André Collet: „So ist das nun mal im Hochleistungssport“

Von: Heribert Förster
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Doha/Aachen. Immerhin: André Collet kann schon wieder lachen. Am Dienstagmittag saß er in Doha-City in einem Café und berichtete von nachlassenden Schmerzen, einem aufrechten Gang „und auch vom Kopf her geht es wieder“. Am Samstag ging gar nichts, besser: es lief nichts.

Rang 47 bei der 100-km-WM im Wüstenstaat Katar war nun gar nicht das, was sich der 43-Jährige von der Aachener TG vorgenommen hatte. Speziell an seiner Zeit hatte der Ultralangläufer zu knabbern. 7:51:08 Stunden hatte er benötigt, mehr als eine Stunde mehr als angepeilt.

Und es fiel der deutschen Nummer eins über diese 100-km-Distanz auch ein bisschen schwer, zu akzeptieren, dass bei der Analyse „zwischen den Zeilen“ auch kritische Töne aus dem Umfeld zu vernehmen waren. „Aber so ist das nun mal im Hochleistungssport“, sagte sich Collet später selbst, „und vielleicht bin ich auch ein bisschen zu empfindlich momentan.“

Muskeln machen zu

Dass André Collet diese Erfahrung machen musste, mal nicht der umjubelte Star zu sein, dass hatte sich beim Start nicht abgezeichnet. „Gut“ habe er sich gefühlt, doch nach rund 30 Kilometern hätten „schlagartig die Muskeln zugemacht“, sagt Collet, der Probleme mit dem Fuß bekam, die sich dann quasi „nach oben“ hinzogen. „Dann tut der Oberschenkel weh, du willst den Fuß entlasten, läufst falsch.“ Zumal auf der 5-km-Schleife allein 80 Mal eine Haarnadelkurve genommen werden musste, „das hat meinem Fuß gar nicht gut getan“.

Und so musste sich der Dauerläufer schon recht früh die Frage stellen: Weiterlaufen oder aufgeben? Weiterlaufen, sagte Collet zu sich, wusste nach 70, 80 Kilometern aber nicht mal mehr, wie lange er denn noch laufen musste. „Das mussten mir die Helfer am Rand sagen.“ Er hat sich dennoch durchgebissen, anders als viele Top-Läufer, die die Ziellinie nicht mehr gesehen haben, „dass ich durchgehalten habe, war ganz gut für mich“.

Collet weiß, dass 100-Kilometer-Läufe aus gesundheitlichen Aspekten durchaus „fragwürdig“ sind, und deshalb wird er sich diese Tortur wohl nicht mehr antun. „Ich glaube, das war’s“, sagt Collet, „ich werde mich wie geplant mal ein Jahr zurückziehen“.

Beeindruckend

Rückzug ja, Rückflug noch nicht. Mit Freundin Beate sammelt André Collet noch ein paar Tage lang Erfahrungen weit weg von der Eifel. „Man muss es ja nicht mögen, aber es ist schon beeindruckend, ziemlich spektakulär hier.“ Sagt der ehemalige Ultraläufer ganz entspannt, er sitzt in einem Café und betrachtet mit einem Lächeln die Skyline von Doha.

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