Das Ziel ist ganz klar die Bundesliga

Von: Bernd Schneiders
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Aachen. Die Zeiten der Mono-Kultur im Sport sind längst vorbei. Erst kam Fußball - und dann lange Zeit gar nichts. Heute wetteifern zig Sportarten um die Gunst gerade der Kinder. Egbert Schaffrath wusste schon früh, wie man Interessenten ködert. So wie im Jahr 2001.

Robin Bleuel trainierte Judo in der Neuköllner Straße in Aachen. Die Halle teilten sich die Kampfsportler des Aachener JC mit den Handballern von Schwarz-Rot Aachen. Und Schaffrath angelte im Judo-Becken. Erfolgreich. Mittwochs trainierte der Zehnjährige zum ersten Mal bei Schwarz-Rot, wurde gleich mit einem Trikot ausgestattet und gab drei Tage später sein Debüt in der Jugendmannschaft. „Ich wusste gar nicht, was ich machen sollte”, erinnert sich Robin Bleuel an sein Blitz-Spiel. Judo war passé, von nun an nahm die Aachener Handball-Legende den Frischling unter seine Fittiche.

Die Schaffrath-Beute erwies sich schnell als guter Fang. Innerhalb kurzer Zeit spielte sich Robin Bleuel in die Kreis-, wenig später in die Mittelrhein-Auswahl. Vier Jahre wurde er in der Schaffrath-Schmiede geformt. Dann wechselte er zum BTB Aachen. Heute lebt der Haarener im Sportinternat vom TSV Bayer Dormagen. Und sein Ziel ist klar: 1. Bundesliga.

Die Wettkampfhärte dafür holt er sich Woche für Woche per Doppelbelastung. Samstags spielt er in der A-Jugend, sonntags in der zweiten Mannschaft in der Regionalliga. Und profitiert dabei vom Grundkurs bei Schwarz-Rot: Robin Bleuel, der Anti-Spezialist. „Ich habe auf allen Positionen spielen müssen. Das war die Philosophie.” Am häufigsten wird der Allrounder in der Defensive eingesetzt, halb links oder halb rechts. „Mit 1,80 m gehöre ich zu den Kleineren.” Doch das fehlende Gardemaß im so körperbetonten Sport bügelt er durch eine innere Tugend aus: „Ich bin ein sehr emotionaler Spieler”, beschreibt sich Robin Bleuel. „Je hitziger das Spiel, desto besser meine Leistung. Da kannst du Kräfte mobilisieren, die sonst nicht möglich wären.” Wie etwa im Viertelfinal-Rückspiel um die Deutsche Meisterschaft in Dormagen, als sie zwar gegen die JSG Neuhausen-Metzingen verloren, der Aachener aber vor der Lärmkulisse durch 1000 Zuschauer sich zum besten Spieler auf dem Feld aufschwang.

Judo-Vergangenheit hilft

„Ich verliere eben nicht gerne”, laute das Credo des 84-Kilo-Kämpfers. Der Verzicht auf Freizeit, das viele Training und die vielen Spiele, da er auch als B-Jugendlicher zugleich in der A-Jugend eingesetzt wurde - alles kein Problem für den ehrgeizigen Jüngling. „Das ist eine Belastung, die man will.” Und die gut abgefedert wird. Von schweren Verletzungen blieb Bleuel bisher verschont. Nicht zufällig, wie er meint. „Verletzungsprophylaktische Übungen” wie Krafttraining gehören zum Trainingsalltag. Und bei den Zweikämpfen in der Luft mit anschließender harter Landung kommt ihm neben den aktuellen Fall­übungen auch die Judo-Vergangenheit zugute.

Angst vor Fallhöhen kennt er eh nicht. Der Wechsel zum BTB war für ihn unvermeidlich. Ich wollte nie Durchschnitt sein, ich wollte immer besser werden.” Dieser Drei-Satz beendete auch die Weiterbildung beim BTB. Kontakte zu Dormagen gab es schon länger. Und der Reiz, sich im Internat ganz und gar auf den Handball konzentrieren zu können, war so groß, dass auch der Abschied von Familie und Freunden nicht schrecken konnte. „Ich wollte das unbedingt”, sagt Robin Bleuel. „Es war allein meine Entscheidung.” Vater Robert war schnell eingeweiht, Mutter Astrid musste erst noch überredet werden. „Eine Trennung mit 17, das fiel schon schwer.” Der Abschied vollzog sich in zwei Etappen: Im März 2008 wechselte er zu Bayer Dormagen, die Heinrich-Heine-Gesamtschule in Haaren besuchte er noch bis zum Sommer, bevor er sich Richtung Internat und dessen Kooperationspartner Norbert-Gymnasium Knechtsteden verabschiedete.

„Es war genau die richtige Entscheidung”, blickt er heute zurück. Seinem großen Traum ist er ein Stück nähergekommen, „und meine Freunde habe ich auch immer noch”. Am Wochenende zieht’s ihn regelmäßig in die Heimat. Durchaus vereinbar mit seinem weiteren Privat-Leben. Seine Freundin sieht er häufig in der Woche: Die Tennisspielerin besucht ebenfalls das Sportinternat.

Jetzt steht der Absprung aus der Jugend-Zeit an. Erst einmal in die zweite Mannschaft, wo er sich ja schon eingewöhnen durfte. „Das ist schon eine andere Härte für einen 18-Jährigen”, sagt Bleuel. „Gestandene Regionalliga-Spieler bringen einfach mehr mit.” Doch dank seiner Emotionalität und Kampfeslust reibt er sich gerne auch an körperlich Stärkeren.

Die Härte braucht er jetzt dringend fürs Stahlbad Regionalliga. „Ein bis zwei Jahre muss ich mich jetzt da durchbeißen.” Und sein Fernziel visiert er ganz Handballgemäß an: „In kleinen Schritten.” Seinen „Flohr” im Ohr hat er eh: Sein großes Vorbild ist Matthias Flohr, Jung-Nationalspieler, der ebenfalls einst für den BTB Aachen spielte. „Ich sehe ihn häufig. Er ist auch menschlich unheimlich korrekt”, urteilt Robin Bleuel über den Profi des HSV Hamburg. Spielen durfte er auch schon an dessen Seite. Vorerst nur bei einem BTB-Turnier in einer Allstars-Mannschaft. Aber wer weiß . . .
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