AS Eupen gewinnt Interesse der Fans zurück: Barça-Fußball in Ostbelgien

Von: Klaus Schmidt
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Der Eupener findet wieder Gefallen an der AS: Torhüter Jonas Deumeland wird herzlich von den Trainings-Kiebitzen begrüßt. Und die Sonne strahlt dazu. Foto: David Hagemann
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Mehr als ein klassischer Torwart: Jonas Deumeland ist eine Art Libero.

Eupen. Von Projekten und Investoren hatten sie in der Stadt erst mal genug. Mehr als verbrannte Erde war nicht übrig geblieben nach der Machtübernahme im Verein erst durch den Italiener Antonio Imborgia, dann durch den Deutschen Ingo Klein. Und was sollte das nun werden mit den Katarern und ihrer Aspire Academy und dem Haufen junger, schwarzafrikanischer Fußballer?

Der Ruf der Königlichen Allgemeinen Sportvereinigung Eupen war schon mal besser und mit ihm der Zuspruch der Fans. „Die haben zunächst mit Aspire nichts anfangen können“, sagt Jonas Deumeland. „Aber die Zweifel sind ad acta gelegt.“ Auch wenn immer noch viel Luft bleibt im Stadion am Kehrweg. Gegen VV St. Truiden kamen rund 2400 Zuschauer, zum Spitzenspiel am vergangenen Freitag gegen Tabellenführer KVC Wes-terlo 2300. Ein überschaubarer Kreis beim schwer erkämpften 1:0 und dem Gewinn der Herbstmeisterschaft.

Deumeland steht im dritten Jahr bei der AS unter Vertrag. Er ist der Torhüter und einziger Deutscher im Kader des besten Fußballklubs in der Deutschsprachigen Gemeinschaft Belgiens. Wenn sich die Dinge so entwickeln, wie Klubführung, Trainerstab und er selbst das im Auge haben, dann wird Deumeland die Saison als Aufsteiger beenden. „Es läuft ja auch gut, wir sind auf einem guten Weg.“

Der Förderer Peter Hyballa

Nach Eupens einjährigem Gastspiel in der 1. Division war der 1,90 Meter große Keeper zur AS gewechselt. Jonas Deumeland, in Wolfsburg geboren, hatte seine Karriere beim STV Holzland - einer Spielgemeinschaft aus fünf Dörfern vor den Toren der Stadt - begonnen. Als Zehnjähriger, sein Vater An-dreas wurde als VW-Manager mit der Leitung der italienischen Dependance beauftragt, spielte er für Hellas Verona, ab 2000 dann für den VfL Wolfsburg. Man bescheinigte Deumeland - auch wenn er nie in eine DFB-Nachwuchsauswahl berufen wurde - ein überdurchschnittliches Talent. Peter Hyballa, der damalige U 19-Coach und spätere Alemannia-Trainer, und Jörg Hoßbach, der Torwarttrainer, förderten Deumeland. „Ich bekam einen Vierjahresvertrag als Profi“ - den er schon im zweiten Jahr von sich aus fristlos kündigte.

Die achtmonatige Pause wegen eines gebrochenen Rückenwirbels hatte damit wohl weniger zu tun. Zu den Einzelheiten und den Beweggründen dieser ungewöhnlichen Kündigung will Deumeland nichts mehr sagen. Doch es fällt auf: Sein Schicksal war besiegelt, als Felix Magath am Mittellandkanal die Macht übernahm.

Im November 2008 nahm der Torhüter sogar eine dreimonatige Vereinslosigkeit in Kauf, bevor ihn Zweitligist Rot-Weiß Oberhausen für die Rückrunde als Reservekeeper verpflichtete. Wieder ohne Klub von Juli 2009 bis Februar 2010, dann kehrte Jonas Deumeland (Magath war inzwischen weg) nach Wolfsburg zurück und spielte im Regionalliga-Team. Dass er schließlich in Eupen landete, daran war Peter Hyballa („Ein super Trainer, die Arbeit mit ihm hat mir sehr gut gefallen“) maßgeblich beteiligt. „Er kannte den Torwarttrainer der AS“, Gregor Pogorzelczyk (jetzt bei Rot-Weiß Essen), „und erzählte von den neuen Plänen und dass man direkt wieder aufsteigen wolle.“ Der vor kurzem verstorbene Wolfgang Frank kam als Chefcoach.

„Ein toller Mensch. Es war speziell mit ihm. Wir haben den ganzen Tag hier verbracht, von morgens bis abends.“ Training, Essen, Sitzungen, Teambuilding, „Frank war der Antreiber. Und als das Geld nicht mehr regelmäßig kam, woran einige Spieler zu knabbern hatten, hat Wolfgang Frank die Stimmung hochgehalten.“ Am Ende verpasste die AS den sofortigen Wiederaufstieg als Vizemeister in den Play-off-Spielen.

Mit der Aspire Academy kam der nächste Umbruch. „Dass wir in der vergangenen Saison nicht ganz oben gespielt haben, das war zu erwarten“, sagt Jonas Deumeland, Platz acht blieb unter dem Strich. Mit jungen Leuten aus dem Senegal, Kamerun, Ghana, Nigeria, Südafrika, „die noch nie professionell Fußball gespielt hatten“. Geführt von einem spanischen Trainerteam, das die Philosophie des FC Barcelona nach Ostbelgien gebracht hat. Deumelands Augen funkeln, wenn er über Chefcoach Barto-lomé Márquez López (Trainer schon bei Espanyol Barcelona) oder Torwarttrainer Javi Ruiz (Ex-Profi bei Espanyol und in Barças B-Mannschaft) spricht. „Wir haben noch keinen Waldlauf gemacht.

Alles im Training geht mit dem Ball. Viele Spielformen. Es wird direkt gepresst, die Verteidiger stehen oft gleich hinter der Mittellinie. Wir spielen praktisch mit mir als Libero.“ Die Arbeit mit Ruiz hat Deumeland in seiner Entwicklung weitergebracht, er kann jetzt auch seinen linken Fuß einsetzen neben seiner Stärke im klassischen Torwartspiel als reaktionsschneller Herrscher über den Strafraum. „Den Zuschauern wird immer was geboten. Kein Rasenschach. Offenes Visier. 70, 80 Prozent Ballbesitz. Und Chancen, noch mehr Tore zu machen.“ Dabei hat die AS mit Goalgetter Michael Lallemand (einziger Eupener im Kader) vorneweg schon 42 Mal in 17 Partien getroffen. „Wir spielen den attraktivsten Fußball in der Liga. Das sagen auch alle anderen Trainer.“

Das Sammelsurium an Sprachen ist am Kehrweg kein Problem. „Mit den Afrikanern wird Englisch geredet, Spanisch habe ich in der Schule gelernt, und so viele, die Französisch sprechen, gibt’s hier nicht mehr. Und mit den Leuten aus dem Betreuerstab unterhält man sich auf Deutsch.“ In der vergangenen Saison war Deumeland mit 24 der Älteste im Aufgebot. Um das Aufstiegsziel zu erreichen, wurden im Sommer drei erfahrene Spieler geholt, die den Torhüter an Lebensjahren hinter sich lassen. Die Jungen haben ihre ersten Erfahrungen in der für sie völlig neuen Welt gemacht. „Im letzten Jahr haben sie zum ersten Mal in ihrem Leben Schnee gesehen. Das kann jetzt keine Ausrede mehr für schwankende Leistungen sein“, sagt Jonas Deumeland, er lächelt dabei.

Die Rückkehr in die 1. Division steht über allem, deshalb saß der Stammkeeper auch nur auf der Bank, als die AS im September schon mal bei Rekordmeister RSC Anderlecht reinschnupperte und 0:7 unterging. „Dass wir den Pokal gewinnen, das war ja nicht unbedingt zu erwarten. Und das Risiko einer Verletzung wäre zu groß gewesen.“ Die Liga ist nicht immer nur ein Vergnügen, „du spielst auch mal in Boussu nahe der französischen Grenze vor 100 Zuschauern“. Eupen, Westerlo, St. Truiden, Mouscron und der FC Antwerpen sind die Aufstiegskandidaten, der Rest läuft unter der Kategorie Punktelieferanten.

Im Frühjahr hat Deumeland seinen Vertrag bis 2014 verlängert, er will das „Projekt“ jetzt zum Abschluss bringen. „Ich habe mich hier eingelebt, fühle mich wohl.“ Mit seiner Freundin Samantha, die er im Klub kennengelernt hat (Sekretärin der Geschäftsführung), wohnt er in Aachen, „und es wäre super, mit dem Verein zu wachsen“. Die Erstklassigkeit ist Jonas Deumelands Ziel, gerne mit der AS. Und falls das nicht klappt? „Am Ende der Saison werden wir uns wieder an einen Tisch setzen“, er und sein Vater, der auch sein Berater ist. „Der kümmert sich.“

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