Carl-Uwe Steeb: „Was uns fehlt, ist der absolute Topspieler”

Von: Roman Sobierajski
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Das nächste heiße Eisen? Carl-Uwe Steeb (links) mit seinem Schützling Nils Langer, der beim Aachener ATP-Turnier bereits die zweite Runde erreicht hat. Foto: Andreas Steindl

Aachen. „Früher” ist ein bedeutungsschwangeres Wort im deutschen Tennis. Früher, da gehörte Carl-Uwe Steeb zusammen mit Eric Jehlen und Boris Becker zu den Aushängeschildern, den drei Musketieren, die den Daviscup gewannen. Heute kümmert sich der 42-Jährige auch um den Tennis-Nachwuchs. „Charly” Steeb stand am Rande des Aachener Tennisturniers Rede und Antwort.

Herr Steeb, womit beschäftigen Sie sich heute, 13 Jahre nach Ende Ihrer aktiven Karriere?

Steeb: Ich halte Vorträge über Gesundheits- und Leistungsmanagement und habe eine Sportmanagement-Firma, die sich junger Talente annimmt. Ich habe Andreas Beck mit 16 Jahren angenommen, heute steht er in der Welt auf Position 34. Jetzt betreue ich Nils Langer, er hat großes Potenzial.

Was hat sich in den letzten Jahren geändert im Tennis?

Steeb: Die Zeiten sind härter geworden, das Spiel schneller. Das bedeutet, der Sprung für den Nachwuchs zu den Profis kommt später, die nötige Ausbildung, um körperlich mithalten zu können, ist länger geworden. Heutzutage wird kein 18-Jähriger mehr ein größeres Turnier gewinnen.

Hat Deutschland als Tennisland die Entwicklung verschlafen?

Steeb: Wir haben jetzt eine Struktur, die viel versprechend ist, diese hätte auch schon etwas früher installiert werden können. Deutschland ist weltweit die drittbeste Nation was die Rangliste als auch das Abschneiden bei den Grand-Slam-Turnieren betrifft. Was uns fehlt, ist der absolute Topspieler.

Die Karrieren von Tommy Haas und Nicolas Kiefer neigen sich dem Ende zu. Wem trauen Sie die Rolle in der Weltspitze am ehesten zu?

Steeb: Es wäre ein Wunder, wenn Kiefer noch einmal unter die Top 10 zurückkäme. Wir müssen uns also auf andere konzentrieren. Vom Potenzial her müsste Philipp Kohlschreiber unter den Top 10 zu finden sein. Dann kommen auch schon Philipp Petzschner, Andreas Beck und Mischa Zverev.

Vor 20 Jahren fiel die Mauer, ist Tennis danach von einer Westsportart zu einer Weltsportart geworden? Unzählige Russen drängen auf die Tour.

Steeb: Entscheidend war der Moment, als Tennis olympisch wurde. Erst 1984 in Los Angeles als Demonstrations-Sportart, dann 1988 in Seoul endgültig. Somit wurde Tennis dort auch systematisch aufgebaut und gefördert.

Täuscht der Eindruck, oder setzen gerade junge russische Talente alles auf die Karte Profi zu werden? Ein kleiner Teil schafft das große Ziel, viele verschwinden in der Bedeutungslosigkeit ohne Schul- oder Berufsausbildung.

Steeb: Das bekommt keiner mit, man sieht nur, wie viele oben stehen. Die Konkurrenz ist viel härter geworden, man muss dem Ziel, den Weg an die Spitze zu schaffen, alles andere unterstellen.

In Deutschland will man Schule und Karriere unter einen Hut bekommen. Der falsche Weg?

Steeb: Ausbildung und Schule sind sehr wichtig, aber man verliert vier, fünf Jahre, wenn man erst mit 19 nach der Ausbildung anfängt, in den Profibetrieb einzusteigen. In den Leistungszentren in Bayern, Baden-Württemberg und Hannover sind Schule und Training verbunden, alle guten Spieler kommen daher.

Tennis ist medial in die Spartensender abgerutscht. Ist das ein Problem für den Nachwuchs?

Steeb: Sicher. Sponsoren wollen öffentlich präsent sein. Haas und Kiefer waren in den Top 10, zu unserer Zeit gelang das nur Boris Becker. Aber wir haben den Davis Cup gewonnen und somit war die öffentliche Wahrnehmung eine andere. Wir müssen nur hoffen, dass noch mal einer durchstartet.

Alexander Waske hat einmal gesagt, letztendlich setzt sich derjenige durch, der das Verlieren am meisten hasst...

Steeb: Niederlagen zu hassen, ist ganz wichtig für einen Tennisprofi. Entscheidend ist, was man einsetzt, wie viele Entbehrungen man in Kauf nimmt.
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