Burtscheider TV ist Deutscher Meister im Tchoukball

Von: Helga Raue
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„Tchouk“ – aus dem Sprung und mit Anlauf wird der Ball auf das Frame geworfen. Hinten warten die Verteidiger. Foto: Andreas Steindl

Aachen. „Tchouk!“ Mit hoher Geschwindigkeit prallt der Ball auf das Frame und von dort in Richtung Verteidiger. Die knien halb am Rande eine drei Meter großen Halbkreises – und das Spielgerät in der Größe eines Handballs fliegt ihnen quasi um die Ohren. Fangen sie ihn, geht der Punkt an ihr Team. Doch wird der Ball von echten Könnern geworfen, können sie oft genug nur die Köpfe einziehen.

„Tchouk“ – egal ob sich der abprallende Ball nun so oder so ähnlich anhört, das Geräusch gab der Sportart ihren Namen: Tchoukball – und der Burtscheider TV ist Deutscher Meister.

„Tchoukball?“ Wenn Rafael Hild über seinen Sport berichtet, erntet er fast immer ungläubige Nachfragen. Anders im Sauerland, wo der 25-jährige Maschinenbau-Student herkommt. Hier ist mit dem TuS Oeckinghausen der deutsche Vorzeigeklub zu Hause. Hild ist neben Felix Kühn und Frederik Berbecher, die ebenfalls in Aachen studieren, einer von drei Nationalspielern, die für den BTV antreten und als Trainerstab das Team auch betreuen.

„An der RWTH herrschte kein Interesse am Tchoukball, da gab man uns beim Stadtsportverband den Tipp, es mal beim Burtscheider TV zu versuchen, da der sehr offen für Neues sei“, berichtet Hild. Und tatsächlich lief er bei Wilfried Braunsdorf offene Türen ein. „Ich habe mir ein Video angeschaut und war von dem schnellen Sport begeistert“, begründet der BTV-Vorsitzende.

Ende August wurde die Abteilung gegründet – Mitstreiter fanden sich vor allem im Freundeskreis. „Wie oft haben wir von den Jungs gehört, dass sie zum Tchoukball in die Heimat müssten. Und wir haben immer gerne gespöttelt, das als Randsportart abgetan“, sagt Kapitän Oliver Schmidt, der dann Tchoukball ausprobierte. Der 29- Jährige war schnell begeistert. „Zumal, wenn man mit Felix, dem wohl besten deutschen Stürmer, und den anderen zusammenspielt. Wir lernen hier von den Besten und haben Blut geleckt.“

Doch was begeistert am Tchoukball? „Es ist ein schneller Teamsport, der sehr viel Individualität und Selbsttraining braucht“, versucht sich Hild an einer Beschreibung. „Es geht ums Werfen und ums Verteidigen, und man muss sich selbst verbessern, damit das Team funktioniert, sich von den anderen aber auch seine Schwächen aufzeigen lassen.“ Weitere Mitstreiter fanden sich schnell unter den Mitstudenten, zehn sind es aktuell. Und das Ziel war gleich klar – die DM in Zorneding.

„Das Team war von Beginn an sehr motiviert und ehrgeizig“, freute sich Hild. Dominierend in Deutschland ist sein Ex-Klub Oeckinghausen, und genau auf den Titelverteidiger traf das neu gebildete Team zum Auftakt der DM. Angetrieben von den drei Nationalspielern überraschte die BTV-Crew mit einem 33:30-Sieg über den Favoriten. Siege gegen Essen (36:13) und Urbich (34:27) standen einer Niederlage gegen Weimar (32:35) gegenüber. „Wir hatten gehofft, dass wir es bis ins Halbfinale schaffen“, waren Hild und Mitstreiter schon am Ziel. Mit 33:27 über die U 18 zog der BTV ins Finale ein. Dort wartete der Titelverteidiger, der Aachen erneut unterlag, diesmal mit 23:24 – die Sensation war perfekt.

2016 soll nun in Essen der DM-Titel verteidigt werden. Angedacht ist zudem, im kommenden Jahr in Aachen ein Turnier der neu gegründeten NRW-Liga auszurichten, um den Sport hier bekannt zu machen. Weitere Mitstreiter dafür sind beim BTV gerne gesehen. Vor allem Mädels, denn Aachen ist das einzige Team in Deutschland ohne weibliche Verstärkung. Trainiert wird aktuell zwei Mal, ab Januar drei Mal in der Woche in der Sporthalle Malmedyer Straße. Ein Kontakt ist via E-Mail an rafael.hild@rwth-aachen.de möglich.

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