Aachen - Belgien gewinnt hitzigen Nationenpreis

Belgien gewinnt hitzigen Nationenpreis

Von: Helga Raue und Christoph Pauli
Letzte Aktualisierung:
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Immer wieder faszinierend: die Kulisse und die Atmosphäre beim Nationenpreis in der Aachener Soers zwischen Sonnenuntergang und Flutlicht.
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Mit zwei Nullrunden die Garanten für Belgiens Triumph im Nationenpreis: Gregory Wathelet und Conrad De Hus.

Aachen. Auch am Abend feuerte die Sonne unverändert ihre heißen Strahlen auf das Springfeld. Die Wärme des Tages staute sich immer noch im Stadion. Hitziger als am Donnerstagabend im größten Reitstadion der Welt ist wohl selten ein Preis der Nationen vorher gewesen. Die Entscheidung fiel auf der Zielgeraden: Belgien (6 Strafpunkte) siegte vor den USA (8), den Niederlanden (10) und Deutschland und Kanada (je 12).

„Das ist mit Sicherheit einer der schönsten Tage in meinen Leben“, freute sich der belgische Equipe-Chef Kurt Gravemeier. Die Eckdaten für den Parcours: Zwölf Hindernisse, 15 Sprünge, 510 Meter Strecke, erlaubte Zeit: 77 Sekunden. Hinter den nüchternen Zahlen verbargen sich ausreichend Herausforderungen. Die Zeit war eher kniepig bemessen, die Distanzen waren eher knifflig, weil dieser Aachener Nationenpreis natürlich einen sehr anspruchsvollen Ruf zu verteidigen hat.

Den Titel hatten die Niederländer zu verteidigen, aber die Mehrzahl der Besucher war dann doch der Meinung, dass so ein erster deutscher Heimsieg nach sechs Jahren noch einmal eine schöne Sache wäre. Otto Becker muss sich schließlich erzählen lassen, dass er mit der Equipe in Aachen noch nie erfolgreich war. „Und ich möchte auch das Gefühl kennenlernen, wie es ist, als Trainerv zu gewinnen, als Reiter war ich ja schon erfolgreich“, wünschte sich Becker.

Der Bundestrainer schickte als ersten Marcus Ehning auf seinem Plot Blue in die Bahn. Die Rechnung ging auf, der Westfale nahm mit einem souveränen Null-Fehler-Ritt Druck von der einzigen Amazone im Team. Katrin Eckermann war die große Unbekannte im Team. Vor fünf Jahren gewann die 24-Jährige in der benachbarten Albert-Vahle-Halle noch Nachwuchspreise, jetzt stand sie vor ihrer größten beruflichen Herausforderung. Aus dem Fragezeichen wurde (zunächst) ein dickes Ausrufezeichen.

Sie dirigierte Firth of Lorne fehlerfrei durch den Stangenwald. Und nach dem letzten hohen Steilsprung gab es einen Schrei der Begeisterung, der vermutlich den Mann in Mond aus dem Schlaf gerissen hat. Es lohnte sich, wach zu bleiben. Daniel Deußer bestätigte seine Form eindrucksvoll, der Weltcup-Sieger kam nicht in einmal in Gefahr mit seinem Cornet D’Amour. Ludger Beerbaum und Chiara hätten gelassen das Streichergebnis geben können, aber auch das letzte deutsche Paar blieb ohne jeden Makel. Vier Ritte, vier Nullrunden, Maximalergebnis.

Der große Siegerscheck rückte näher. Der Preis der Nationen ist in Aachen mit 400.000 Euro dotiert, doppelt so hoch wie die anderen Mannschafts-Wettbewerbe. Der Aachen-Laurensberger Rennverein hat sich freiwillig aus der Top-Liga verabschiedet, ist nicht mehr Teil der FEI-Nationenpreisserie. Diese Serie wird von dem Schweizer Uhrenhersteller Longines alimentiert, der CHIO ist seit Jahren Rolex verbunden. Eine Einigung war „aus inhaltlichen und wirtschaftlichen Gründen“ nicht möglich, sagt Turnierdirektor Frank Kemperman. In Aachen gehen die Uhren nun anders. Punkte gibt es für Equipen in der Soers nicht mehr – dafür aber Geld und unverändert: Prestige.

Und doch war der Kampf um den Wanderpokal der Bundesrepublik Deutschland zur Halbzeit nicht annähernd entschieden. Die Belgier mit Peter Devos, Olivier Philippaerts, Jos Verloy und Gregory Wathelet gingen ebenfalls ohne Vorstrafe in die zweite Runde. Nur einen Hufschlag entfernt lauerten die Niederländer (1 Strafpunkt). Der Dreiländer-Dreikampf aus dem Vorjahr war wieder aktiviert. „Hier sind einfach die besten Teams am Start“, analysierte der stellvertretende Bundestrainer Heinrich Hermann Engelmann. „Es gab zwar relativ viele fehlerfreie Ritte (11 von 32), die Sprünge werden sicherlich höher, die Anforderungen noch härter.“

Der Preis blieb heiß, Marcus Ehning kassierte nach einem Flüchtigkeitsfehler den ersten Abwurf, und dann erlebten 40 000 Zuschauer die Schrecksekunde. Katrin Eckermann stürzte am Wassergraben. Scheinbar unverletzt, ging sie zu Fuß aus dem Parcours. „Sie hat Glück gehabt, ihr ist weiter nichts passiert“, berichtete wenig später Marcus Ehning, der sofort der Kollegin zur Hilfe geeilt war. Die Stimmung in der Equipe war gedämpft.

Daniel Deußer patzte am gleichen Oxer wie Ehning. Das Team kam mit dem feststehenden Streichergebnis unter Zugzwang. Zwischenergebnis vor dem letzten Reiter: Belgien 6, Deutschland, USA 8 und Niederlande 9 Fehlerpunkte. Spannung pur. Belgiens Gregory Wathelet auf Conrad de Hus öffnete den Tresor. Null Fehler, mit Pieter Devos, Olivier Philippaerts und Jos Verlooy feierte er den Sieg.

Ludger Beerbaum leistete sich als letzter Reiter des hitzigen Abends einen Abwurf, sein Team fiel auf Platz 4 zurück. Otto Becker muss weiter warten.

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