Domspringen: Hoch hinaus mit dem Rekordhalter

Von: Lukas Weinberger
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Nicht ganz hoch hinaus, aber zumindest ein bisschen: Stabhochspringer Björn Otto trainiert mit Kindern. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Der Stab, den Björn Otto am Donnerstagabend im Aachener Waldstadion in der Hand hielt, hatte nicht besonders viel mit den Stäben gemeinsam, die Otto sonst benutzt. Er war aus Bambus, er war kleiner, dünner, und auf eines seiner Enden war ein kaputter Tennisball gesteckt.

Mit so einem Stab hätte selbst Otto, der mit 6,01 Metern den deutschen Rekord im Stabhochsprung hält, nichts gewinnen können, aber darum ging es ja auch gar nicht. Otto, 38, war ins Waldstadion gekommen, um Kindern aus der Leichtathletik-Abteilung von Alemannia Aachen seinen Sport näher zu bringen.

Es gehört schon zur Tradition, dass im Vorfeld des NetAachen-Domspringens, das am kommenden Mittwoch zum 12. Mal auf dem Katschhof stattfindet, ein Springer mit den Kindern trainiert, und in den vergangenen Jahren ist das eben Otto gewesen. Es gibt ja auch mindestens zwei gute Gründe dafür: Otto ist ziemlich erfolgreich, er hat ja nicht nur den deutschen Rekord aufgestellt, sondern auch eine Silbermedaille bei Olympischen Spielen gewonnen. „Und ich mache das wirklich gerne“, sagt er.

Rund 50 Kinder waren am Donnerstag im Waldstadion, und natürlich konnte ihnen Otto nicht in einer Trainingsstunde das Stabhochspringen beibringen. Er konnte ihnen aber ein erstes Gefühl für den Sport geben. Und dafür hat er diesen Bambusstab gebraucht. Er erklärte den jungen Leichtathleten, wie sie den Stab zu greifen haben, er half ihnen dabei, sich auf die Matte schwingen zu können, er zeigte ihnen, wie sie landen sollen.

„So habe ich auch angefangen“, sagte Otto. „Bei Kindern geht es ja erst mal darum, dass sie Spaß am Training haben.“ Und das hat er auch am Donnerstag wieder geschafft. Lian, 8, hat Otto vor dem Training gar nicht gekannt, sagt er, „aber was wir hier machen, ist schon cool“. Leonard, 9, ist schon zum dritten Mal dabei gewesen, genug hat er aber immer noch nicht: „Es macht richtig großen Spaß.“

Otto jedenfalls wird am kommenden Mittwoch wieder zum richtigen Stab greifen, ein letztes Mal – zumindest in einem Wettkampf. Er beendet beim Domspringen seine Karriere, und es sieht so aus, als könne der lange verletzte Athlet des ASV Köln ein paar Sprünge machen. Er sagte: „Der Fuß fühlt sich gut an.“ Und wenn es am Ende über fünf Meter geht, wäre das für Björn Otto wie ein kleiner Sieg.

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