Chronik eines Niedergangs: Germania Dürwiß vor dem Neuanfang

Von: Günter Kirschbaum
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Sie wollen bei Germania Dürwiß die Seniorenabteilung von unten aufbauen: Frank Dickmeis (links) und Udo Wolf. Foto: Wolfgang Birkenstock

Dürwiß. Es ist der Abstieg aus den Top Fünf der Vereine der Region in die Niederungen des Amateurfußballs. Der Rückzug des FC Germania Dürwiß aus der Bezirksliga stellt den bisherigen Tiefpunkt der Vereinsgeschichte dar.

Innerhalb nur eines Jahrzehnts vollzog sich der Absturz aus der Mittelrheinliga (damals noch Verbandsliga) in die Kreisliga A, wo die Germania in der kommenden Saison wieder um Punkte spielen soll.

Der aktuelle Zwei-Mann-Vorstand zog in der letzten Woche kompromisslos die Notbremse. Die anderen Vorstandsmitglieder waren bereits im November aufgrund der Lage der Germania zurückgetreten. „Wir wollten nicht auch noch unsere Jugendabteilung gefährden“, sagt Beisitzer Frank Dickmeis, der gemeinsam mit Geschäftsführer Udo Wolf im Stadion am See dafür sorgt, dass es auch im Seniorenbereich weitergehen soll. Sie wollen die Probleme angehen und aus dem Weg räumen. „Damit wir im Sommer in der A-Liga eine Mannschaft mit Perspektive haben“, sagt Wolf.

Nun waren es nicht gerade Reichtümer, die in Dürwiß fehlten, um die aktuelle Bezirksligasaison auch finanziell geordnet zu Ende zu bringen. Sportlich hatte sich die Mannschaft nach zwei Abstiegen in der untersten Klasse auf Verbandsebene stabilisiert. Und „nur“ 20.000 Euro mehr in der Vereinskasse hätten ausgereicht, um den Rückzug zu vermeiden.

Doch die fehlenden Gelder setzten eine Spirale in Gang, die den Verein dazu veranlasste, das letzte Mittel anzuwenden. „Wir haben alle an einem Tisch gesessen und die Situation diskutiert“, sagt Frank Dickmeis. „Und um die Existenz des Vereins nicht zu gefährden, mussten wir diesen Weg wählen.“

Letzte Woche Montag hatten Dickmeis und Wolf zu einer außerordentlichen Mitgliederversammlung eingeladen. Dort wurde schnell klar, dass es nur zwei Möglichkeiten für den Verein gibt. Entweder das Bezirksliga-Team spielt bis Saisonende ohne finanzielle Zuwendungen, oder man meldet den Kader von Trainer Markus Hambach mit sofortiger Wirkung vom Spielbetrieb ab. 24 Stunden und etliche Gespräche später stand fest: Germania Dürwiß ist der erste Absteiger.

Die Leidensgeschichte von Germania Dürwiß begann vor rund drei Jahren. Dem Verein flatterte ein Brief vom Finanzamt auf den Tisch. Germania wurde darin aufgefordert, eine Gewerbesteuer- und eine Körperschaftssteuererklärung für die Jahre 2003 bis 2007 abzugeben. Das Problem wurde zwar auf eine Art und Weise gelöst, die die Vereinskasse noch verkraften konnte.

Doch das war der Beginn der finanziellen Probleme und des sportlichen Niedergangs. Im Eschweiler Stadtteil fehlte das nötige Geld, um die Erste Mannschaft in der Mittelrheinliga mit einem konkurrenzfähigen Kader auszustatten. Im Mai 2012 ging es runter in die Landesliga, ein Jahr später in die Bezirksliga, und jetzt steht die Germania vor einem Neuanfang in der Kreisliga A. Auch Dickmeis und Wolf kommen nicht umhin, diese Abwärtsspirale als dramatisch zu bezeichnen.

„Durch den Rückzug aus der Bezirksliga ist natürlich eine riesige Lücke entstanden“, betont Dickmeis. „Und es wird eine Menge Arbeit sein, eine Mannschaft für die A-Liga zusammenzustellen. Wir haben keine Rückfallebene mehr.“ Was für das Germania-Vorstandsduo bedeutet: „Wir müssen frühzeitig loslegen. Als erstes brauchen wir einen Trainer mit A-Liga-Erfahrung.“ Und da habe man schon einige Ideen. Namen fallen in diesem Zusammenhang aber noch keine.

Doch wird es wahrscheinlich zeitnah eine Vollzugsmeldung geben. Und mit der Besetzung des Trainerpostens wird wohl auch das Konzept spruchreif, das man den Vereinsmitgliedern auf der nächsten Generalversammlung vorlegen will. Diese Zusammenkunft war ursprünglich für März geplant, doch Dickmeis und Wolf werden sich selbst etwas mehr Zeit einräumen, um den Klub wieder auf Kurs zu bringen.

Für Germania Dürwiß ist es ein Segen, dass die Jugendabteilung kaum von den Wirren im Seniorenbereich betroffen ist. „Wir sind auch in dieser Saison in allen Juniorenklassen auf Verbandsebene vertreten“, stellt Geschäftsführer Udo Wolf fest. Und Dickmeis ergänzt nicht ohne Stolz: „Im Juniorenbereich steigen die Mitgliederzahlen sogar wieder.“

Dort also, wo Germania Dürwiß mit den B-Junioren in der Saison 2006/2007 sogar in der Bundesliga vertreten war, sehen die Verantwortlichen auch die Basis für die Zukunft des Vereins. Und diese Basis ist offenbar breit angelegt und tragfähig.

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