Der Aachener „Löwe“ Leo Zulic feilt am Comeback

Von: Bernd Schneiders
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Bodenkampf mit seinem alten und neuen Coach Frederick Jungheim: Leo Zulic beim Training für seinen nächsten MMA-Kampf. Foto: Wolfgang Birkenstock
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Kampfsport ist der „Kick“ für Leo Zulic – auch beim Training im Eilendorfer Tai-Kien-Gym. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Löwen halten keinen Winterschlaf: Leo Zulic, Kampfname Löwe (Leo), wohl. Doch nach drei Monaten verlässt der Aachener Kampfsportler seine „Höhle“ und greift wieder an: Nach der Trennung von Trainer Uwe Göbkes und dessen Verein Mujoken-ki setzt er seine Karriere fort unter neuen Bedingungen.

Der 27-Jährige startet für den Düsseldorfer Klub Agoge, trainiert aber auch im Gym seines ehemaligen Coaches Frederick Jungheim in Eilendorf. Schwerpunkt wird MMA (Mixed Martial Arts) sein, für den erfahrenen Zulic die größte Herausforderung unter den verschiedenen Kampfsportarten. „Mit meinen 27 Jahren brauchte ich eine neue Herausforderung: MMA ist für mich das Kompletteste, das Höchste, gerade auch durch seine Vielseitigkeit – mehr geht nicht.“

Für diesen Weg hält er den Düsseldorfer Klub als ideal. Mitinhaber Ivan Dijakovic ist sein Promoter. „Er kennt sich in der Szene bestens aus, hat die Kontakte, speziell im MMA, die ich brauche. Außerdem verbindet uns eine tiefe Freundschaft. Er ist ein Landsmann, und ich vertraue ihm total – ohne, dass mir durch irgendwelche Verträge Fesseln angelegt sind.“ Zwei Mal in der Woche fährt Zulic zum Agoge-Gym in Düsseldorf. „Dort trainieren qualitativ hochrangige Kämpfer wie etwa Stefan Lecki. Das bringt mich wirklich weiter.“

Schwerpunkt seiner Trainingsarbeit aber ist der Eilendorfer Kampfsport-Verein Tai-Kien an der Kalkbergstraße. Cheftrainer Jungheim hat Zulic entdeckt und ausgebildet. „Damals den Verein zu wechseln, hatte ausschließlich sportliche Gründe. Menschlich ist unsere Beziehung nie abgebrochen. Frederick hat mich immer unterstützt.“ Und sein alter und neuer Trainer akzeptiert auch, dass sein Musterschüler nun unter der Flagge des Düsseldorfer Klubs startet. „Das ist das Beste für ihn. Im Vordergrund stehen immer die Interessen und die Perspektiven des Kämpfers, nicht die des Trainers. Und da kann ich die Entscheidung für Agoge und seinen Kumpel Dijakovic sehr gut nachvollziehen.“

Leo Zulic fühlt sich wohl in dieser Konstellation. Und diese Atmosphäre benötigt der Mann, der im Aachener Ostviertel groß wurde, um erfolgreich zu arbeiten und zu kämpfen. Trotz all der Titel ist Leo Zulic bescheiden geblieben. Und insofern ist das Eingangsbild vom brüllenden Löwen eigentlich ein falsches: Der 27-Jährige hat seine zurückhaltende Art nie abgelegt – und will es auch nicht. Zum wahren Löwen wird er nur im Ring oder neuerdings eben auch im Käfig.

So sehr auch sein Körper durch die jahrelange Kampfsportpraxis ausgebildet ist, sein Ego ist auf Normalmaß geblieben. Extrem ausgeprägt ist allerdings seine Beziehung zu seinem Sport. „Ich liebe das Kämpfen.“ Und dennoch benötigte er die dreimonatige Denk- und Sammelpause, Gedanken ans Aufhören inklusive. Dabei sickerte nach und nach die Erkenntnis durch: „Ich kann nicht ohne!“ Kraft schöpft er auch aus der ungewohnten Konstellation: neuer Promoter, Rückkehr zum alten Trainer, zweigeteiltes Training, Fokussierung aufs MMA. „Das ist alles neu für mich. Und diese Herausforderung brauchte ich.“

Tiefe Erkenntnisse kann er aus dieser Collage noch nicht ziehen, sie ist nach drei Wochen noch zu frisch. So wie sein Muskelkater. Obwohl er seinen Körper auch in seiner sportlichen Fastenzeit nicht hat verkümmern lassen, spürt er die Beanspruchung. „Nach jedem Training und jedem Kampf hat er Schmerzen“, grinst sein Trainer Frederick Jungheim. Das Projekt zurück zu 100 Prozent und möglichst noch mehr steht. Und gefällt und motiviert beide. „Ich bin jetzt bei 60 Prozent“, misst Zulic die Ausgangslage.

Sechs Mal Training pro Woche lautet das Programm für die Zeit bis zum ersten Kampf. Und der ist ein ganz besonderer für den gebürtigen Kroaten. Am 1. März feiert Zulic sein Comeback in Zagreb, seiner Geburtsstadt. Eine extrem emotionale Rückkehr, auch wenn sich der 27-Jährige längst als „Öcher“ fühlt. „Mit fünf Jahren habe ich Zagreb verlassen, in Aachen bin ich aufgewachsen.“ In Kroatien geboren, die Mutter Serbin, der Vater Bosnier: „Ich bin Jugoslawe“, scherzt Zulic.

In Zagreb gibt er seinen Einstand für seinen neuen Verein und Promoter. Und es ist ein anspruchsvoller Einstand. Er kämpft beim European MMA-Turnier und vertritt in der kroatischen Hauptstadt Deutschland in der 70-Kilo-Klasse. Es ist das Achtelfinale der Serie, jedes Vierteljahr soll die nächste Runde folgen. Der Mann, der vom Thaiboxen kommt, ist zuversichtlich, seinen dritten MMA-Kampf trotz der Pause erfolgreich zu gestalten. „Ich bin ja nicht jahrelang weggewesen.“

Die Rückkehr geht er extrem motiviert an. In seinen ersten beiden MMA-Kämpfen hat er Blut geleckt. Hier zu den Besten zu gehören, ist der Stachel in seinem Kämpferfleisch. Diese Kampfsportart erfährt einen regen Zulauf und rückt auch immer mehr in den Fokus des öffentlichen Interesses. Leo Zulic weiß, dass er seine Qualitäten modifizieren muss. „Ich muss mich im Bodenkampf verbessern. Das ist klar, weil ich eigentlich ein Stand-up-Kämpfer bin.“ Doch es geht eben nur um Modifizierung, nicht um eine Kehrtwende. „Meine Stärken werden Schläge und Tritte bleiben, auch wenn ich witziger Weise meinen letzten MMA-Kampf am Boden gewonnen habe.“ Deshalb werde er auch in Zukunft nicht „80 Prozent eines Kampfes am Boden“ bestreiten. „Das ist nicht meine Natur.“

Sein Trainer, der selbst aus dem Judo und dem Ringen kommt und mit dem Tai-Kien schon Jahre zuvor ein MMA-nahes Kampfsystem entwickelt hat, pflichtet seinem Schüler bei. „Er muss nicht alle Bodentechniken können, aber kennen. Es genügt, wenn er zwei, drei beherrscht, die dann aber richtig gut“, erklärt Jungheim. Wesentlicher Bestandteil des neuen Lernprogramms: verstärkt Fähigkeiten zu entwickeln, die vermeiden helfen, überhaupt erst vom Gegner in den Bodenkampf gezogen zu werden.

Es bleibt viel zu tun – nicht nur für Zagreb. Knapp drei Monate später steht sein Comeback in der Heimat an. Am 25. Mai kämpft Leo Zulic bei einer Fightnight im Royal Event Center Würselen. Bei dieser Veranstaltung, Station einer Serie, bei der es um Titel des WKN (World Kickboxing Network) geht, wird der Aachener allerdings einen Kampf nach K1-Regeln bestreiten. Kein „Rückfall“ von der neuen „Liebe“ MMA, sondern Beweis der angestrebten Vielseitigkeit.

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