Dortmund - Der FC erweist sich als gewiefter Spielverderber

Der FC erweist sich als gewiefter Spielverderber

Von: Lukas Weinberger
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Ein seltenes Duell: Kölns Torwart Timo Horn (links) musste in der Anfangsphase einen Versuch von Dortmunds Offensivkraft Marco Reus abwehren. Über weite Strecken des Spiels hielt der FC die Borussia aber fern von der Gefahrenzone.

Dortmund. Timo Horn hatte sich auf einen arbeitsreichen Samstagabend in Dortmund eingestellt, die Borussia habe schließlich „eine der besten Offensiven Europas“, so hat das der Schlussmann des 1. FC Köln vor dem Kräftemessen mit dem BVB gesagt. Auf dem Papier hat Horn da sicher recht.

Dortmund hat ein paar feine Offensivspieler in seinen Reihen, beim 0:0 gegen die Kölner war von ihnen aber nicht viel zu sehen. Und so stapfte Timo Horn nach dem Spiel die Treppe in die Mixed-Zone des Signal-Iduna-Parks hinauf, stellte sich vor die Journalisten, grinste und sagte: „Ich habe deutlich weniger zu tun bekommen, als ich vor dem Spiel gedacht habe.“

Dass Horn das nach getaner Arbeit so sagen konnte, hatte nicht nur mit Dortmunder Schwächen zu tun, es hatte viel mehr mit der taktisch starken Leistung der Kölner in einem sonst wenig aufregenden Spiel zu tun. „Es ist sehr schön, dass wir defensiv so gut stehen, das muss die Basis sein“, sagte Horn.

Starker Defensivverbund

Abwehrchef Dominic Maroh sah das ganz ähnlich, „wir machen das schon die ganze Saison gut, aber heute war das schon ein ganz hohes Niveau.“ Erstmals hatte er wegen der Sperre von Kevin Wimmer in der Zentrale mit Mergim Mavraj verteidigt, das Duo verlieh dem Kölner Defensivverbund außerordentliche Stabilität. Und so ging Maroh noch einen Schritt weiter: „Wenn man das Ganze zusammenfasst, hätten wir auch zwei Punkte mehr mitnehmen können.“

Es ist tatsächlich so, dass die Kölner dem Sieg in einem typischen 0:0-Spiel ein bisschen näher waren, der FC hatte die besseren Chancen. Und so sagte auch Trainer Peter Stöger, dass er mit dem Punkt zwar „natürlich sehr zufrieden“ sei, „ich glaube aber auch, dass wir hätten gewinnen können – wenn denn alles gepasst hätte“.

Es waren nicht einmal zwei Minuten gespielt, da hätte fast alles gepasst, als Deyverson die Führung auf dem Fuß hatte. Der Stürmer war frei vor BVB-Torwart Weidenfeller aufgetaucht, versuchte es mit einem Lupfer, aber Weidenfeller wischte den Ball weg. Stöger hatte Deyverson trotz seines übermotivierten Auftritts gegen Frankfurt erneut das Vertrauen geschenkt. Der Trainer und sein Stab hatten den Brasilianer unter der Woche eingenordet, ihm erklärt, dass er seine Art Fußball zu spielen nicht ändern solle, die Theatralik aber ablegen müsse. Es wirkte, Dey­verson lief viel, warf sich in die Zweikämpfe, „er hat das, was wir besprochen haben, ziemlich gut umgesetzt“, sagte Stöger.

Deyversons Lupfer war die beste Chance des ersten Durchgangs, Dortmund brachte nur einen Subotic-Kopfball zustande (4.), Kölns Ujah ließ sich zu weit abdrängen (5.). Die restlichen 40 Minuten der ersten Hälfte waren schlicht langweilig, Dortmund hatte oft den Ball, aber Kölns Taktik, die Räume mit zwei tiefstehenden Viererreihen eng zu machen, ging über die komplette Spielzeit fast perfekt auf. „Kämpferisch und läuferisch war das eine tolle Leistung“, sagte Stöger. „Ich habe uns sehr, sehr gut arbeiten gesehen.“

Dass BVB-Trainer Jürgen Klopp nach der Partie sagte, Köln habe von Dortmunder Fehlern profitiert, nahm Stöger mit einem Achselzucken zur Kenntnis. So kam auch Kölns beste Chance in Hälfte 2 zustande, wieder war es Deyverson, der die Kölner hätte belohnen können, er ballerte eine Ujah-Hereingabe aber frei stehend über das BVB-Gehäuse (51.). „Wenn man die Tore nicht schießt, ist ein 0:0 das beste Ergebnis“, sagte Stöger. In seinen Worten schwang eine kleine Mahnung mit, weil das Spiel in Hälfte 2 durchaus hätte kippen können.

Horn ist zur Stelle

Köln kam zu keinen nennenswerten Chancen mehr, und nachdem Klopp mit Kevin Kampl und Jakub Blaszczykowski zwei frische Offensivspieler gebracht hatte, strahlte Dortmund zumindest ein bisschen Gefahr aus. Maroh fälschte einen Reus-Schuss ab, Horn fischte den Ball aus der Ecke (66.), fünf Minuten später kam Aubameyang nach einer scharfen Kampl-Flanke einen Schritt zu spät, bugsierte den Ball mit der Hand ins Tor und sah dafür Gelb, und nach einem Kopfball von Mats Hummels musste Horn nochmals sein Können aufbieten (79.). „Meine Aufgabe ist es, da zu sein, wenn mal etwas durchkommt“, sagte Horn. „Dafür steht da noch ein Torwart im Tor.“

Am Ende blieb das Spiel das, was es verdient hatte – torlos. Und obwohl Köln mit dem siebten 0:0 der Saison einen wenig schmeichelhaften Bundesliga-Rekord einstellte und seit fast 24 Jahren ohne Sieg in Dortmund bleibt, trauerte niemand lange den vergebenen Möglichkeiten nach. Der Punkt sei ein Gewinn im Kampf um den Klassenerhalt, da sei jeder Zähler wichtig, sagten Spieler und Trainer. Die Liga zu halten, bleibe oberstes Ziel. „Und dafür werden wir weiter beinhart kämpfen“, sagte Stöger.

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