Björn Otto: Die letzten Sprünge in Aachen

Von: Lukas Weinberger
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Überflieger: Björn Otto wird zwischen Aachens Dom und Rathaus seinen letzten Wettkampf bestreiten. Foto: imago/Chai v.d. Laage

Aachen. Als Björn Otto eigentlich schon alles gesagt hatte, wurde doch noch dieses Video abgespielt, was ja durchaus zu erwarten gewesen war; überraschend war nur, dass es so spät passierte. Aber ohne diesen kleinen Film hätte die Pressekonferenz zum 12. Net­Aachen-Domspringen, bei der Otto, 39, zu Gast war, ja gar nicht enden können.

Dieses Video zeigt schließlich einen der größten Momente in seiner an Höhepunkten nicht armen Karriere. 5. September 2012, der Katschhof in Aachen, die damals achte Auflage des Stabhochsprungwettbewerbs hat Otto längst gewonnen, da lässt er 6,01 Meter auflegen. Dann läuft er an. Nur ein paar Sekunden später rennt Otto erneut über den Anlaufsteg, diesmal in die andere Richtung. Er hat die 6,01 Meter übersprungen, er jubelt, Meeting-Rekord, Deutscher Rekord; beides hat heute noch Bestand.

Otto weiß nicht, wie oft er diese Bilder schon gesehen hat, aber auch am Mittwoch im Aachener Rathaus schaute er wieder ganz genau hin. Otto sagte: „Ich bekomme jedes Mal wieder eine Gänsehaut.“ Das Domspringen, findet er, ist „etwas ganz Besonderes“. Und das ist ja auch der Grund, warum Otto noch einmal auf den Katschhof zurückkehren wird, am 7. September, zur 12. Auflage des Domspringens.

Es wird der letzte Wettkampf seiner Karriere sein.

Dass Otto seine Karriere in Aachen beendet, versteht sich von selbst. Da ist der Rekordsprung, das Ambiente, die Atmosphäre, das prominent besetzte Teilnehmerfeld, die Nähe zur Heimat Köln. „Es wird die eine oder andere Träne fließen“, sagt er. „Mit Sicherheit.“

Ob Otto auch wirklich springen kann, das steht noch nicht ganz fest. Seit zweieinhalb Jahren hat er keinen Wettkampf mehr bestritten, er ist seit Anfang 2014 verletzt; die Ferse. Und auch im Moment ist Otto nicht schmerzfrei, immer wieder muss er das Training abbrechen. Beim Domspringen soll es aber noch mal klappen, eine Höhe will er mindestens überspringen. „Das wird keine 5,50 oder 5,60 werden“, sagt der Olympia-Zweite von 2012, „aber wenn am Ende eine Fünf vorne steht, bin ich zufrieden.“

Für einen fünften Sieg beim Domspringen wird das nicht reichen, das ist klar, den werden andere unter sich ausmachen. Als Favoriten gelten Sam Kendricks und Shawn Barber. Kendricks, der US-Amerikaner, hat bei den Olympischen Spielen in Rio vor ein paar Tagen die Bronzemedaille gewonnen; Barber aus Kanada ist 2015 Weltmeister geworden. Und auch das Domspringen hat er vergangenes Jahr gewonnen. Die beiden kennen sich gut, sie mögen sich, sie pushen sich; keiner möchte gegen den anderen verlieren. „Ich bin überzeugt, dass sie die 5,80 Meter knacken werden“, sagt Michael Leers von Mitausrichter Alemannia Aachen. Er hat mit seinem Team das Teilnehmerfeld zusammengestellt ( Infobox).

Ein bisschen in der Pflicht sind beim Domspringen auch zwei deutsche Top-Stabhochspringer, Tobias Scherbarth und Karsten Dilla. Beide waren durchaus mit ein paar Ambitionen nach Rio gereist, beide schieden schon in der Qualifikation aus, beide sind in Aachen auf Wiedergutmachung aus. Passen muss der dritte deutsche Starter in Rio, Raphael Holzdeppe. Er hat seine Saison vorzeitig beendet.

Sich erstmals auf dem Katschhof zeigen darf Arleen Schüßler (Aachener TG), die ab 15.30 Uhr im Wettbewerb der Frauen startet.

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