Bleibt die Ringer-Bundesliga bestehen?

Von: Wilhelm Peters
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Zurzeit mehr Dunkel als Licht: Der Fortbestand der Ringer-Bundesliga ist ungewiss. Foto: sport/Pressefoto Baumann

Aachen. Es ist ein zähes Ringen, das Ringen um die Zukunft der 1. Ringer-Bundesliga. Da hatten 13 der 14 Erstligisten aufgemuckt, beim Deutschen Ringer-Bund (DRB) mehr Mitbestimmungsrecht gefordert und deshalb ihre Meldungen für die nächste Saison zwar fristgerecht, aber nur unter Vorbehalt eingereicht.

Nur der ASV Mainz meldete ohne diese Vorbehalte für 2015/16 und verhielt sich so ganz im Sinne der DRB-Verantwortlichen. Eine „Revolution der deutschen Bundesliga“ nennt das Klaus Angermann, der ehemalige ZDF-Sportreporter, der Ehrenmitglied des DRB ist. Auch diese Aussage ist ganz im Sinne des Verbandes, veröffentlicht er doch Angermanns Meinung auf seiner Homepage. Die Sicht der Vereine ist dort nicht zu finden. Die „Revolutionäre“ wurden zunächst einmal für die kommende Saison in ihre Landesverbände und damit in tiefere Klassen herabgestuft.

Bizarres Gebilde

DRB-Vizepräsident Ralf Diener, zuständig für die Bundesliga, verschickte in diesen Tagen dann seine Einteilung für die nächste Saison: Auf der Liste tauchen die zwölf „Vorbehalt“-Klubs nicht mehr auf, eben weil sie wegen ihrer Vorbehalte nicht satzungskonforme Meldungen eingereicht hatten. Stattdessen rücken Zweitligisten nach oben, darunter die freiwillig abgestiegene Eintracht aus Walheim und der RC Merken aus Düren. Es stehen drei Bundesliga-Gruppen auf dem Papier: Nord (zehn Klubs), Süd (neun Klubs) und West (zehn Klubs), in der auch Walheim, Merken und Mainz aufgeführt sind.

Der Ist-Zustand gleicht einem bizarren Gebilde: Da treten an den beiden kommenden Samstagen der ASV Nendingen und Germania Weingarten im Finale um die deutsche Mannschaftsmeisterschaft an. Und nächste Saison ringen beide in unteren Klassen. Dafür ist Merken erstklassig. Freuen darüber mag sich RC-Coach Tim Nettekoven nicht: „Ich hoffe, dass sich die bisherigen Erstligisten und der Verband einigen und wir dort ringen werden, wo wir hingehören: in der Zweiten Bundesliga.“ Die aber gibt es im Moment gar nicht mehr. Nettekoven sagt: „Wie der Ringer-Bund kommuniziert und mit den Vereinen umgeht, ist falsch.“ Michael Tilly, Vorsitzender des TuS Adelhausen, formuliert die Probleme sehr deutlich: „Gebühren, Gewichtsklassen, Ligastrukturen werden einzig vom Präsidium festgelegt. Abstimmungen der Vereine werden als Meinungsbild zur Kenntnis genommen – mehr nicht.“ Das hatte Reiner Ferken, der Vorsitzende von Eintracht Walheim, jüngst gegenüber unserer Zeitung ganz ähnlich formuliert.

Gestern erläuterte Ferken, warum die Eintracht die „Zulassung“ vom DRB für die künftige Bundesliga-Gruppe Nord erhalten soll, obwohl Walheim auch zu den 13 „Revolutionären“ gehört: „Wir haben bekanntlich auf den Klassenerhalt verzichtet und fristgerecht für die Zweite Liga gemeldet. So sind wir momentan für die Westgruppe der Bundesliga eingeplant.“ Da hat die Eintracht doppeltes Glück: Sie ist dabei und braucht auch keine 5000 Euro Ordnungsgebühr zu zahlen, die der Verband den vermeintlich „Abtrünnigen“ aufbrummen will.

Zu der neuen Ligeneinteilung sollen die betroffenen Klubs sich am 21. Februar auf der Bundesliga-Tagung äußern und spätestens dort ihre neue Meldung abgeben, da sich mit Ausnahme der Mainzer die Meldungen der anderen Vereine auf die Zweite Liga bezogen. „Wir werden dem DRB erst an diesem Tag unsere Entscheidung mitteilen“, kündigt Ferken an. „Ich glaube nicht, dass alle Zweitligisten die Einteilung akzeptieren werden und nach oben gehen.“

Eine Frage könnte auch sein: Was passiert, wenn die Vereine, die fristgerecht für die zweite Liga gemeldet haben, keine Neumeldung abgeben für die vom Verband vorgegebene neue Einteilung? Werden sie dann auch abgestuft in eine untere Klasse, müssen sie dann auch 5000 Euro Ordnungsgeld berappen?

Oder gibt es noch ein Einlenken, eine Lösung? Letztes Wochenende haben die momentan „geschassten“ Erstligisten zusammengesessen. Es ging alleine um die Frage „Quo vadis 1. Ringer-Bundesliga“? Ein einstimmiges Bekenntnis, Gesprächsangebote kurzfristig wahrzunehmen, stand als Ergebnis.

Drei Vertreter der zwölf Klubs werden diese Gespräche mit dem Verband führen. Am kommenden Freitag, wie Ralf Diener gestern auf Anfrage bestätigte: „Und dann sehen wir, was herauskommt, ob es eine 1. Ringer-Bundesliga mit den bisherigen Klubs geben wird.“ In dem Anschreiben mit der Einteilung in die drei erwähnten Gruppen, hatte Diener noch formuliert: „Selbstverständlich ist die von mir versendete Einteilung der Bundesliga in die Gruppen Nord, West und Süd für die Saison 2015/16 bindend.“

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