Aachen/Abu Dhabi - Die Planer: „Es war eine gigantische Herausforderung für uns”

Die Planer: „Es war eine gigantische Herausforderung für uns”

Von: Wolfgang Schumacher
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Tilke-Bauleiter Charalambos Neophytou fertigte wieder eine exzellente F1-Rennstrecke. Foto: Wolfgang Schumacher

Aachen/Abu Dhabi. Sonntag 17 Uhr Ortszeit (14 Uhr MEZ) gehen die Fahrer der F1-Boliden an der Startampel des „Yas Marina Circuit” in Abu Dhabi den Ferraris und Brawns die Sporen. Zum ersten Mal fahren die PS-Protze auf dem neuen Hafenkurs in die aufkommende Wüstennacht.

Der Mix aus einem Start bei Tageslicht und späterem Nachtrennen beim 17. Grandprix ist neu in der Formel 1. Wie vieles in der Märchenwelt am Golf ist dort in den Vereinigten Arabischen Emiraten („VAE”, rund 4,3 Millionen Einwohner) zwischen den Scheichtümern Abu Dhabi und Dubai ein modernes Wunder gelungen. Wie Aladin an der Wunderlampe rieben die Aachener Architekten Hermann Tilke und Peter Wahl an den Geldbeuteln der Scheichs und brachten den genialen Kurs zustande.

„Es ist die größte Strecke, die wir gebaut haben. Es war eine gigantische Herausforderung für unser Büro”, stellte Architekt Wahl kurz vor seinem Abflug ins Scheichtum fest, seine Stimmung aufgeräumt bis euphorisch.

Inspektion vor Ort

Auf der neuen Vergnügungsinsel „Yas”, die 35 Kilometer von der Millionenstadt Abu Dhabi und 115 Kilometer vom Wüsten-Manhattan Dubai entfernt liegt, geht es alleine bei dem Rennkurs mit Yachthafen um ein Bauvolumen von insgesamt 1,2 Milliarden Dollar. Plus den 400 Millionen für das futuristische Yas-Hotel, das laut Wahl in Zusammenarbeit mit dem als experimentierfreudig bekannten New Yorker Architektenbüro „asymptote” (1987 gegründet) geplant wurde.

Für das Geld gibt es als Zugabe eine Dragster-Beschleunigungs-Piste, die während der Formel-1-Rennen als Hubschrauberlandeplatz genutzt wird, sowie eine Cart-Bahn. Wie bereits in Shanghai und beim benachbarten Wüstenkurs Bahrain liegt die Bauleitung des Riesenprojektes beim Wahl-Aachener Charalambos Neophytou. Der griechische Zypriote kam wie viele Landsleute in den Jahren der Militärjunta nach Deutschland - und er blieb wie viele. Jetzt steuert Neophytou seinen Nissan-Geländewagen gemächlich über den frisch gebackenen Rennkurs der Scheichs. Wieder ist eine „Aachener Strecke” bis auf einige Kleinigkeiten fertig, er präsentiert das Ergebnis stolz.

Die Sicherheitsposten lassen den Chef ohne Murren durch, immer noch stehen zahllose Laster und Lieferantenwagen Schlange am Nadelöhr des Checkpoints direkt am Autobahnkreuz der Insel. Trotzdem: Es ist nicht mehr allzu viel zu tun, Mitte Oktober, die Strecke an sich ist fertig, die Abnahmen stehen ins Haus. An Tagen, an denen Mitglieder der Herrscherfamilie wie etwa der Kronprinz anreisen, wird alles gesperrt, nichts geht mehr.

Während Neophytou erzählt, bremst der „Herr aller Gebäude”, hält auf der Kuppe vor der Anfahrt zur sogenannten Arena. Der Blick hinunter in die fahrerisch anspruchsvolle 180-Grad-Kurve mit hautnahen Tribünen macht kribbelnde Angst. Hier wird es Kampf geben, Racing, die Renn-Hähne Sutil und Trulli sollten sich hier besser voneinander fern halten. 35 Grad sind es immer noch im Oktober, nur ist es nicht so schwül wie im Sommer. Letzte Markierungsarbeiten an der Pole-Position stehen gerade an, hinter der Startampel am Ende der Geraden ragt der „Sun Tower” mit den VIP-Logen für die Scheich-Familien in den Himmel. „Dahinten wird die größte Achterbahn der Welt gebaut, 65 Meter hoch.”

Der Bauleiter zeigt auf das gigantische Nachbarprojekt. Riesige Dachfronten in Ferrari-Rot für das gleichnamige Erlebniscenter der Scuderia sind zu sehen, daneben die Stützen der Riesenachterbahn - hier entstehen moderne Geschichten aus 1001-Nacht. Eine Tradition wird sich am Sonntag definitiv mit der Modernität beißen. Viele fragen sich augenzwinkernd, was an der Rennstrecke passiert, wenn der Muezzin den letzten Gebetsruf des Tages erschallen lässt - spannend, denn das dürfte ungefähr kurz vor Rennende sein.
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