Basketball: Der Mann, der ein paar Ligen zu tief spielt

Von: Lukas Weinberger
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Nicht zu stoppen: Ray Williams im Anflug auf den Korb. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Irgendwann hat Ray Williams sich damit abgefunden, beschimpft zu werden, ist ja nichts Persönliches, da ist er sicher. Williams ist Basketballer, und da gehören Beschimpfungen ein bisschen dazu, es ist nämlich so: Je besser ein Spieler ist, desto mehr muss er sich von seinen Gegenspielern anhören; Trash-Talk heißt dieses Gerede in der NBA, der US-amerikanischen Profiliga.

Williams sagt: „Wenn du ein guter Spieler bist, musst du damit leben können, dass dich dein Gegner hasst.“ Williams, 29, Amerikaner, ist nicht gut. Er ist sehr gut, jedenfalls viel zu gut für die Oberliga, aber da spielt er, mit der SG Nike Herzogenrath/Baesweiler. Williams dribbelt, Williams passt und Williams punktet, im Schnitt macht er 27 Zähler pro Spiel. Und alleine deswegen ist er für diese Liga eine Attraktion.

Alles ein bisschen anders

Es ist etwa drei Jahre her, da kam Williams nach Deutschland, um Basketball zu spielen. Und wenn Amerikaner in Deutschland Basketball spielen wollen, dann meistens, um mit dem Sport ihren Lebensunterhalt zu verdienen, viele haben ja auch das Zeug dazu. Um in der Oberliga Basketball zu spielen, kommen Amerikaner nicht nach Deutschland. Eigentlich. Aber bei Williams ist alles ein bisschen anders.

Er wurde in Großbritannien geboren, und als er noch nicht einmal ein Jahr alt war, zog er mit seiner Familie in die USA, in die Nähe von Baltimore, Maryland; sein Vater ist Amerikaner. Basketball war in Williams‘ Leben schon immer wichtig, an der Highschool, auf dem College. Er spielt Point Guard oder Shooting Guard, auf den Positionen ist nicht Größe sondern Schnelligkeit, Pass- und Treffsicherheit gefragt. William hat großes Talent, nicht genug für die Top-Liga NBA, aber mehr als andere Basketballer, jedenfalls so viel, dass ihn auch schon in Amerika Gegenspieler beschimpft haben.

Nach dem College hat Williams zwei Jahre in der semiprofessionellen ABA (American Basketball Association) gespielt, kurz darauf ist er nach Deutschland gegangen. Wie das gekommen ist, sei nicht besonders spektakulär, Williams sagt: „Mein bester Freund lebt in der Nähe von Aachen, zusammen mit seiner Frau, und er hat gesagt, ich solle doch kommen und hier Basketball spielen.“

Marvin Poindexter spielt auch für die SG Herzogenrath/Baesweiler, und natürlich hat er seinem Freund gesagt, dass sie ein Oberligateam ist, Williams sagt dennoch: „Ich bin gekommen, um es mir anzuschauen, und es hat mir gefallen.“ Er fühle sich wohl, und Arbeit hat er auch gefunden, bei der Nato-Air-Base in Geilenkirchen als Kinderbetreuer; auch sein Deutsch wird immer besser, mit dem Sprechen hapert es noch ein bisschen, aber er versteht fast alles. Und weil es passt, ist er jetzt schon seit drei Jahren bei der SG.

Natürlich weiß Williams, dass er das Talent für größere Aufgaben hätte, aber eigentlich ist ihm ein bisschen unangenehm, wenn darüber gesprochen wird, etwa wenn sein Trainer Thomas Roth sagt: „Ray ist der beste Spieler, den ich je hatte“, und er sei nicht umsonst sein Kapitän.

Oder wenn Roth erzählt, dass ehemalige Zweitligaspieler, die er kenne, über Williams gestaunt hätten; „sie haben gesagt, er könne alles erreichen.“ Sein Spieler lächelt dann, er sagt, dass eine höhere Liga eben nicht alles sei, es liege ihm viel an seinem Umfeld. „Ich mag Baesweiler gerne, und das ist wichtiger, als in irgendeiner Regionalliga-Mannschaft zu spielen.“ Eigentlich, sagt er, könne die Liga gar nicht so hoch sein, dass es ihm leicht fallen würde, sich gegen seinen Verein zu entscheiden. Das gefällt auch Roth, er sagt: „Ich bin froh, ihn in meiner Mannschaft zu haben.“

Bei der SG läuft‘s gut

Und momentan läuft es ja auch bei der SG Nike Herzogenrath/Baesweiler ganz gut, vergangene Saison war sie Dritter; damals noch ohne den Namenszusatz Nike, der ist erst vor dieser Saison wegen des Zusammenschlusses mit Nike Aachen dazu gekommen. Nach acht teils hohen Sieg in Folge hat die SG am Wochenende das erste Mal in dieser Saison verloren. Oben dabei ist sie trotzdem noch, drei Teams stehen punktgleich auf den ersten drei Plätzen, darunter auch die BG Aachen als Spitzenreiter; am nächsten Wochenende kommt es zum Derby.

„Wir wollen am Ende oben stehen“, sagt Williams. Und er tut einiges dafür; der Kapitän hat bislang 242 Punkte gemacht, andere gute Oberliga-Spieler brauchen dafür doppelt so viele Spiele, mindestens. Aber das mit den Punkten sei nicht so wichtig, er zähle sie nicht, sagt Williams, und seinen Rekord in der Oberliga kenne er auch nicht genau: „Irgendwas mit 50, vielleicht 54.“

Trainer Roth legt Wert darauf klarzustellen, dass Williams wegen seiner vielen Treffer nicht nur auf seine Offensivqualitäten reduziert werden dürfte, „er ist auch ein sehr guter Verteidiger, ein Basketballer, der für die ganze Mannschaft spielt“. Die Gegner versuchen deshalb, Williams zu stoppen, sportlich und manchmal eben auch mit bösen Worten, Roth sagt: „Das Problem ist nur, dass Ray nicht zu stoppen ist.“

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