Düren - Badminton-Bundesligist spielt die beste Saison seiner Geschichte

Badminton-Bundesligist spielt die beste Saison seiner Geschichte

Von: Lukas Weinberger
Letzte Aktualisierung:
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Spitzensport in familiärer Atmosphäre: Am Sonntag erwartet der 1. BC Düren in der Halle des Nelly-Pütz-Berufskollegs Mülheim zum Viertelfinale. Foto: Haeming
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Glauben sicher nicht an Geister: Michael Pütz (Teammanager; v.l.), Lars Dick (2. Vorsitzender und Geschäftsführer) und Rolf Pütz (1. Vorsitzender). Foto: Haeming (2), Weinberger
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„Glaubt nicht an Spuk und Geister, der BCD wird Meister“: Die Männer vom Imbiss sind optimistisch, dafür spricht zumindest der Schal rechts. Foto: Haeming (2), Weinberger

Düren. Dass es für den 1. BC Düren irgendwann einmal um den Deutschen Meistertitel gehen könnte, das haben nicht mal Rolf Pütz und Lars Dick kommen sehen, dabei wissen die beiden eigentlich so ziemlich alles, was den Badmintonklub betrifft.

Pütz ist erster Vorsitzender des Bundesligisten, er ist seit 41 Jahren im Verein, Dick, der Geschäftsführer, sogar seit 47 Jahren; sie haben eine ganze Menge mit diesem Verein erlebt. Dass der BC jetzt die erfolgreichste Saison der Vereinsgeschichte spielt, die Hauptrunde als Dritter abgeschlossen hat und am Sonntag das Viertelfinale der Play-offs um die Deutsche Meisterschaft bestreitet (17 Uhr), kommt aber schon überraschend, selbst für die beiden. Pütz sagt: „Wenn mir das vor ein paar Jahren jemand gesagt hätte, ich hätte geglaubt, er habe einen Riss in der Schüssel.“

Der 1. BC Düren ist 1957 als Amateurklub gegründet worden, und viele Jahre ist er das geblieben: ein Amateurklub. Pütz und Dick haben diese Zeiten miterlebt, natürlich, sie haben selbst gespielt, jetzt sind beide seit mehr als 20 Jahren im Vorstand.

Die große Zeit begann in der Saison 2002/2003, Düren spielte in der Bezirksliga und feierte danach fünf Aufstiege in sieben Jahren, ab 2009 war der BC ein Zweitligist. Das hat nicht allein mit Kräften aus Düren und der Region geklappt, es wurden gute Spieler aus anderen Vereinen an die Rur gelotst; Professionalisierung heißt das im Sport. Am Ende stand der Aufstieg in die Bundesliga, das war 2012. Dick sagt: „Eine grandiose Entwicklung.“ Die ersten Jahre in der Eliteklasse verbrachte Düren im Mittelfeld der Tabelle, keinen Kontakt zur Spitze, keine Abstiegsnot. Und dann ging es weiter bergauf. Nach Platz fünf im Vorjahr qualifizierte sich das Team nun für die Play-offs.

Es steckt viel Arbeit dahinter, keine Frage, Pütz, Dick und alle anderen beim 1. BC Düren müssen beharrlich sein; Badminton ist nun einmal nicht der Lieblingssport der Deutschen. Sie spielen gerne Federball, im Garten, in der Schule, aber nur wenige spielen Badminton im Verein. Knapp 190.000 Menschen waren 2016 im Deutschen Badminton-Verband registriert, das sind nicht viel mehr als bei den Seglern und den Karatekämpfern. Pütz sagt: „Wir wissen, dass wir mit vielen anderen Sportarten nicht konkurrieren können.“

Natürlich schlägt sich die Beliebtheit auch im Zuschauerinteresse nieder, 150 Menschen kommen im Schnitt zu den Heimspielen des BC in die Sporthalle des Dürener Nelly-Pütz-Berufskollegs. Bei den Spitzenspielen waren es immerhin rund 200 Zuschauer. Das sind durchaus normale Zahlen für die Badminton-Bundesliga, mehr Besucher sind es auch an anderen Standorten nicht; dort kommen teilweise deutlich weniger. Die veränderten Regeln, die die Spannung in der Liga erhöht haben, locken seit dieser Saison zumindest ein paar mehr Zuschauer in die Hallen.

Wie groß der Etat ist, mit dem die Dürener arbeiten, wollen die Verantwortlichen nicht verraten, das mache kein Bundesligist. Der BC baut auf regionale Sponsoren, eine andere Möglichkeit hat der Verein auch nicht. Die Mittel seien überschaubar, verrät Pütz: „Für die Leistung, die die Spieler bringen, ist das, was wir zahlen, nicht angemessen.“ Für die Zusammenstellung des Kaders ist Michael Pütz zuständig, der Sohn des Vorsitzenden ist Teammanager des BC.

Und vor dieser Saison hat er gute Arbeit geleistet: Die Verpflichtungen der Niederländer Mark Caljouw und Jelle Maas, ihrer Landsfrau Cheryl Seinen sowie der Ukrainerin Maria Ulitina waren Glücksgriffe; dazu konnten der Deutsche Kai Schäfer und Ruben Jille, der vierte Niederländer im Kader, gehalten werden; alle Spieler spielen für die Nationalmannschaft ihres Landes. Michael Pütz sagt: „Wir wussten, dass das Team stark ist; aber wie stark es ist, hat uns selbst ein bisschen überrascht.“ Es ist Dürens Philosophie, auf eine starke Stammformation zu setzen; mit den sechs Spielern, die es braucht, um ein Badmintonspiel in der Bundesliga zu bestreiten, hat der BC seinen Etat komplett ausgereizt.

Was nicht nur Vorteile hat. Wenn sich ein Top-Spieler verletzt, ist niemand da, der ihn ersetzen kann. Diese Erfahrung hat Düren in der Rückrunde machen müssen: Schäfer fiel mit einem Muskelfaserriss und Rückenproblemen länger aus. Die Regeln der Liga sehen aber vor, dass Teams bei jeder Partie mit sechs Spielern antreten müssen; sonst droht der Zwangsabstieg. Michael Pütz, 28, sprang selbst ein; eigentlich spielt er für die Zweite Mannschaft, die aus der Bezirksliga absteigen wird.

Ein sechsfacher Klassenunterschied. Pütz kam drei Mal an der Seite von Caljouw im Doppel zum Einsatz, drei Mal waren sie chancenlos, natürlich. Weil auch Pütz an zwei Spieltagen nicht aushelfen konnte, stellte Düren einmal Geschäftsführer Dick, 54, und zweimal Achim Decker, 62, auf, der in den Vorjahren schon mal in der Bundesliga zum Einsatz gekommen war. Diesmal spielte der Vergnügunswart des Klubs nicht, auch Dick stand nicht auf dem Feld; beide verletzten sich schon beim Warmmachen . . .

Anderen Vereinen stößt das sauer auf, und auch die Dürener machen das laut ihrem Vorsitzenden nicht gerne. „Es ist eine Notlösung“, sagt Rolf Pütz, anders sei es aber nicht zu bewerkstelligen. „Wenn wir den Kader breiter aufstellen würden, könnten wir uns keine Top-Spieler leisten“, sagt er. „Wir würden im Mittelfeld herumkrebsen. Oder darunter.“ Aus demselben Grund hat der BC auch keinen echten Unterbau mehr; andere Bundesligisten haben eine Zweite in der Zweiten Liga, mindestens in der Oberliga.

„Das hätten wir auch gerne –mit vielen Spielern aus der Region“, sagt Pütz, „aber das ist unrealistisch.“ Zum einen, weil es nicht viele gute Spieler in und um Düren gebe, zum anderen, weil selbst für ein Oberligateam Spieler von außerhalb nur mit Geld zu locken seien. Geld, das Düren nicht hat, wenn es oben spielen will. Pütz sagt: „Wir machen das Beste aus den Möglichkeiten.“ Was nicht zu widerlegen ist: Das Team verlor nur eines der fünf Spiele ohne Schäfer, die anderen gewann es jeweils mit 4:3.

Kai Schäfer ist wieder fit, er hat schon am letzten Doppelspieltag der Hauptrunde wieder auf dem Feld gestanden. Und war dabei, als der BC mit 4:3 beim Vorzeigeklub 1. BC Bischmisheim gewann, es war der zweite Sieg in dieser Saison gegen den amtierenden Meister. Düren ist in dieser Saison alles zuzutrauen, erst mal muss die Mannschaft aber am Sonntag im Viertelfinale in der Halle des Nelly-Pütz-Berufskollegs den 1. BV Mülheim schlagen.

Der Tabellendritte Düren ist Favorit, klar, der BC hat beide Hauptrundenspiele gewonnen, Mülheim wurde Sechster. „Es ist großartig, dieses Play-off-Spiel zu Hause austragen zu dürfen“, sagt Pütz. Karten gibt es an der Tageskasse. Mit einem Sieg würde sich Düren für das Final-Four-Turnier am 13. und 14. Mai in Bad Hersfeld qualifizieren, wo der Deutsche Meister ermittelt wird; dort würde im Halbfinale der Hauptrundenzweite Bischmisheim warten. Davon will beim BC aber niemand träumen. Sagen sie.

Aber vielleicht überrascht sich der 1. BC Düren am Ende mal wieder selbst. Mit dem Meistertitel.

„Attraktiver“: die neuen Regeln im Badmintonsport

Um mehr Spannung zu garantieren, haben die Verantwortlichen der Badminton-Bundesliga vor dieser Saison ihre Regeln angepasst. Ein Spieler muss drei Sätze für sich entscheiden, um eine Partie zu gewinnen, zuvor waren es zwei Sätze; die Durchgänge dauern seit Saisonbeginn aber nur noch so lange, bis der erste Spieler elf Punkte erreicht und mindestens zwei Zähler Vorsprung hat.

Vorher wurde wie bei internationalen Turnieren und im Amateurbereich bis 21 gespielt. Zudem wurde die Anzahl der Partien geändert: Statt sechs Partien bestreiten die Teams nun sieben; hinzugekommen ist ein zweites Männerdoppel. Eine Mannschaft bekommt für einen 7:0- oder 6:1-Sieg drei Punkte, für 5:2- oder 4:3-Erfolge erhält das siegreiche Team zwei Zähler. Der unterlegene Verein fährt dann einen Punkt ein. Die Play-offs wurden zudem auf sechs Mannschaften ausgeweitet, ein Final Four, bei dem der Deutsche Meister ermittelt wird, eingeführt.

„Ich kann diesen Neuerungen viel abgewinnen“, sagt Rolf Pütz, Vorsitzender des 1. BC Düren. „Sie machen Badminton attraktiver.“

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