ATG-Läufer André Collet: Deutscher Meister über 100 Kilometer

Von: Helga Raue
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Aachen. 2014 hatte er noch gesagt, „irgendwann muss es gut sein“. Doch dann wollte André Collet nach der für ihn nicht gut verlaufenen Weltmeisterschaft in Doha so doch nicht abtreten. Nach der rechten Ferse 2013 ließ er auch die linke 2015 operieren.

„Es verheilte gut, und mit den Gedanken war ich immer beim Sport“, sagt er grinsend. Nun hat der 44-Jährige die Möglichkeit, einen anderen Schlusspunkt unter seine Karriere zu setzen – bei der 100-Kilometer-WM Ende November im spanischen Los Alcázares. Collet qualifizierte sich in 6:55:27 Stunden – und gewann damit nicht nur bei den DM in Leipzig den Titel, sondern lief auch Jahresbestzeit und die schnellste DM-Siegerzeit seit 2003.

„Es war meine einzige Chance, mich noch für die WM zu qualifizieren“, erläuterte Collet, der sein ganzes Training darauf ausgerichtet hatte. Nach der Zwangspause 2015, in der er nur den Rursee-Marathon mitlief „um den Faden nicht abreißen zu lassen“, nutzte er im Frühjahr den Düsseldorfer Marathon als „Leistungstest. Ich wollte bis an die Grenze gehen, um zu sehen, woran ich noch arbeiten musste.“ 2:30 peilte er an, 2:40 wurden es. Der Tivoli-Lauf fungierte als „hartes Tempotraining“. 7:15 war die WM-Norm, „auf eine Zeit unter sieben Stunden hatte ich gehofft, davon geträumt“. Heraus kam die drittschnellste Zeit, die Collet über die 100 Kilometer je gelaufen ist. „Und das obwohl ich eineinhalb Jahre kein richtiges Rennen mehr gelaufen bin“, fügt der Läufer der Aachener TG mit berechtigtem Stolz hinzu. 2012 hatte er bei der WM im italienischen Seregno in 6:45 Stunden das Ziel erreicht, Gesamtplatz 5 belegt und seine Altersklasse gewonnen.

„Ich habe mich in diesem Jahr aufs Training konzentriert. Ich wusste, dass ich fit bin, aber ich wusste auch, was dranhängt. Hätte es nicht geklappt, hätte ich meine Karriere beendet“, sagt Collet – aber so richtig mag man dem drahtigen Mann nicht abnehmen, dass er die Laufschuhe auszieht. „Vom Kopf her bin ich der geborene Läufer“, gibt er lachend zu.

Und so zeigte er der über 150-köpfigen Konkurrenz bei der DM gleich von Beginn an, „Jungs, der André ist da. Auf den ersten 100 Metern habe ich es richtig knacken lassen, das ist psychologisch wichtig“, sagt Collet. Von Beginn an hat er sich gut gefühlt und bei Kilometer 50 hatte er schon ein 20-Minuten-Polster zu den Verfolgern herausgelaufen. „Da habe ich zu meiner Frau am Verpflegungstisch gesagt, dass ich ein gutes Gefühl habe. Ich brauche Luft, wenn ich von hinten gedrückt werde, gerate ich in Stress.“ Auch Schmerzen im Oberschenkel nach zehn, 15 Kilometern stoppten ihn nicht. „Bei 80 Kilometern konnte ich noch beschleunigen.“

Da hatte sein ärgster Verfolger Niels Bubel (Berlin), der als guter Marathon-Läufer als einer der Favoriten gegolten hatte, schon abreißen lassen müssen. In 8:48:23 wurde er letztlich 21. „Am Anfang war er direkt hinter mir, da muss man sich im Kopf eine Taktik zurechtlegen“, gestattet Collet Einblick in seine Gedanken. „Ansonsten versuche ich mich zu konzentrieren. Und da das Laufen auch eine Stresssituation ist, wird es nicht langweilig, auch wenn ich die Welt außen abschalte und mich ganz auf meinen Lauf fokussiere.“

Ohnehin bot die Strecke viel Abwechslung, rund 70 Prozent führten durch den Wald, nur gut 20 über Asphalt. „Das war fast ein Waldlauf, ruppig rauf und runter. Ich mag so etwas. Und eine solche Strecke ist auch eine Abwechslung für die Muskulatur“, kennt Collet solche Strecken vom Monschau-Marthon oder auch vom ATG-Winterlauf. Sein Polster hielt bis zum Schluss, Michael Sommer (Schwaikheim) und Alexander Dautel (Berlin) erreichten nach 7:15:54 bzw. 7:16:58 das Ziel.

Und nun die WM im November: „Bisher bin ich bis an die Grenze gegangen, aber ich kann im Training gut noch etwas drauflegen“, ist Collet optimistisch. Ein Platz in den Top 10, in der Altersklasse eine Medaille und vielleicht auch Edelmetall mit dem Team – „Wenn alle durchkommen“ – sind sein Ziel. Für den dann – vielleicht – letzten 100-Kilometer-Lauf der Karriere.

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