, ist das in die Hose gegangen“, sagt sie. „Da habe ich mir einfach selbst zu viel Druck gemacht.“ Und deswegen hat sie den olympischen Gedanken als ihr Motto auserkoren: „Dabei sein, ist alles.“ Einen kleinen Zusatz schiebt sie dann doch noch schnell hinterher: „Letzte werden will ich natürlich nicht“, sagt Kulessa und lacht. „Ich will das Beste herausholen.“

Die Schülerin, die bei der U 20 startet, weil sie in diesem Jahr noch 18 Jahre alt wird, ist ohnehin eine der jüngsten in ihrer Altersklasse, teilweise sind ihre Konkurentinnen fast zwei Jahre älter. „Da freut man sich schon auf das zweite Jahr in der Altersklasse“, sagt sie. „Da werde ich dann ja eine der älteren sein.“

Schwierige Einstiegshöhe

Im Hochsprung wird sich Kulessa am Wochenende mit 13 Konkurrentinnen messen. „Die Einstiegshöhe ist mit 1,60 Metern schon sehr hoch“, sagt sie. „Da muss man erst einmal drüberkommen.“ Das hat sie sich fest vorgenommen, sie will so lange wie möglich im Wettbewerb bleiben. Eine Favoritin auf den Meistertitel ist Kulessa im starken Teilnehmerfeld nicht, Maike Anstett (Karlsruhe) und Meike Reimer (Ludwigshafen) reisen mit einer Bestleistung von 1,81 Metern an. Das sind Sphären, in die Kulessa erst noch vordringen will. Sie und auch ihre Trainer sind fest davon überzeugt, dass es für sie noch höher hinausgehen kann, am Wochenende wird das aber wohl noch nicht klappen.

Ganz ähnlich sieht das im 100-Meter-Hürdenlauf aus: Im großen Starterfeld mit insgesamt 37 Läuferinnen liegt Kulessa mit ihrer Bestzeit von 14,93 Sekunden im Mittelfeld. „Ich will unbedingt den Vorlauf überstehen“, sagt sie. Was danach drin sei, das müsse man sehen. Im Hürdenlauf sei es schwierig, Voraussagen zu treffen, „jeder noch so kleine Fehler wird da sofort bestraft“, sagt Kulessa – und fügt grinsend an: „Ich werde versuchen, möglichst wenige zu machen.“ Und danach wird sie sich sicher mit einer richtigen kleinen Auszeit belohnen.

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