Dürener Stephan Salger: „Der Pokal ist ein Nebenschauplatz“

Von: Lukas Weinberger
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Der Rasen als enger Verbündeter: Bielefelds Stephan Salger kennt sich auf dem holprigen Untergrund bestens aus. Foto: sport/nph

Bielefeld/Aachen. Natürlich kennt Stephan Salger die sogenannte Bielefeld-Verschwörung. „Bielefeld gibt es gar nicht“ – vor 20 Jahren haben ein paar Studenten diese Satire in die Welt gesetzt. Seitdem geistert der Spruch umher, dieser Dauerwitz, der die Existenz der Stadt in Ostwestfalen anzweifelt.

Salger, 25, hat ihn in den vergangenen drei Jahren selbst das ein oder andere Mal hören müssen. Der gebürtige Dürener hat im Juli 2012 Bielefeld zu seiner sportlichen Heimat gemacht, seitdem spielt er für die dort ansässige Arminia. „Ich bin gerne in Bielefeld“, sagt er. Und lächelt dann.

Am Mittwoch ist so ein Tag, an dem Salger vielleicht noch ein bisschen lieber Bielefelder ist als ohnehin schon. Um 19 Uhr empfängt der Tabellenführer der Dritten Liga auf der heimischen „Alm“ den Bundesligisten und Champions-League-Anwärter Borussia Mönchengladbach. „Das ist schon etwas Besonderes, ein Highlight“, sagt Salger. „Mit Gladbach kommt eine der besten deutschen Mannschaften.“

Im Moment herrschen in Bielefeld wieder sogenannte gute Zeiten, der Einzug in die Pokalrunde der letzten acht Mannschaften ist ein Riesenerfolg, in Liga 3 liegt das Team von Trainer Norbert Meier als Tabellenführer auf Aufstiegskurs. Und Salger hat durchaus großen Anteil daran, dass es bei den Ostwestfalen rund läuft. Das darf man so schreiben, weil der Innenverteidiger in dieser Saison in Liga und Pokal noch keine einzige Minute verpasst hat. 31 Drittligaspiele, drei Pokalspiele, davon eines inklusive Verlängerung und Elfmeterschießen – 3090 Minuten hat Salger bereits gesammelt. „Es ist ein sehr schönes Gefühl, immer dabei zu sein“, sagt er. Der Linksfuß ist in der Defensive vielseitig einsetzbar, in dieser Saison braucht ihn Trainer Meier in der Zentrale, „und da fühle ich mich schon sehr, sehr wohl“, sagt der Dürener.

Auch neben dem Platz ist Salger in Bielefeld ein gefragter Mann geworden. Das liegt zum einen daran, dass er zu den erfahreneren Spielern gehört, ausgebildet beim GFC Düren und in Köln, schnürte er für den FC fünf Mal in der Bundesliga seine Schuhe, dazu kommen 22 Zweitligaspiele und 99 Partien in Liga 3 für Osnabrück und Bielefeld. Zum anderen hat Salger mit der Arminia schon Höhen und Tiefen durchgemacht. Nach dem umjubelten Aufstieg in die Zweite Liga 2013 unterlag Bielefeld vergangenes Jahr in der Relegation gegen Darmstadt und stieg tränenreich wieder in Liga 3 ab.

„Das war eine deprimierende Zeit“, sagt Salger. Geblieben ist er trotzdem, und er fand sich bei Arminia in einer neuen Rolle wieder. Weil die Mannschaft vor der laufenden Saison mächtig umgebaut wurde, war er plötzlich Ansprechpartner, erleichterte den Neuzugängen die Eingewöhnung. Dass das gut geklappt hat und das Team harmoniert, zeigt die Tabelle, der Lohn soll die Rückkehr in Liga 2 sein, darauf liegt der Fokus. „Wenn man so kurz vor Ende da oben steht, will man natürlich den nächsten Schritt machen“, sagt Salger. „Wir wollen die Saison so erfolgreich wie möglich abschließen. “

„Nichts zu verlieren“

Wörtlich genommen würde das den DFB-Pokalsieg einschließen, aber so meint Salger das natürlich nicht. Der Pokal sei „ein schöner Nebenschauplatz“, sagt er stattdessen, das Spiel gegen Gladbach eine Belohnung für die guten Leistungen. Als Ex-Kölner hat er schon oft gegen die Borussia gespielt, und als er noch für den FC auflief, sei so ein Spiel gegen Gladbach auch ein ganz besonderes gewesen, das „rheinische Derby“ eben. Jetzt ist das anders, als Bielefelder hat Salger mit der Rivalität am Rhein nichts mehr zu tun, „Gladbach ist ein Gegner wie jeder andere.“

Ein Gegner, gegen den der Drittligist naturgemäß ganz ohne Druck aufspielen kann, „wir haben ja nichts zu verlieren“, sagt Salger. Diese Einstellung hat die Arminia ins Viertelfinale gebracht, drei höherklassige Teams hat Bielefeld schon aus dem Wettbewerb gekegelt, zunächst Zweitligist Sandhausen, dann die Bundesligisten Berlin und Bremen. „Wir haben das in der Vergangenheit gut gelöst, das wollen wir jetzt wieder tun“, sagt Salger. Das Selbstbewusstsein ist da, und auch die restlichen Umstände dürften passen: Flutlichtspiel, ausverkauftes Haus, gute Stimmung, „das gibt eine Menge Spaß“.

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