Borussias Kampf gegen Unentschieden und Risikoscheu

Von: Bernd Schneiders
Letzte Aktualisierung:
5173991.jpg
Bin wieder da: Thorben Marx. Foto: imago/Gepa

Mönchengladbach. Fleck und weg! Davon träumt Max Eberl derzeit. „Die Unentschieden bringen dich nicht vom Fleck weg“, mahnt der Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach. Der Fleck ist momentan Tabellenplatz neun in der Fußball-Bundesliga. Und weg ist hinauf zu den Platzierungen, die einen erneuten Einsatz im europäischen Wettbewerb ermöglichen (im Normalfall ab Rang sechs).

Am Sonntag steht ein Duell mit einem Konkurrenten an, Hannover 96 hegt die gleichen Europa-Träume. Umso ärgerlicher wäre es für die Borussen, die in dieser Saison nach 16-jähriger Abstinenz wieder auf den internationalen Geschmack gekommen sind, Sonntag (17.30) einen Vereinsrekord aufzustellen: Ein Remis gegen die Norddeutschen wäre das vierte Heim-Untentschieden in Folge.

Das stellt man sich lieber nicht in die Vitrine. Nach dem 1:1 am vergangenen Samstag gegen Werder Bremen aber könnte der misstrauische Beobachter unken, warum sollte ausgerechnet gegen Hannover das gelingen, was nicht einmal gegen die Schaaf-Elf funktioniert hat, die gemeinhin als Schießbude der laufende Spielzeit gilt. Personell hatte Trainer Lucien Favre seine Mannschaft so offensiv ausgerichtet wie noch nie zuvor in dieser Saison. Herausgekommen sind dabei nur ein Stürmchen und die Bestätigung der Kicker-Rangliste, in der Borussia als das Team mit den zweitwenigsten herausgespielten Torchancen ausgewiesen wird.

Bei dieser Spielweise ist gnadenlose Effizienz Pflicht, um über Strecke erfolgreich zu sein. Ein sehr fragiles Gebilde, speziell für eine Mannschaft nebst Trainer, die auf der Suche nach einer neuen Spiel-Identität ist. Die Ping-Pong-Spielzeit (Max Eberl) aber bietet auch einer Borussia im fußballerisch-taktischen Umbruch Chancen, sich ab dem Sommer Meriten in der Europa League zu erwerben – trotz der bereits elf Unentschieden und sechs Niederlagen. „Du verlierst zwei Mal und bist erst einmal weg, du gewinnst zwei Mal und bist wieder richtig dabei“, beschreibt der Schweizer Trainer die instabile Lage zwischen Abstiegszone und oberem Drittel der Tabelle.

Stabil bleiben in diesem ständigen Auf und Ab heißt die Aufgabe. Und die erleichtert nicht unbedingt eine Entscheidung, die Favre für das Spiel gegen Hannover treffen muss. Granit Xhaka oder Thorben Marx? „Thorben spielt seit Oktober immer von Beginn an und hat es seitdem fast immer gut gemacht.“ Gegen Bremen war der Routinier gelbgesperrt, „Ersatz“ Xhaka mimte den jüngeren Marx und verdiente sich ob seiner risiko- und fehlerlosen Spielweise das Trainer-Urteil. „Er hat seine Sache gut gemacht.“

Doch Thorben ist der bessere Marx, und geht es wirklich um Solidität und Risiko-Minimierung, würde der Xhaka-Einsatz eine Episode bleiben und Sonntag wieder das Original nicht zu bewundern ,aber zu beobachten sein. Doch so käme der 20-jährige Schweizer nie in einen Rhythmus, würde nicht das Vertrauen des Trainers spüren, das auch ein nach außen so selbstbewusster junger Mann benötigt, um aus der für ihn so unerwarteten und bisher unbekannten Krise herauszukommen. Abgesehen davon, dass Xhaka – in der Theorie – eben den Schuss Kreativität im Offensiv-Spiel beisteuern könnte, die seiner Mannschaft gegen die zu Defensiv-Künstlern mutierten Bremern fehlte.

Doch nicht nur Xhaka war vor einer Woche blockiert durch die selbst auferlegte und vom Trainer verordnete Risiko-Bremse. Auch seine Kollegen verrieten fast unisono in ihrer Analyse ungewollt, was sie an einem aggressiveren und mutigeren Angehen eines eigentlich verunsicherten Gegners hinderte: „Wir wollten nicht in Konter laufen...“ Angst essen Seele auf – und im Fußball häufig auch Punkte. Marx wird wohl spielen, und die Hannoveraner können gut kontern. Wie sagte Eberl: „Unentschieden bringen dich nicht nicht vom Fleck weg...“

Mögliche Aufstellung: ter Stegen - Jantschke, Stranzl, Dominguez, Wendt - Nordtveit, Marx - Younes, Arango - Herrmann, de Jong

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert