Aachen - Die „Taktik-Tüftler“ der Alemannia

Die „Taktik-Tüftler“ der Alemannia

Von: Klaus Schmidt
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„Da müssen wir was ändern“: Alemannia-Chefcoach Peter Schubert (rechts) und „Co“ Reiner Plaßhenrich tüfteln gemeinsam am Spielfeldrand. Foto: sport/Dünhölter

Aachen. Das war nicht unbedingt vorauszusehen. Es geht an diesem Wochenende um die Herbstmeisterschaft in der Fußball-Regionalliga West, und Alemannia Aachen ist drin in der Verlosung. Die Schwarz-Gelben eröffnen das Hinrunden-Finale Freitagabend (19.30 Uhr) gegen die Sportfreunde Siegen.

Weitere Kandidaten für den inoffiziellen Titel sind Spitzenreiter Rot-Weiß Essen (beim 1. FC Köln II), der Talentschuppen von Borussia Mönchengladbach (gegen Schalkes Zweite) und Viktoria Köln (beim FC Kray). Was von den Fans freudig aufgenommen werden dürfte, genießt bei Peter Schubert – wenig überraschend – keine Priorität. Alemannias Cheftrainer will siegen gegen Siegen, „aber für die Herbstmeisterschaft könnten wir uns nichts kaufen. Das ist kein Thema, es liegt auch nicht in unserer Hand.“

Der Aufschwung am Tivoli basiert auf einer bemerkenswerten Entwicklung mit einer Flexibilität, wie sie wohl noch kein Aachener Team zuvor beherrscht hat. Die Mannschaft hat praktisch alle Systeme abgegriffen, die der Fußball hergibt: 4-2-3-1, 4-1-4-1, 4-4-2 mit Doppelsechs oder mit Raute, 3-4-3, 4-3-3, 4-3-2-1. „Und sogar ein 4-3-1 haben wir schon gespielt“, schmunzelt Assistenzcoach Reiner Plaßhenrich, nach zwei Platzverweisen beim Pokalspiel in Wegberg.

Der „polyvalente Spieler“

Diese Vielfalt an Möglichkeiten sei bereits bei der Personalplanung das Ziel gewesen: „Wir haben den Kader so ausgerichtet, dass man mehrere Systeme spielen kann.“ Peter Schubert zitiert in diesem Zusammenhang den Begriff vom „polyvalenten Spieler“, der sich auf bis zu vier, fünf Positionen anbiete. „Du bist nicht so leicht ausrechenbar, kannst schneller reagieren.“ Und das je nach Verlauf auch während einer Partie, ohne Stottern im Betriebssystem.

Die „Taktik-Tüftler“ Schubert und Plaßhenrich verstehen sich seit jeher als Team, in dem die Eindrücke ausgetauscht werden. „In diesem Dialog kommen dann auch Dinge zur Sprache, die man selbst nicht bedacht oder nicht für bedeutend erachtet hat. Und die am Ende dann eine andere Konsequenz für das Spiel haben“, sagt Schubert. Oft ist erst am Spieltag klar, mit welcher Ausrichtung die Mannschaft aufs Feld geschickt wird, welche Impressionen der Trainingswoche die nachhaltigsten sind. „Jeder, der bereit ist, sich weiterzuentwickeln, kann auch mehr für die Entwicklung der Mannschaft tun.“

Eine Vielzahl an taktischen Varianten zu beherrschen, sei indes „nicht zwangsweise“ für sportlichen Erfolg gefragt. „Fortuna Köln ist mit einem klaren 4-2-3-1-System aufgestiegen“, sagt Peter Schubert. „Aber viele sind immer noch in der Denkstruktur der Stammelf. Davon müssen wir uns lösen – den klassischen Stammspieler gibt es nicht mehr.“ An der Krefelder Straße haben sie die Philosophie der Flexibilität „in den Jugendbereich mit reingenommen“, sagt Reiner Plaßhenrich, mahnt hier aber Geduld an: „Das braucht sicher noch Zeit, bis es greift.“

Peter Schubert könnte jetzt „was erzählen zum Gegner, wie Pep Guardiola das macht: super super Trainer, super super Mannschaft.“ Zur Nonchalance besteht allerdings kein Anlass. Welchen Plan auch immer die Alemannia-Trainer für Freitagabend aushecken: Noch wichtiger als die Taktik erscheint die Einstellung, die Bereitschaft zum bedingungslosen Kampf. „Sonst kann es eine bittere Überraschung geben“, mahnt Peter Schubert vor der „mentalen Herausforderung“ in einem „schwierigen Spiel. Die Situation beim Tabellenvorletzten Siegen ist jetzt durch den Trainerwechsel eine ganz andere.“

Anfang des Monats ist Michael Boris von den anderen Sportfreunden der Liga aus Lotte zurückgekehrt, er hat das erste Spiel unter seiner Regie gegen Wiedenbrück gewonnen (1:0). „Die werden alles raushauen, um bei uns zu bestehen“, vermutet der Alemannia-Coach. „Wir sollten diesen Gegner tunlichst ernst nehmen und ihm nicht viele Möglichkeiten bieten.“ Und da gehört dann doch wieder auch Taktik dazu . . .

Mögliche Aufstellung: Löhe - Ernst, Hackenberg, Hoffmann, Lejan - Jerat, Müller - Behrens, Dowidat, Graudenz - Duspara

Schiedsrichter: Benjamin Schäfer (Herten)

Bilanz gegen Siegen: 14 Spiele – 5 Siege, 5 Remis, 4 Niederlagen (17:15 Tore)

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