„Das Schönste auf der Welt“

Von: gk
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Geschäftig und gar nicht mehr in Jubellaune: Belgiens Equipechef Kurt Gravemeier am Tag nach dem Triumph im Nationenpreis. Foto: W. Birkenstock

Die Nacht war kurz für Kurt Gravemeier, nachdem die belgische Springreiterequipe den Nationenpreis gewonnen hatte.

„Wenn wir das nicht gefeiert hätten, wäre in der Mannschaft irgendetwas nicht in Ordnung“, meinte der Bundestrainer unseres Nachbarlandes, der bis 2008 die deutschen Springreiter betreut hatte. Die hatten unter der Regie des 56-jährigen letztmals den Mannschaftswettbewerb in der Soers gewonnen.

 

Die Vorstellung Ihrer Equipe war beeindruckend. Die Feierlichkeiten sollen anschließend sehr lange gedauert haben . . .

Gravemeier: Wenn wir das nicht gefeiert hätten, dann wäre in der Mannschaft irgendetwas nicht in Ordnung. Das sind junge Leute, ich bin ein alter Sack. Wir mussten zur Pressekonferenz, hatten noch eine Einladung von Mercedes Benz und dann haben wir uns noch mit Verwandten, Freunden, Bekannten im Champions Circle getroffen. Ich weiß, dass ich zehn Minuten vor Eins gegangen bin, und meine Jungs haben im roten Rock und Stiefeln noch da gestanden. Das muss einfach so sein, denn hier in Aachen zu gewinnen, ist das Schönste auf der ganzen Welt.

Hatten Sie diesen Erfolg mit einer solch jungen Equipe für Möglichkeit gehalten?

Gravemeier: Ich bin seit eineinhalb Jahren in Belgien, und wir hatten sehr gute Erfolge im letzten Jahr mit jungen Leuten. Ich glaube an diese Mannschaft und wollte hier unbedingt mal ganz nach vorne. Ich freue mich wahnsinnig darüber, dass es geklappt hat.

Nun sind Sie der erste Deutsche seit 2008, der hier den Nationenpreis gewonnen hat. Und seinerzeit waren Sie deutscher Equipechef

Gravemeier: Ich war seit acht Jahren deutscher Bundestrainer, als die Olympiade 2008 in Hongkong war. Wir hatten dort sehr viele Probleme mit Doping und anderen Dingen, und irgendwie musste wohl ein Bauernopfer gefunden werden. Das war ich und kurze Zeit später unser Tierarzt. Das soll jetzt nicht gehässig sein. Es war eine wunderschöne Zeit. Aber jetzt bin ich in Belgien. Letztes Jahr ist es mit schwer gefallen, bei der Parade mit der belgischen Fahne durch die Aachener Soers zu laufen. Heute bin ich darüber hinweg, weil ich weiß, was ich kann. Vielleicht hört sich das ein bisschen arrogant an, aber ich bin ganz stolz auf die junge belgische Mannschaft. Und wir haben noch zwei, drei in der Hinterhand. Für die Zukunft sieht es sehr gut aus.

Sind Sie abergläubisch?

Gravemeier: Ein bisschen.

Dann sollte es Sie vielleicht ein wenig beunruhigen, dass noch nie ein Team ein Championat gewonnen hat, das im selben Jahr in Aachen gesiegt hatte.

Gravemeier: Erstmal haben wir nicht das Ziel, bei der Weltmeisterschaft Anfang September in der Normandie unbedingt Erster zu werden. Das trifft wohl eher auf die deutsche Mannschaft zu in den letzten 20 Jahren. Aber die Dinge können sich auch einmal ändern. Wir wollen bei der Weltmeisterschaft ein gutes Bild abgeben, unser Hauptziel ist, dass wir uns für die Olympiade qualifizieren.

Was konnten Sie in Belgien bisher verändern?

Gravemeier: Man kann keine Berge versetzen. Mein Ziel war immer, mit jungen Leuten zu arbeiten. Vielleicht war es mein Glück, dass es dort so viele junge, talentierte Reiter gibt. Die sind froh, dass ich ihnen die Chance gegeben habe. Wir haben eine richtig tolle Stimmung.

Drei aus Ihrer Equipe könnten noch bei den Jungen Reitern starten.

Gravemeier: Ja, das muss man sich mal vorstellen. Das gibt es in fast keinem anderen Land.

Goldene Zeiten also für den belgischen Springsport?

Gravemeier: Da bin ich vorsichtig. Die Qualität der Reiter bleibt, aber Belgien ist auch ein Land der Pferdehändler.

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