Die besten Footvolley-Spieler Europas in Düren

Von: Franz Sistemich
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Perfekt im Sand und mit Ball: Markus Dieckmann war nicht nur Europameister im Beach-Volleyball, sondern ist es auch im Footvolley. Foto: Sistemich

Düren. Thomas Noack macht seinem Unmut Luft: „Mann, das war doch ein leichter Ball”, ruft er, schüttelt verwundert den Kopf ob des Missgeschicks. Versprungen ist dem 31-Jährigen eben dieser ach so leichte Ball.

Der Zuschauer auf der Tribüne hätte sich dagegen eher gewundert, wenn Noack das Spielgerät sicher angenommen und weitergespielt hätte. So unterschiedlich können Ansichten sein. Besonders wenn es sich um eine weitgehend unbekannte Sportart handelt. Stichwort: Footvolley.

Salopp formuliert handelt es sich dabei um Beach-Volleyball. Allerdings darf das Spielgerät nicht mit Händen und Armen bewegt werden. Erlaubt sind dagegen alle anderen Teile des menschlichen Körpers, vor allem Kopf, Brust und Füße.

Der Länderkampf

Zum zweiten Mal gastierte die Footvolley-Szene in Düren. Im vergangenen Jahr demonstrierten Deutschlands beste Akteure mit Markus Dieckmann an der Spitze, dem früheren zweifachen Europameister im Beach-Volleyball, ihre technischen und taktischen Fähigkeit in einem Freundschaftsspiel während des DKB-Beach-Cups. Am vergangenen Wochenende erfuhr die Sportart während des Beach-Volleyball-Turniers vor dem Dürener Rathaus eine weitere Aufwertung: Ein Länderkampf stand an. Deutschland gegen die Niederlande. Zwei deutsche Teams gegen zwei aus dem westlichen Nachbarland.

Die Zuschauer sahen die Europameister: Als des Kontinents beste Footvolley-Spieler traten Dieckmann und sein Partner Thomas Noack in Düren an. Im Juni hatten sie den EM-Titel im französischen Cannes gewonnen. Beim 2:1 über Portugal dominierten Dieckmann und Noack im entscheidenden dritten Satz vor allem durch die Erfahrung und die Taktik des 34-Jährigen ehemaligen Beachers. Und auch in Düren triumphierte Deutschland I im Finale.

Doch was auf beiden Seiten des Netzes oft so spielerisch leicht aussah, ist nicht anderes als das Ergebnis harter Arbeit: „Anderthalb bis zwei Jahre braucht man schon, um ein vernünftiges Niveau zu erreichen”, stimmt Dieckmann potenzielle Anfänger auf einen langen Weg voller Schweiß, aber nicht unbedingt Tränen ein. „Selbst gestandene Bundesliga-Fußballer benötigen ihre Zeit, um die Sportart zu beherrschen”, führt Thomas Noack aus. Er muss es wissen: Er berät Christoph Moritz (Schalke 04) und Lewis Holtby (Mainz 05).

Die beiden Bundesliga-Profis haben in ihrer Freizeit bereits mit den Footvolley-Spielern trainiert und die Erfahrung gemacht: Der Sand ist eben kein fester Untergrund, und mit nackten Füßen ist es auch nicht gerade einfach, den Ball passgenau dem Partner zu servieren. „Jede einzelne Technik muss hunderte Mal geübt werden”, betonen Dieckmann und Noack.

So spektakulär das genaue Zuspiel per Fallrückzieher auch aussieht und begeistert von den Zuschauern beklatscht wird: „Das alles gelingt nur, wenn wie im Fußball die Basics, wenn die Automatismen stimmen”, erklärt Noack, gilt es doch vor allem, sich während eines Spiels auf die Gegner zu konzentrieren: „Je mehr automatisiert ist, um so besser kannst du dich auf den Gegner einstellen und deine Taktik durchsetzen.” Beispielsweise mit einer flachen und schnellen Angabe per Fuß: Je höher und je langsamer sie über das Netz kommt, um so leichter hat es der Gegner, sie mit Kopf, Brust oder Fuß weiterzuspielen. Beliebt ist auch der kurze Ball, den der Gegner nur mit einem langen Schritt erreichen kann: „Sehr schwierig anzunehmen”, lautet Noacks Kommentar.

Auch aus diesen Gründen glauben Europas beste Footvolley-Aktive, dass ihre Sportart keinen großen Boom erleben wird: „Wir werden nicht so viele Spieler wie beim Beach-Volleyball bekommen, aber die Spieler werden immer ein hohes Niveau besitzen”, ist Noack überzeugt. Und diese Spieler werden ihre Sportart lange absolvieren können: „Ich habe mal gegen einen 63-jährigen Brasilianer verloren”, gesteht Dieckmann schmunzelnd. Kein Wunder: Brasilien ist das Mutterland des Footvolley.
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