Die Erfolgsliste ist Jörg Müller noch nicht lang genug

Von: Klaus Schmidt
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Jörg Müller ist seit 20 Jahren BMW-Werkspilot. Foto: sport/beil

Hückelhoven. Das würde ihn selbst mal interessieren, „wie viele Kilometer ich auf vier Rädern verbracht habe. Das müsste mal jemand ausrechnen.“ Vermutlich lässt sich das nicht mehr nachhalten, für Jörg Müller sind auch eher die weichen Faktoren entscheidend. Vor rund vier Jahrzehnten nahm die Motorsport-Karriere des Hückelhoveners im Kart ihren Lauf.

Seine Spur hatte sich etwas verflüchtigt, seitdem Müller überwiegend in Japan unterwegs ist. Doch mehr kann man nicht wollen als das, was der 46-Jährige festhält: „Es läuft gut, es gibt viel zu tun, und ich mache immer noch, was mir Spaß macht.“ Das sei ja das Schöne: „Ich bin immer noch dabei, habe immer noch einen Riesenspaß.“

In seiner bewegten Laufbahn hat Müller eine bemerkenswerte Erfolgsliste zusammengestellt. „Das passt nicht mehr auf meine Autogrammkarte“, sagt dieser stets gut gelaunte, nette Typ, der nie im Verdacht der Arroganz stand. Meister in der Formel Ford und Formel Opel. Europa-Champion in der Formel Ford. Meister und Monaco-Sieger in der Formel 3. Titelträger in der Formel 3000.

Formel-1-Testpilot bei Arrows, Sauber und BMW. Mit Porsche Zweiter bei den 24 Stunden von Le Mans. Mit BMW Sieger bei den 12 Stunden von Sebring. Meister in der American Le Mans Series. Vize-Europa- und Vize-Weltmeister im Tourenwagen. Sieger beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring. Und: Müller war der erste Fahrer, der den prestigeträchtigen Grand Prix von Macao sowohl in der Formel 3 als auch im Tourenwagen gewann.

Nun steht der Sonnyboy an einer Marke, die nur wenige Vertreter seines Fachs erreichen. Seit 20 Jahren, mit dem damaligen Einstieg in den Super-Tourenwagen-Cup, ist Müller Werkspilot – bei ein und derselben Marke, BMW. „Das ist in meinem Alter nicht normal. Man sieht ja fast nur noch junge Fahrer, die kennt keiner, aber dahin geht die Richtung.“ Müller stellt das ohne Wertung fest, die Disziplin „Bedauern“ hat er ohnehin nie beherrscht. „Ich trauere keiner Entscheidung hinterher. Alles ist gut, so wie es war.“

Wehmut über eine verpasste Karriere in der Formel 1? „Null!“ Nach dem Triumph 1996 in der Formel 3000 war bei McLaren schon der Sitz angepasst, Müller hätte sich in einem Test zunächst als Ersatzpilot empfehlen können. „Wir haben damals anders entschieden“, Müller und Dr. Helmut Marko, sein Teamchef, bis vor drei Jahren auch sein Manager und aktuell Motorsportchef von Red Bull.

Sie nahmen das Angebot des mäßig erfolgreichen Arrows-Rennstalls an, Testkilometer gab es reichlich, doch aus dem schriftlich gegebenen Versprechen, „1998 sitze ich als Stammfahrer im Auto“, wurde nichts. Mit der Verpflichtung von Damon Hill hatte sich das Team finanziell übernommen und benötigte Piloten, die Geld mitbrachten. Selbst wenn er falsch beraten gewesen wäre – auf „den Doktor“ lässt Müller nichts kommen. „Marko hat mir an einem Tiefpunkt meiner Karriere eine Chance gegeben. Dafür werde ich immer dankbar sein. Und ich hatte auch als Testfahrer eine wunderschöne Zeit in der Formel 1.“

Der Name Jörg Müller hat in der Szene weiter einen guten Klang, 2013 verpflichtete der japanische Teamchef Bob Suzuki den Hückelhovener für einen Start beim 1000-Kilometer-Rennen von Suzuka. „Es lief perfekt mit Platz zwei.“ Seitdem ist Müller fest in der japanischen Super-GT-Serie engagiert, der beliebtesten Meisterschaft im Lande mit Zuschauerzahlen zwischen 80.000 und 120.000; er bildet mit Le-Mans-Sieger Seiji Ara eine starke Fahrerpaarung. Im BMW Z4 GT3 sprang nach Platz 3 in der Gesamtwertung allerdings im vergangenen Jahr nur der siebte Rang heraus. „Es war viel Pech, viel Scheiße dabei.“

In dieser Saison wird umgestiegen in den BMW M6 GT3 (4,4 Liter, V8-Motor, Doppel-Turbo, rund 600 PS), an dessen Entwicklung Müller mitgearbeitet hat. Der Terminkalender ist voll. „32 Veranstaltungen in diesem Jahr“, acht in Japan, dazu Langstreckenpokal auf dem Nürburgring, die 24 Stunden dort und vielleicht auch in Spa, dazu Tests und die Aufgabe als In­struktor für die GT3-Junioren von BMW. Was geht 2016? „Wir werden erst nach zwei, drei Rennen Genaueres sehen“, sagt Müller, am 9./10. April ist Start in Okayama. „Aber ich würde gerne wieder einmal eine Meisterschaft gewinnen.“

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