Berkigt: „Wir sind erst in der Rückrunde angekommen“

Von: Bernd Schneiders
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Mittelfeldspieler mit viel Erfahrung und Qualität: Arian Berkigt spielt seit 2003 für den FC Wegberg-Beeck. Foto: imago/Dünhölter SportPresseFoto

Oberbruch/Aachen. Seit 13 Jahren kickt Arian Berkigt für den FC Wegberg-Beeck, durchlebte mit dem Klub Höhen und Tiefen im Amateurfußball. Vor allem aber Höhen. Zu denen zählt auch die aktuelle Saison, obwohl Berkigt & Co. mehr Niederlagen zu verdauen hatten als je zuvor. Das Abenteuer Regionalliga entpuppte sich rein zahlenmäßig als niederschmetternd.

Der Abstieg stand vorzeitig fest, da der Aufsteiger keine Lizenz für die kommende Regionalligasaison beantragte. Und dennoch zieht der 32-jährige Kapitän des FC Wegberg-Beeck, der an der Gesamtschule Wassenberg Sport und Niederländisch unterrichtet, viel Positives aus dieser Ausnahmezeit.

Haben Sie beim DFB schon den Antrag gestellt, die Saison zu verlängern?

Berkigt: Gute Idee. Wir sind in der Tat erst in der Rückrunde in der Liga angekommen. Zum Ende haben wir gemerkt, dass wir mithalten können.

Werden Sie als Sportlehrer nach den zwei Siegen hintereinander von Ihren Schülern auch weniger gehänselt?

Berkigt: Das ist nie passiert. Sie waren immer interessiert und haben nachgefragt, wenn wir gewonnen oder einen Punkt geholt haben. Aber natürlich bekommt man außerhalb der Schule auch schon mal einen blöden Spruch reingedrückt. Aber damit kann ich leben.

Das heißt, nach den Erfolgen gegen Kray und Wattenscheid war Arian Berkigt ein weniger strenger Sport- und Niederländischlehrer und die Kinder durften machen, was sie wollten?

Berkigt: Nein, nein. Die Spielergebnisse haben keinen Einfluss auf meine Lehrtätigkeit. Es liegen ja schließlich auch etliche Stunden zwischen den Spielen und dem Unterrichtsbeginn am Montag. Allenfalls mein Frau musste nach Niederlagen meine schlechte Laune ertragen.

Haben Sie es denn schon bereut, dass Sie und Ihre Mannschaft das Abenteuer Regionalliga eingegangen sind?

Berkigt: Nein, auf keinen Fall.

Klar, weil Sie jetzt zwei Mal gewonnen haben. . .

Berkigt: Falsch, vor zwei Wochen wäre meine Antwort die gleiche gewesen. Wir haben gewusst, dass es schwierig wird mitzuhalten. Zu Anfang haben wir unter viel Pech und natürlich auch mangelnder Qualität gelitten, etwa bei Standardsituationen. Aber allein schon gegen Traditionsmannschaften wie Alemannia Aachen vor einem Riesen-Publikum zu spielen, war ein tolles Erlebnis.

Dabei war der Start in die Saison eher desaströs . . .

Berkigt: Die Hinrunde war schon frustrierend. Hinzu kam, dass wir unser System umgestellt, mit einer Fünferkette operiert haben, um weitere Klatschen zu vermeiden. Dann hat es nur noch 0:2- oder 0:1-Niederlagen gegeben. Das war hart, denn unser Stil ist immer offensiv und attraktiv gewesen. Jetzt aber sind wir zurückgekehrt zu dem, was uns stark gemacht hat.

Was ist mit der Mannschaft passiert? Ist sie enger zusammengerückt, ist sie mehr Mannschaft geworden?

Berkigt: Das ist schwer zu sagen. Wir waren bereits vorher eine verschworene Gemeinschaft. Sonst hätten wir das nicht durchstehen können. Aber natürlich hat es auch bei uns Reibungen gegeben, bei anderen Klubs aber hätte es richtig geknallt. Im Nachhinein haben wir gut daran getan zusammenzuhalten.

Kam der Aufschwung für Sie denn überraschend?

Berkigt: Wir hatten schon damit gerechnet. Allerdings kassierten wir immer wieder Rückschläge wie im Hinspiel gegen Lotte, gegen Essen und phasenweise gegen Mönchengladbach. Seit der Winterpause aber haben wir ordentliche Spiele abgeliefert. An diese Steigerung haben wir immer geglaubt.

Allerdings muss man auch sagen, dass wir jetzt in bestimmten Momenten auch das Glück besitzen, was uns zu Anfang noch gefehlt hat. Denn auch beim 1:0 über Wattenscheid gab es Situationen, in denen wir einen Treffer hätten kassieren können. In der Hinrunde wäre das so gekommen, und wir hätten verloren.

Wäre denn mehr möglich gewesen, wenn Sie anders in die Saison reingegangen wären?

Berkigt: Schwierig zu sagen. Man braucht einfach Zeit, um anzukommen. Wir sind mies gestartet, haben eine Klatsche nach der anderen kassiert. Da war es die logische Schlussfolgerung, etwas zu verändern. Und auch das hat wieder Zeit benötigt, weil es nicht unser gewohntes Spiel war. Es war zu spät, aber es war kein Fehler, es erst einmal anders zu versuchen.

Würden Sie diese Herausforderung noch einmal angehen?

Berkigt: Das muss ich nicht mehr haben. Ich würde sagen: nein, danke! Allerdings bin ich mir sicher, dass auch der Verein das in der Zukunft nicht mehr wagen wird. Nicht aus sportlichen Gründen, sondern weil einfach der Aufwand zu hoch ist.

Haben Sie und Ihre Mannschaft sich für die restlichen Spiele neue, konkrete Ziele gesetzt? Etwa Kray noch einzuholen oder keine 100 Gegentore zu kassieren?

Berkigt: Unter 100 Gegentreffern zu bleiben, haben wir uns bereits in der Hinrunde vorgenommen. Aber Kray noch einzuholen, jetzt noch zwei Spiele zu gewinnen, wird extrem schwierig. Wir hinken noch vier Punkte hinterher. Das beweist ein Blick auf die Tabelle, den ich lange Zeit nicht mehr gewagt hatte. Dortmund kommt noch, die uns im Hinspiel an die Wand gespielt haben, es folgen Köln und Wiedenbrück. Ich hoffe, dass wir speziell den BVB zu Hause noch ärgern können.

Ist die Mannschaft denn noch hungrig auf die Mittelrheinliga?

Berkigt: Auf jeden Fall, die Aussicht, wieder öfter Erfolgserlebnisse zu haben und oben mitzuspielen, motiviert uns alle. Das macht naturgemäß viel mehr Spaß, ohne dass wir dabei denken, es würde leicht für uns werden.

Schließen sich Regionalliga und Amateurstatus aus?

Berkigt: Im Grunde ja. Bei uns gibt es nur Studenten, Auszubildende oder Berufstätige wie mich. Ähnlich ist es auch bei Kray, Velbert und Erndtebrück. Und alle stehen unten. Wenn eine Mannschaft unter diesen Bedingungen den Klassenerhalt schafft, wäre das schon äußerst ungewöhnlich.

Berufsfußballer in der Vierten Liga gehen dafür aber ein hohes Risiko ein, oder?

Berkigt: Auf jeden Fall. Ich rate keinem, ohne Netz diesen Hochseilakt zu wagen. Natürlich träumen die meisten davon, ganz nach oben durchzustoßen. Aber das gelingt nur den wenigsten. Und selbst wenn man es in die Erste oder Zweite Liga geschafft hat, bleibt es extrem schwierig, so gut hauszuhalten, dass man anschließend ausgesorgt hat. Ich kann nur allen Spielern in der Regionalliga raten, voll auf die Karte Berufsausbildung zu setzen.

Ist für Sie denn als Lehrer und Fußballer eine Zusatzqualifikation zum Trainer reizvoll?

Berkigt: Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Die Ausbildung wäre bei Unterricht bis 15 Uhr, vier Mal Training plus einem Spiel in der Woche und einer Familie auch sehr schwierig durchzuziehen. Ich bin zwar schon 32, aber spiele noch viel zu gerne Fußball. Und außerdem würden mir die Jungs und der Blödsinn, den wir uns in der Kabine erzählen, zu sehr fehlen. Das brauche ich einfach zum Abschalten.

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