Aachen - Christian Kukuk und der „dumme Zufall“ im Vorjahr

Christian Kukuk und der „dumme Zufall“ im Vorjahr

Von: Michael Rossmann
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Gestürzt: Christian Kukuk (3.v.l.) macht sich keine Gedanken mehr über seinen Unfall im Vorjahr. Foto: dpa

Aachen. 40.000 Menschen in der Soers stockte der Atem. Kaum etwas war in der sorgenvollen Stille zu hören. Alle Zuschauer starrten auf den Wassergraben im Hauptstadion in Aachen, in dem benommen der Springreiter Christian Kukuk lag. Spektakulär war der junge Mann vor einem Jahr im Preis von Europa mit seinem Pferd Carilot gestürzt. Der damals 26-Jährige musste wegen der dreifach gebrochenen Schulter operiert werden, es folgte eine Pause von knapp drei Monaten.

Carilot hatte in der Luft angefangen zu straucheln und war bei der Landung gestürzt. Der Reiter flog durch die Luft und landete auf der Schulter. „Das hätte noch schlimmer ausgehen können“, sagte Bundestrainer Otto Becker damals. Kukuks Unfall ist kein Einzelfall. Bei jedem Turnier, und damit auch beim CHIO, gibt es immer wieder teils spektakuläre Stürze bei den Springreitern. In Aachen waren es zuletzt drei in vier Jahren. Woran kann das liegen?

Kukuk ist am Beispiel von Aachen zuletzt gefragt worden, ob die Reiter in der riesigen Arena vielleicht übermotiviert oder nicht vorsichtig genug seien. „Das ist ein dummer Zufall“, antwortete Kukuk zwölf Monate nach seinem Sturz. Der Reiter ist in diesem Jahr wieder beim CHIO. Bei seinem ersten Ritt in diesem Jahr habe er seinen Unfall „nicht mehr im Kopf gehabt“, erklärt der Reiter. Er habe aber den Eindruck gehabt, dass das bei den Zuschauern anders war: „Das Publikum hat nach meinem Ritt extrem reagiert – der Applaus tat gut.“

Zwei Jahre vor Kukuk war Katrin Eckermann gleich zweimal in Aachen gestürzt, im Nationenpreis und im Großen Preis. Bei ihrem zweiten Unfall mit Firth of Lorne hatte sie weniger Glück als beim ersten. Die damals 24-Jährige brach sich das Schlüsselbein. „Das war ein Schock, als ich das gesehen habe“, kommentierte der damals im Großen Preis siegreiche Christian Ahlmann. 2013 fiel Andreas Kreuzer spektakulär im Preis von Nordrhein-Westfalen mit seinem Wallach Balounito. Der damals 22-Jährige kam glimpflich davon. Kreuzer zog sich nur eine Gehirnerschütterung und Prellungen zu. Er war schneller wieder fit als Kukuk und Eckermann.

Dass es in Aachen zuletzt drei junge deutsche Reiter erwischte, ist wohl ein Zufall. Erklären kann es zumindest auch Turnierdirektor Frank Kemperman nicht. „Das sind Bilder, die wir uns alle nicht wünschen“, sagt der Niederländer: „Aber es kann passieren“ Sind die jungen Reiter zu ehrgeizig oder zu ungestüm? „Nein“, sagt Kemperman. Aber einige Pferde seien vom größten Reitsportstadion der Welt mit bis zu 40 000 Zuschauern beeindruckt. „Aachen ist anders. Die Parcours sind schwer, aber nicht zu schwer“, versichert er.

„Keinen Zusammenhang“

Ähnlich sieht es der Bundestrainer. „Ich glaube nicht, dass man die Stürze vergleichen kann“, sagt Becker: „Das sieht leider spektakulär aus, aber das sind Einzelfälle. Die haben nichts miteinander zu tun.“ Auffällig ist trotzdem, dass es sich in allen Fällen um junge deutsche Talente handelt. „Solche Sachen können passieren, aber ich sehe keinen Zusammenhang“, betont der Coach.

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