Borussia mit grauenvoller Effektivität und Arango

Von: Bernd Schneiders
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Mänchengladbachs Arango spielt den Ball. Foto: dpa

Mönchengladbach. Die nächste Steigerung von Borussia Mönchengladbach: Die zuletzt bereits als gnadenlos effektiv gefürchtete Elf von Lucien Favre erreichte am zweiten Advent das nächste Level. Beim 2:0 über Mainz 05 zeigte sie sich diesmal grauenvoll effektiv. Zur Halbzeit sah nichts, aber auch gar nichts nach einem Dreier für die Heimmannschaft aus.

Keine einzige Torchance, Mainz machte das Spiel und besaß durch Andreas Ivanschitz (12.), Shawn Parker (35.) und Adam Szalai (44.) drei Möglichkeiten, sich für sein gefälliges Passspiel zu belohnen. Das 0:0 wirkte wie ein optimales um nicht zu sagen Wunsch-Ergebnis. Doch Borussia Mönchengladbach anno 2012 ist anders gestrickt. Sie lebt von der zurückentwickelten defensiven Stärke, und nach vorn profitiert sie von seltenen lichten Momenten und – vor allem – Juan Arango.

„Überschätzen Sie nicht unsere Qualität“, entgegnet Favre dem Vorwurf, in der ersten Halbzeit lediglich „reaktionären“ Fußball gespielt zu haben. In der Halbzeit gelang es dem Schweizer Entwickler, seine Spieler zumindest davon zu überzeugen, dass man auch mit limitierten Mitteln aktiver und aggressiver nach vorne spielen kann. Mit Mike Hanke, der für den verletzten Igor de Camargo gekommen war, verlagerte sich das Spiel etwas mehr nach vorn. Und mit der ersten Torchance überhaupt brachte Hanke seine Mannschaft in Front (58.). „Es ging ums erste Tor, das war uns bewusst“, sagte Thomas Tuchel. Der Mainzer Trainer bat um Nachsicht für seine unterlegene Mannschaft. „Wir müssen aufpassen, dass die Kritik unter dem Eindruck der letzten 25 Minuten nicht zu harsch wird“, forderte er.

Aber spätestens mit Gladbachs zweitem Treffer war das Manko des gekonnten Pass- und Laufspiels an diesem Nachmittag offensichtlich: uneffizient. „Um effizient zu spielen, muss man intelligent verteidigen“, mochte Lucien Favre nicht alles Lob nur über Hanke und Arango ausschütten. Wenn das stimmt, ist Martin Stranzl ein Verteidigungs-Genie. Einmal mehr machte der 32-jährige Österreicher überdeutlich, dass es eine Sünde wäre, nach dieser Saison die Karriere zu beenden. Höhepunkt des defensiven Schaffens des Kopfball-Ungeheuers war ein Fallrückzieher in höchster Not nur eine Minute vor dem 2:0.

Bei dem zeigte sich Gladbachs zweites Genie, zuständig für die Paukenschläge in der Offensive. Der Mainzer Torhüter Heinz Müller hatte ein Laufduell mit Patrick Herrmann knapp gewonnen, den Ball aber fatalerweise aber zu Arango gespitzelt. Der venezolanische Fußballkünstler schlug den Ball an der Außenlinie auf den Hosenboden fallend in Richtung leeres Tor. „Wir dachten auf der Bank, er geht drüber“, schilderte Favre. Doch nach wenig mehr als 43 Metern senkte sich der Ball ins Tor (63.). „Wieder ein Tor des Jahres. Ich weiß nicht, was er hat in dieser Saison“, sinnierte Favre. Und lieferte gleicht die Antwort: „Er hat verstanden, dass wir ihn unbedingt brauchen.“ Ach ja – wegen der mangelnden Qualität. Und so redet der Schweizer noch nicht von einem erneuten Wunder. Aber immerhin konstatiert er: „Nach dem Start und all dem, was passiert ist, ist das okay.“ Wie weit diese effiziente aber spielerisch karge Spielweise von der Art von Fußball, die er liebt und anstrebt, entfernt ist, kann er nicht verbergen: „Sehr weit!“

Treffsicherer Luuk de Jong

Trotzdem ist der Tüftler mit seiner Mannschaft bereits wieder auf Platz acht vorgerobbt. „Wir machen kleine Fortschritte“, sagt er gedämpft optimistisch. Immerhin aber bekommt er bald eine weitere Option, was die Zielgenauigkeit angeht, zurück. Luuk de Jong zeigte sich am Morgen vor dem Spiel als ungeheuer treffsicher. Stadionsprecher Torsten Knippertz lehnte sich nach dem Training im wahrsten Sinne des Wortes zu weit aus dem Fenster und wurde von einem Schneeball des niederländischen Torjägers mitten auf der Stirn erwischt. Am Abend verbarg ein Pflaster die Platzwunde...

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