Boxclub Kohlscheid: Auszeichnung für die beste Jugendarbeit im Verband

Von: Helga Raue
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Technik ist gefragt: MABV- und NRW-Meisterin Laura Daniels bei der Trainingsarbeit mit Harald Klöcker. Foto: Myriam Weber
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Hat ein Ziel: NRW-Meisterin Salina Hankarov will wie Freundin Laura Daniels bis zur DM vorstoßen. Foto: Myriam Weber
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Mit 17 Jahren die Älteste im Nachwuchsteam: Sharon Franzen kam über eine Freundin zum Boxen. Foto: Myriam Weber
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Erst seit eineinhalb Jahren dabei: Die 14-jährige Ida Vaßen feierte kürzlich den ersten Sieg. Foto: Myriam Weber

Kohlscheid. Der Fernseher lief, zwei Boxer attackierten sich. Und Laura Daniels war begeistert. Ob es die Klitschkos waren, die da boxten, oder vielleicht Felix Sturm, weiß sie gar nicht. Doch für die damals Elfjährige war sofort klar – das ist ein Sport, den sie auch machen wollte.

Naturgemäß waren die Eltern, zumal sie selbst nicht boxen, wenig begeistert von den Absichten ihrer kleinen Tochter. Doch diese setzte ihren Kopf durch. „Ich habe vorher Leichtathletik gemacht, das hat mir aber nicht so gefallen“, blickt die heute 14-Jährige zurück. Der Boxclub Kohlscheid war in der Nähe, und so ließen sich die Eltern schließlich überreden.

Gut drei Jahre ist das her, und inzwischen ist die 14-Jährige neben Salina Hankarov eins der weiblichen Aushängeschilder. „Wir haben die größte Mädchenmannschaft im Mittelrheinischen Amateur-Box-Verband (MABV). Und wir wurden gerade auf der Jahreshauptversammlung zum zweiten Jahr in Folge für die beste Jugendarbeit ausgezeichnet“, sagt Harald Klöcker mit berechtigtem Stolz. Seit über 30 Jahren ist der 47-Jährige beim BC Kohlscheid, früher selbst als Aktiver, seit 1991 als Trainer. „Seit etwa acht Jahren haben wir einen großen Zulauf an Frauen und Mädchen zu unserem Fitnessprogramm. Richtig ins Frauenboxen sind wir aber erst vor drei Jahren eingestiegen, als Laura und Salina zu uns kamen.“

Salina Hankarov dagegen ist quasi erblich vorbelastet. Ihr älterer Bruder Deni (16), ihr Cousin Suleym (18) und inzwischen auch ihr jüngerer Bruder Iljas (12) boxen erfolgreich, wurden mehrfach MABV- und NRW-Meister. „Ich wollte gerne ebenfalls boxen. Mein Vater hat das unterstützt, auch wenn meine Mutter lieber wollte, dass ich turne“, war für Salina der Weg in den Ring einfacher als für Laura. „Ich habe ein Probetraining gemacht und gleich Mädchen wie Laura kennengelernt“, blickt Salina Hankarov zurück. Die beiden 14-Jährigen sind längst dicke Freundinnen, pushen sich gegenseitig im Training. Mit Erfolg: Salina (- 51 kg) grüßt als frischgebackene NRW-Meisterin 2015, Laura (- 54 kg) gar als MABV- und NRW-Meisterin.

Inzwischen haben zwei weitere der acht Mädels bereits einen Pass und boxen Turniere: Seit zweieinhalb Jahren ist Sharon Franzen (- 60 kg) dabei, mit ihren 17 Jahren die Älteste im Team. Sie kam über eine Freundin zum Boxen. Wie hart der Sport ist, zeigte ihr die Waage: Von 71 Kilogramm ging diese inzwischen auf 56 herunter. Ihre Spezialität im Ring: „Ich habe ziemlich lange Arme und kann die Gegnerin gut auf Distanz halten“, sagt die fröhliche Boxerin lachend.

Und seit eineinhalb Jahren boxt auch Ida Vaßen (- 59 kg), die gerade ihre ersten Kämpfe hinter sich hat und bei ihrem zweiten Kampf gleich einen Sieg feiern durfte. Auch beim Mädchenboxen geht es trotz der für Amateure vorgeschriebenen Schutzkleidung hart zu. Zimperlich dürfen die Mädels nicht sein. „Ihre Gegnerin bekam nach den ersten harten Schlägen Nasenbluten, da hat sich Ida merklich zurückgenommen. Ich musste sie auffordern, weiter zu boxen, da nur der Ringrichter unterbrechen darf und sie sich den Respekt der Gegnerin erkämpfen muss“, so Klöcker. Was Ida tat und mit dem Sieg belohnt wurde. „Meine Eltern, vor allem meine Mutter, waren nicht begeistert zu Beginn. Eigentlich wollte ich mit Reiten anfangen, das wollte meine Mutter nicht, die Kickboxen besser für mich fand. Ich wollte aber lieber Boxen. Es ist so ein ausgefallener Sport. Und ich finde ihn cool, weil es nicht so viele machen“, sagt die 14-Jährige mit treuherzigem Augenaufschlag – außerhalb des Rings traut man ihr keinesfalls zu, dass sie andere schlägt.

Was die Mädels an ihrem Sport so lieben? „Mir gefällt Boxen, auch weil ich es besser als andere Sportarten kann. Und ich finde es gut, dass es kein Mannschaftssport ist. So bin ich selbst an Sieg oder Niederlage schuld“, sagt Salina Hankarov keck. Und Laura Daniels ergänzt: „Und man bekommt beim Boxen den Kopf frei vom Stress. Meine Freunde waren zu Beginn ziemlich erstaunt, finden mein Hobby jetzt aber cool.“

Das findet auch Klöcker, der den Mädels Talent und viel Trainingsfleiß bescheinigt und daher auch ganz begeistert ihr Training betreut. Was recht aufwendig ist, denn in Kohlscheid gibt es nicht viele Sparringspartner. So trainieren die Mädels hier schon mal mit gleichaltrigen Jungs, oft geht es aber auch nach Brunssum zum „Ring of Glory“, wo man gegen Kickboxerinnen antritt. „Die sind um die 20, das sind richtige Sparringspartnerinnen. Vor allem Lau- ra und Salina müssen jetzt starke Gegner haben, um sich weiterzuentwickeln“, so Klöcker. „Laura ist sehr muskulös und hat einen Schlag wie ein Mann, daher macht es keinen Sinn, wenn die Mädels untereinander trainieren.“ In Aachen boxt mit der 16-jährigen Nyuscha Payegani (Helios; - 48 kg) nur ein weiteres Mädchen. Doch Gegnerinnen sind auch auf MABV-Ebene rar. Neben dem Boxclub Kohlscheid stellen der SC Colonia Köln und Bayer Leverkusen die größten Kontingente.

Das Training ist nicht ohne, in vier bis fünf Einheiten geht es jeweils eineinhalb bis zwei Stunden zur Sache. Hinzu kommt viel Disziplin in Sachen Gewicht, denn es dürfen eben nicht ein paar Gramm mehr, aber auch nicht weniger als auf der Meldeliste sein. „Die Mädels sind alle sehr ehrgeizig und achten genau darauf“, so Klöcker, der deutliche Unterschiede in der Arbeit mit den Jungs sieht. „Die Jungs verweichlichen im Gegensatz zu uns früher. Und anders als die Mädchen lassen sie sich nicht mehr so an der Ehre packen.“

Behandelt werden Jungen und Mädchen aber gleich. „Alle müssen durchtrainiert sein, das ist einfach eine Frage der Sicherheit. Schlecht trainiert zu boxen, bedeutet Blessuren. Das ist beim Boxen nun mal so“, betont Harald Klöcker und fügt hinzu: „Deswegen wird Boxen wohl auch nie ein Volkssport für Mädchen werden.“

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