Domspringen: Der Weltmeister kommt, aber er kann nicht springen

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Beide kommen nach Aachen, aber nur Björn Otto (links) springt: Raphael Holzdeppe muss wegen einer Wadenzerrung passen. Foto: sport/Eibner

Aachen/Berlin. Die schlechte Nachricht erreichte Michael Leers am Montagmorgen: Raphael Holzdeppe, der sich vor drei Wochen in Moskau zum ersten deutschen Stabhochsprung-Weltmeister aufschwang, musste dem Organisator von Alemannia Aachen für das „9. NetAachen-Domspringen“ am Mittwoch auf dem Katschhof wegen einer Verletzung absagen.

Aber der Zweibrücker wird anreisen, um mit dem Kugelschreiber für Autogrammjäger aktiv zu werden. Raphael Holzdeppe und Björn Otto, der 2012 auf dem Katschhof den Deutschen Rekord auf 6,01 Meter schraubte, erwischte unser Sportredakteur Heribert Förster kurz vor ihrem Abflug aus Berlin.

Herr Holzdeppe, was macht die Wade?

Holzdeppe: Ich hab mir am Sonntag in Berlin eine Zerrung zugezogen, kann deshalb nicht in Aachen springen. Für mich ist die Saison leider schon beendet, mein Urlaub beginnt zehn Tage früher als geplant.

Im vergangenen Jahr haben Sie zugesehen, wie Björn Otto auf dem Katschhof 6,01 Meter überflogen ist. Die sechs Meter sind auch Ihr großes Ziel. War am Ende einer langen Saison die Sehnsucht nach einem Sechs-Meter-Sprung immer noch größer als die Sehnsucht nach ein bisschen Ruhe?

Holzdeppe: Ja, und meine Form war auch noch ganz gut. In Leverkusen vor einer Woche hatte ich einen guten Versuch über 5,94 Meter. Sechs Meter, das steht jetzt schon ganz oben auf meiner Liste für das kommende Jahr. Aber wahrscheinlich war alles doch ein bisschen viel. Die Wettkämpfe, die Reisen, die Auftritte – da hat sich der Körper gemeldet.

Björn, die vergangenen zwölf Monate hatten es in sich: Olympia-Zweiter in London, Deutscher Rekord in Aachen, WM-Dritter in Moskau. Gibt es eine Erklärung für die großen Erfolge im, nun ja, Spätherbst der Karriere?

Otto: Es deutete sich ja schon 2007 an, dass es für mich hoch hinaus geht. Aber meine beiden Achillessehnenrisse haben mich drei Jahre zurückgeworfen. Und dann dauert es noch seine Zeit, bis alle Automatismen wieder greifen.

Raphael, Sie werden Ende des Monats 24 Jahre alt, für einen Stabhochspringer ist das ein „zartes Alter“. Wie sieht Ihre sportliche Lebensplanung aus, soll Stabhochsprung für die kommenden zehn, zwölf Jahre Ihr Beruf bleiben?

Holzdeppe: Ich will den Sport schon so lange wie möglich ausüben. Zehn Jahre – wenn mein Körper mitspielt – kann ich mir schon noch gut vorstellen. Die meisten Stabhochspringer hören ja erst in einem Alter zwischen 31 und 35 Jahren auf.

Björn, Sie werden Mitte Oktober dagegen schon 36 Jahre. Wie lange werden Sie noch als Stabhochspringer aktiv sein?

Otto (leicht genervt): Ich möchte das Alter am liebsten außen vorlassen, jeder fragt mich danach. Ich kann es wirklich nicht sagen. Solange ich noch Spaß habe, den Stab halten kann und verletzungsfrei bin, solange werde ich noch dabei sein. Das Alter ist doch nur Nebensache.

Aachen und Raphael Holzdeppe, das hat bislang schon nicht so gepasst. 2012 waren Sie verletzt, 2011 blieben Sie ohne gültigen Versuch, 2010 übersprangen Sie 5,41 Meter…

Holzdeppe: Aber irgendwann werde ich es wieder einmal schaffen, auf dem Katschhof zu springen, ganz bestimmt.

Aachen und Björn Otto, das passt dagegen: 2007, 2009 und 2012 haben Sie hier gewonnen, und der 6,01-Meter-Sprung im vergangenen Jahr ist unvergessen. Was ist das Besondere am Katschhof?

Otto: Es ist diese Atmosphäre, diese super Stimmung, die die Aachener Zuschauer entfachen, und alles ist so eng beieinander.

Kann man sagen, der Katschhof ist für Sie das Wohnzimmer wie einst der Centre Court in Wimbledon für Boris Becker?

Otto: Ja, schon, es ist ein Springen in der Region, wo ich geboren bin, wo ich lebe, ja, das kann man auf jeden Fall so sagen.

Parallel zum Stabhochsprung haben Sie Anfang des Jahres in Essen Ihre Piloten-Ausbildung begonnen. Wie lässt sich das vereinbaren?

Otto: Gut. Ich bekomme aber auch relativ viel Freiraum, so dass ich bei den Wettkämpfen immer antreten kann. Aber es ist schon stressig. Sonntagabend nach dem Springen beim Istaf in Berlin habe ich mich zum Beispiel noch auf einen Flug vorbereitet, den ich nach unserem Rückflug von Berlin nach Düsseldorf am Montag selbst in Angriff nehme.

Auch für Sie endet bald eine lange Saison. Vor einer Woche haben Sie in Leverkusen gesagt, noch einmal sechs Meter springen zu wollen in diesem Jahr. Neben dem „Net- Aachen-Domspringen“ bleiben nur noch die Meetings am Freitag in Brüssel und am Samstag in Lille. Was ist aus Ihrer Sicht realistisch für Mittwoch? Das Wetter spielt wohl mit, 20 bis 25 Grad sind angekündigt, es wird nicht regnen, der Wind dürfte auch keine Rolle spielen.

Otto: Irgendwelche Prognosen wegen der Höhe abzugeben, das geht gar nicht, das wäre nicht seriös. Und wenn Sie jetzt schreiben, dass ich in Aachen sechs Meter springe, dann… Im Ernst, natürlich will ich das, und in Aachen gibt es auch die Anlage dafür. Aber es müssen so viele Sachen zusammenpassen, planen lässt sich das nicht.

Ist denn am Ende einer langen Saison überhaupt noch so ein großer Satz möglich?

Otto: Das haben wir ja letztes Jahr gesehen, prinzipiell ist so was immer machbar. Aber es wäre vermessen zu sagen: Ich springe am Mittwoch über sechs Meter. Für sechs Meter muss wirklich alles passen.

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