Aachen - Drei Brüder machen als Ringer „richtig Alarm“

Drei Brüder machen als Ringer „richtig Alarm“

Von: Wilhelm Peters
Letzte Aktualisierung:
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Dieter Otto (blau) „fährt Schubkarre“ mit seinem Gegner Max Mittermüller und holt sich 1985 den Titel bei den Deutschen Meisterschaften.
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Aachen. Da gibt es durchaus eine enge, historische Verbindung des Herrschergeschlechts der Ottonen (10./11. Jahrhundert) zu Aachen. Das ist bekannt. Die Namengleichheit veranlasste 1982 Oberbürgermeister Kurt Malangré bei einem Empfang im Aachener Rathaus schmunzelnd zu einer Bemerkung. In Anlehnung an das Herrschergeschlecht sagte er: „Wir haben einen neuen Otto den Großen.“

Malangré meinte niemanden der „historischen“ Ottonen. Es waren starke Männer, die das Aachener Stadtoberhaupt zum Empfang geladen hatte: eine Ringer-Abordnung der Eintracht aus Walheim. Und der neue „Otto der Große“ heißt im „richtigen Leben“ Dieter Otto.

Seine starke Leistung war Anlass jenes Empfangs: Als erster Sportler der Eintracht holte Dieter Otto 1982 den Titel eines Deutschen Meisters nach Walheim. Bei den nationalen Freistil-Titelkämpfen der Männer wurde er in der Gewichtsklasse bis 82 kg Erster. Dies hatten schon viele gute Ringer der Eintracht versucht, doch es war noch keinem gelungen.

Dieter Otto läutete sozusagen eine Ära ein – die Ära der Otto-Brüder, die es gemeinsam im Ringersport zu beträchtlichen Erfolgen brachten: Dieter (Jahrgang 1958), Siegfried (1959) und Wolfgang (1961) Otto gehörten zu den besten Mattenkünstlern jener Jahre, die es in Deutschland gab. Sie holten zahlreiche Titel und Platzierungen bei den Landes- und Deutschen Meisterschaften, wurden in jungen Jahren Jugend- und Juniorenmeister.

Bis eben Dieter Otto 1982 den Titel eines Deutschen Meisters der Senioren nach Walheim holte. Bei den Titelkämpfen der Männer (Freistil) in Lahr konnte ihn niemand in der Klasse bis 82 Kilogramm aufhalten. „Unser Vater Erwin war sehr ehrgeizig, unsere Mutter Maria dagegen eher ängstlich. Sie musste schließlich immer unsere Wunden versorgen“, erinnert sich der dreimalige Deutsche Meister Dieter Otto, der 1983 seinen Titel verteidigte. Wolfgang Otto erreichte damals zum dritten Mal in Folge einen Platz 3. Sein Schicksal war es, dass er immer den unüberwindlichen Weltmeister Knosp in seiner Gewichtsklasse hatte. Dieter Otto gewann dann 1985 erneut den nationalen Titel bei den Senioren.

Den entscheidenden Bruder-Kampf gab es auch. Den rangen Dieter und Wolfgang Otto dann 1986 aus. „Wir standen uns in Schifferstadt im Finale um die Deutsche Meisterschaft gegenüber“, erinnert sich Dieter Otto. „Wenn man zu Hause die ganze Woche miteinander trainiert, kennt man natürlich jeden Griff des anderen.“ Das machte sich dann Wolfgang Otto zunutze: „Ich hatte mehr Ehrgeiz, Dieter hatte ja schon seine DM-Titel, ich aber noch keinen.“ Es war ein enger Kampf, den der jüngste der Otto-Brüder schließlich nach Punkten für sich entschied. Wolfgang Otto, heute als Vermessungs-Ingenieur bei der Städteregion Aachen tätig, machte es seinem älteren Bruder Dieter dann ein Jahr später nach, gewann 1987 erneut in der 82-Kilogramm-Klasse den Titel.

Siegfried, der zweifache deutsche Junioren- und Schülermeister sowie Jugend-Titelträger brachte es bei den Senioren mehrmals zu beachtlichen Vizetiteln und dritten Plätzen. Er sagt heute: „Unser Vater hat uns damals im Training schon mal so ein bisschen gegen-einander ausgespielt, gesagt: Dein Bruder ist stärker als Du. Das hat uns Ehrgeiz und Biss eingebracht.“ Und heute sagt sein Bruder Wolfgang Otto, der die letzten Jahre als aktiver Ringer für Aldenhoven in der Bundesliga kämpfte, rückblickend: „Es war eine sehr schöne Zeit, die Kameradschaft, die Gemeinschaft, war ganz anders. Heute ist ja allein die Sprachbarriere ein Problem.“

Damit leben Dieter und Siegfried, deren Söhne Max und Martin in die Fußstapfen ihrer Väter getreten und selbst erfolgreiche Ringer sind, seit Jahren. Sie sind beide im Gegensatz zu Wolfgang Otto nach wie vor ganz nah dran an der Eintracht. Geändert hat sich in heutiger Zeit auch etwas anderes: Verletzungen werden wesentlich professioneller behandelt und auskuriert. „Die haben wir damals nicht ganz so ernst genommen.“ Und Dieter Otto sagt: „Wir haben Verletzungen nie auskuriert.“

Das rächte sich dann mit den Jahren. Allen drei Brüdern geht es zwar gut, aber sie laborieren doch bis heute an dem ein oder anderen Problem. „Ein Gelenk im Fuß musste versteift werden“, sagt Siegfried, Arthrose, Gelenkschmerzen, Schulter- und/oder Muskelprobleme sind der Preis des Erfolgs. „Aber man wundert sich, was man trotzdem noch alles damit machen kann“, nimmt es Siegfried Otto hin. Dieter Otto hatte etwas mehr „Glück“: „Mit 18 schon wurde mir in einem Kampf der zweiten Bundesliga das Schultereckgelenk zertrümmert.“

Die Operation und „Verdrahtungen“ in der Schulter warfen ihn Monate zurück. „Diese Verletzung war sein Glück, weil er danach vorsichtiger gerungen, gelauert, auf Fehler des Gegners gewartet hat“, erinnert sich Siegfried Otto. Dieter Ottos Wahrnehmung über die Kampfart seiner Brüder ist dementsprechend konträr: „Dafür wart ihr viel offensiver, habt richtig Alarm gemacht auf der Matte.“ Und ihre Welt war das Freistilringen.

Dabei bewegte sich Siegfried Otto immer in den Klassen bis 68 Kilogramm, während seine Brüder zwischen 74 und 82 Kilogramm pendelten. In den Kämpfen untereinander ging es zwar auch zur Sache, „aber die Bruderliebe wurde nie ausgeschaltet, sie war größer als jeder Erfolgsdruck“, gesteht Siegfried Otto, der Sport- und Techniklehrer an der Gesamtschule in Alsdorf ist. Bruder Dieter, der als Maschinenbau-Ingenieur in Aachen arbeitet, bestätigt: „Wir haben im Wettkampf als Brüder nie mit dieser absoluten Härte gerungen wie gegen andere.“ Diese Härte bekamen „die anderen“ jahrelang zu spüren . . .

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