AS „Neu”-pen: Ein Klub ist auf der Suche nach sich selbst

Von: Mischa Wyboris
Letzte Aktualisierung:
Wollen wieder jubeln: Die Spie
Wollen wieder jubeln: Die Spieler der zuletzt immer wieder in die Schlagzeilen geratenen AS Eupen. Wie das geht, hat der ostbelgische Zweitligist mit Neuzugang Ioannis Masmanidis (vorne links) beim 3:1 vor einer Woche im Test gegen Alemannia Aachen schon mal geübt. Foto: David Hagemann

Eupen. Es wäre schon seltsam, wenn ausgerechnet im Stadion am Kehrweg neue Besen nicht gut kehren würden. Was sich dieser Tage auf allen Personalebenen der AS Eupen abspielt, darf man getrost als Großreinemachen bezeichnen - pünktlich zum Saisonauftakt.

Neuer Investor, neuer Manager, neuer Trainer, neue Spieler: Wenn für den ostbelgischen Absteiger aus der 1. Division heu­te Abend um 20 Uhr gegen den CS Visé der Zweitliga-Alltag beginnt, soll vieles anders werden als in der vergangenen Saison. Vorbei die Zeiten, als man mit juristischen Mitteln noch den Abstieg verhindern wollte und die sportlichen (Fehl-)Leistungen zum Nebenschauplatz wurden: Vom Grünen Tisch soll es zurück zum grünen Rasen gehen - und hoffentlich mit größerem Erfolg.

„Das ist ein kompletter Neuaufbau, aber wir entwickeln Teamqualität”, sagt Trainer Wolfgang Frank, der zuletzt beim Drittligisten Carl Zeiss Jena die Taktik vorgegeben hat und jetzt anstelle von Danny Ost Eupens Geschicke von der Seitenlinie aus leitet. „Dass sich der Kader durch die vielen Neuzugänge erst so spät gebildet hat, ist sicher kein Vorteil”, sagt Frank. Was auch mit sich bringt, dass der Coach noch nicht weiß, ob er heute Abend aus dem Vollen schöpfen kann: Noch hat der Verein nicht für alle Spieler die Lizenzen zusammen.

Was Danijel Milicevic nicht mehr interessieren dürfte: Der Ex-Kapitän, Marko Obradovic und Alex haben der AS Eupen den Rücken gekehrt, ebenso wie der belgische Ex-National-Stürmer Kevin Vandenbergh (zu Erst­ligist KV Mechelen), Dauer-Defensivmann Ervin Zukanovic (zu Erstligist KV Kortrijk), Verteidiger Alessandro Iandoli (nach St. Truiden), Ersatzkeeper Olivier Werner und Publikumsliebling Freddy Mombon­go (beide zu Erstligist RAEC Mons).

Die AS „Neu”-pen

Zu den Neuen, die die Kehrtwende am Kehrweg einleiten sollen, zählen der Ex-Bielefelder Christian Santos und der Wolfsburger Torhüter Jonas Deumeland, beide 23 Jahre alt und für zwei Jahre unter Vertrag, sowie der 47-malige Bundesliga-Profi (Bayer Leverkusen, Arminia Bielefeld) Ioannis Masmanidis (28), der in der vergangenen Saison für den Drittligisten SV Wehen Wiesbaden gespielt hat und nun für ein Jahr in Eupen anheuerte.

„Er ist ein Spielmachertyp und muss in die Führungsrolle gehen”, verlangt Trainer Frank von Masmanidis. Die Kapitänsbinde bekommt allerdings jemand anderes: Fazli Kocabas soll Milicevic beerben. „Fazli ist ein junger Spieler, der schon etwas weiter denkt”, begründet der Coach. Masmanidis habe bei den Clubs, für die er zuletzt angetreten ist, „so seine Probleme gehabt.

In seinem höheren Alter muss er sich in Eupen anpassen und in der Richtung weiterentwickeln, nicht nur nach vorne zu spielen”, fährt Frank fort, konstatiert aber mit einem Lachen: „Das kriegen wir schon hin.” Masmanidis selbst ist zuversichtlich: „Hier kann was entstehen, und ich möchte meinen Teil dazu beitragen.” Anspruch auf die Kapitänsbinde, die er beim Testspiel gegen Alemannia Aachen vor einer Woche während der zweiten Halbzeit tragen durfte, erhebt er nicht. „Fazli kennt das Umfeld und die Liga, die Binde ist bei ihm gut aufgehoben”, sagt der Deutsch-Grieche.

Von den Eskapaden zum Abschluss der vergangenen Saison und den Abstieg aus der 1. Division im Mai habe er sich nicht abschrecken lassen, sagt Masmanidis. Auch nicht vom kompletten Neuanfang der AS Eupen. „Wir hatten zwischendurch 50 Spieler im Test - das war wie eine Casting-Show. Aber wir haben uns gefunden.”

Für ein weiteres Jahr gehört auch der dominikanische Stürmer José Espinal zum Kader, Innenverteidiger Romeo Debefve, der von Standard Lüttich ausgeliehene Michael Lallemand (beide 18) und Außenverteidiger Kevin Kis (20) sind neu im jungen Team. „Wenn wir ein Problem haben, dann, dass wir eine junge Mannschaft sind, die noch ein wenig instabil ist”, sagt Trainer Wolfgang Frank, der sich dementsprechend auch in Zurückhaltung übt: „Wir sind auf einem guten Weg - mehr aber auch nicht.”

Und das Saisonziel? Kein Wort vom Wiederaufstieg. „Es muss eine hohe Identifikation von Mannschaft und Fans geben”, sagt Wolfgang Frank stattdessen. „Das Publikum will sehen, dass wir Feuer geben.” Fehlt das Feuer, fehlen die Fans. Und die hat Eupen nach dem Sechs-Millionen-Euro-Umbau des Kehrweg-Stadions bitter nötig.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert