Deutschland gegen Holland: Klassiker auf dem Tivoli

Von: Guido Jansen
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Wer erinnert sich nicht an Gerd Müllers Tor zum 2:1 im WM-Finale 1974 (großes Foto) und den Siegerkuss des damaligen Bundestrainers Helmut Schön (rechts)? 1990 im WM-Achtelfinale durfte ein großartig auftrumpfender Jürgen Klinsmann jubeln (oben links), überschattet wurde die Partie in Mailand von „Lama“ Frank Rijkaard und den Roten Karten gegen ihn und Gegenspieler Rudi Völler. Einmal jubeln durften aber auch Ruud Gullit und Ronald Koeman, beim 2:1-Sieg im EM-Halbfinale 1988 in Hamburg. Foto: sport/Werek (4)/Norbert Schmidt

Aachen. Rijkaard, Spucke, Völler, Rot. Die Geschichte der deutsch-niederländischen Duelle ist eine Geschichte von Feindschaft und Freundschaft; in genau dieser Reihenfolge. Als sich beide Länder im WM-Finale 1974 gegenüberstehen, spielt der Zweite Weltkrieg in den Köpfen vielen Niederländer noch eine Rolle.

Bei den zwei großen Duellen 1988 und 1990 ist der grundsätzliche Hass verflogen, die sportliche Rivalität erreicht ihren rotzigen Höhepunkt mit der berühmten Spuck-Attacke. Spätestens seit der Sommermärchen-WM 2006 in Deutschland ist das Verhältnis von Respekt und Freundschaft geprägt. In aller Freundschaft treffen Völler, Rijkaard, Lothar Matthäus und Co am 7. Juli auf dem Aachener Tivoli aufeinander zum Duell deutscher Stars mit den „Oranje-Allstars“.

WM-Finale 1974

Die Sache war eigentlich geritzt. König Johan sollte den Thron des Weltfußballs besteigen. Folgerichtig. Vor dem WM-Finale am 7. Juli 1974 galt Johan Cruyff als bester Fußballer der Welt. Nicht mehr und nicht weniger. Gekrönt worden ist an diesem Abend im Münchner Olympiastadion aber jemand anderes. Franz Beckenbauer, der Kaiser.

Die Deutschen sind Außenseiter. Nach der ersten Minute im Endspiel umso mehr. Uli Hoeneß holt Cruyff von den Beinen, Johan Neeskens verwandelt. In der 25. Minute gleicht Paul Breitner ebenfalls per Strafstoß aus. Zwei Minuten vor der Halbzeit schießt der „Bomber der Nation“ das wichtigste Tor seiner Laufbahn. Gerd Müllers 2:1 in der 43. Minute bedeutet den Endstand und WM-Titel Nummer zwei für Deutschland.

EM-Halbfinale 1988

Jürgen Kohler macht ein großes Spiel. Der Abwehrspieler des 1. FC Köln hat es im Halbfinale der Europameisterschaft am 21. Juni 1988 im Hamburger Volksparkstadion mit dem besten Stürmer der Welt zu tun. Kohler nimmt Marco van Basten fast ganz aus der Partie. In der 74. Minute wertete der rumänische Unparteiische Ioan Igna einen Zweikampf zwischen Kohler und van Basten als Foul. Elfmeter. Ronald Koeman gleicht aus, nachdem Lothar Matthäus ebenfalls per Foulelfmeter (55.) getroffen hatte.

In der 89. Minute zeigt van Basten seine ganze Klasse. Nach einem Steilpass von Jan Wouters spitzelt er den Ball mit einer Fußspitze Vorsprung vorbei an Kohler und Schlussmann Eike Immel ins Tor. Das aus Sicht vieler Deutscher unvergessliche Bild liefert Koeman, der sich nach dem Schlusspfiff mit Olafs Thons Trikot symbolträchtig den Allerwertesten wischt. Im Finale schlagen die Niederlande die Auswahl der damaligen UdSSR 2:0.

WM-Achtelfinale 1990

„Mister Guten-Abend-Allerseits“ verliert hinter seinem Mikrofon völlig die Fassung. „Schickt diesen Mann ganz schnell zurück in die Pampa“, schimpft Heribert Faßbender lauthals in der 22. Minute des Achtelfinalspiels der Fußballweltmeisterschaft im Mailänder Giuseppe Meazza-Stadion am 24. Juni 1990. Gerade hat Frank Rijkaard Rudi Völler zum zweiten Mal bespuckt. Völler protestiert, weißt den argentinischen Schiedsrichter Loustau auf die rijkaard‘schen Amylase-Reste in seiner Lockenpracht hin. Daraufhin gibt‘s Rot für Spucker und Bespuckten. Deswegen verliert Faßbender die Fassung und fordert Verbannung für den Mann an der Pfeife. Jürgen Klinsmann macht das Spiel seines Lebens, erzielt das 1:0 (54.). An-dreas Brehme erhöht auf 2:0 (84.), der Anschluss per Elfmeter von Koeman (88.) kommt zu spät. Deutschland wird zweieinhalb Wochen später Weltmeister. Die Freundschaft zwischen Völler und Rijkaard braucht etwas länger, gilt aber dafür heute noch.

Genau wie der große Respekt, den die Nachbarn seit vielen Jahren füreinander empfinden. 15 deutsche Siegen, 15 Unentschieden und zehn Erfolge für die Oranjes lautet die Bilanz.

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