Borussia schwinden am Ende die Kräfte

Von: Bernd Schneiders
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Unrühmlicher Höhepunkt der Gladbacher Chancenverwertung: Raffael verschießt den an ihm verursachten Elfmeter. Foto: dpa

Mönchengladbach. Für André Schubert war es eine Premiere. Die Champions League sowieso. Aber der 44-jährige Interimstrainer von Borussia Mönchengladbach musste sich obendrein zum ersten Mal für ein Fußballspiel in einen Anzug zwängen. Ungewohnt, aber wie er vorher bereits betont hatte, kein Problem, da es ja unabhängig vom Spielausgang ein Fest sein würde.

Nach 37 Jahren erlebte der Traditionsverein wieder ein Heimspiel in der Königsklasse. Des Interimstrainers neue Kleider: Der Anzug passte, und die königlichen Gewänder seiner Mannschaft beim Rendezvous mit der fußballerischen Großmacht Manchester City auch. Das Ergebnis von 1:2 gegen die Engländer gibt das nicht einmal ansatzweise wieder.

Schubert hat offensichtlich die Mannschaft seines Vertrauens gefunden. Der Gladbach-Coach ließ die Formation auflaufen, die gegen Augsburg die Wende geschafft hatte. Also auch wieder mit Alvaro Dominguez in der Innenverteidigung, der am Samstag in Stuttgart erst in der zweiten Halbzeit seiner Arbeit nachgehen musste.

Sein Kollege Manuel Pellegrini konnte wieder auf die zuvor verletzten Joe Hart im Tor und David Silva sowie vor allem Yaya Touré zurückgreifen. Der City-Kapitän kann eine schreckenserregende Statistik aufweisen: In den vergangenen zwei Spielzeiten erzielte der Mittelfeldspieler von der Elfenbeinküste wettbewerbsübergreifend in 74 Spielen 30 Tore. Besonders wertvoll ist der Mann für seine Mannschaft, die nicht nur das erste Champions-League-Gruppenspiel gegen Juventus Turin (1:2), sondern auch die anschließenden zwei Ligaspiele verloren hatte.

Nach dem erschreckend schwachen Auftreten in Sevilla lag die Beweislast bei den Gladbacher, sich als würdiger Vertreter der Bundesliga im Kreis der Besten aus Europa zu zeigen. Und das Demonstrierten Raffael & Co. auf eindrucksvolle Weise: Gegen den Top-Klub aus England zeigte sich Borussia von der Sekunde an auf Augenhöhe – auch beim Chancenvergeben.

Unrühmlicher Höhepunkt: Raffael scheiterte im Nervenduell mit Nationaltorhüter Hart, der den Strafstoß des Brasilainers parierte (20.). Nicolás Otamendi hatte Raffael gefoult, der Gladbacher Feintechniker fühlte sich von seinen letzten starken Auftritten so beflügelt, dass er selbst zur Vollstreckung antrat – eine Fehleinschätzung.

Die Rasanz des Spiels verminderte dieser Fauxpas nicht. Zuvor schon musste Yann Sommer mit einer brillanten Parade einen Schuss aus kurzer Distanz von Sergio Agüero parieren (5.). Patrick Herrmann setzte den Ball nach einem Super-Konter, den Kevin De Bruyne durch ein Luftloch eingeleitet hatte, am Pfosten vorbei (10.). Agüero kopierte die Aktion – nur seitenverkehrt (20.).

Und Unglücksvogel Raffael hatte ebenfalls zwei Mal das 1:0 auf dem Fuß. Doch der stark aufspielende Pseudo-Stürmer verzog früh (3.) und scheiterte später alleine vor Hart auftauchend am Torhüter (37.). Pech in der 38. Minute: Nach Fer-nandinho-Foul gab es Schwalben-Gelb für Lars Stindl statt eines berechtigten Elfmeters (38.).

Auch nach der nervenaufwühlenden ersten Halbzeit hielt Gladbach die Schlagzahl hoch – und belohnte sich endlich, nachdem zum Auftakt Raffael erneut vergeben hatte (47.). Der pfeilschnelle Herrmann brach rechts durch, passte perfekt flach zum mitgelaufenen Stindl, der ebenfalls perfekt flach und obendrein platziert Man-City-Keeper Hart aus elf Metern nicht den Hauch einer Chance ließ (54.).

„1:0 – wir sind wieder da!“, sangen die Borussen-Fans glückselig. Der Stimmungsumschwung kam ebenso abrupt wie brutal: Otamendi nutzte eine kurze Chaos-Zeit im Gladbacher Strafraum mit dem 1:1 (65.). Das Spiel drohte zu kippen.

Angriffswelle auf Angriffswelle rollte auf das Tor von Yann Sommer. Den Borussen schwanden die Kräfte. Auch Johnson, der Agüero von den Beinen holte. Der Stürmer verwandelte zum glücklichen ManCity-Sieg (90.).

Mönchengladbach: Sommer - Korb (78. Traoré), Christensen, Dominguez, Wendt - Herrmann (72. Hahn), Dahoud (84. Nordtveit), Xhaka, Johnson - Stindl, Raffael

Manchester: Hart - Sagna, Demichelis, Otamendi, Kolarov - Touré (46. Fernando Reges), Fernandinho - David Silva (65. Jesús Navas), Sterling (90.+4 Zabaleta), De Bruyne - Agüero

Schiedsrichter: Turpin (Frankreich) Zuschauer: 46.217 (ausverkauft) Tore: 1:0 Stindl (54.), 1:1 Otamendi (65.), 1:2 Agüero (90./Foulelfmeter) Bes. Vorkommnis: Raffael scheitert mit Foulelfmeter an Hart (20.) Gelbe Karten: Dominguez, Korb, Stindl/ Otamendi

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