American Football: Was Angela Merkel und Tom Brady gemein haben

Von: Thomas Thelen und Hansjürgen Mai
Letzte Aktualisierung:
Brady
Kommende Nacht beginnt die neue Saison in der National Football League (NFL). Wenn nichts Außergewöhnliches passiert, dann gewinnt der Titelverteidiger.

Aachen. Im ersten Moment würde einem wahrscheinlich nicht all zu viel einfallen, wenn man die Frage beantworten müsste, was die bevorstehende Footballsaison in den USA und der Bundestagwahlkampf hierzulande gemein haben.

Doch bei genauerer Betrachtung fällt eine Übereinstimmung ins Auge: Hüben wie drüben gibt es – zumindest zum jetzigen Zeitpunkt – kaum einen Zweifel daran, wer am Ende als Sieger aus den Veranstaltungen hervorgehen dürfte. Was also Angela Merkel in der hiesigen Politik ist, das ist Tom Brady in der National Football League (NFL). Beiden ist der Nimbus der Unbesiegbarkeit eigen. Ob es am Ende so kommen wird, bleibt dann aber doch noch abzuwarten. In der Politik und erst recht im Sport ist vieles möglich. Und es sei daran erinnert, dass sich die Demoskopen und Buchmacher in der Vergangenheit auch nicht immer mit Ruhm bekleckert haben.

Tom Brady – immer wieder Tom Brady! Fünfmal hat der inzwischen 40-jährige Quarterback mit den New England Patriots den Super Bowl gewonnen. Und nach jedem Titelgewinn hieß es, dass Brady nun endgültig auf dem Zenit seines Könnens und ein weiterer Titel nicht mehr zu erwarten sei. Doch weit gefehlt: Kein Quarterback weit und breit verfügt in der NFL über so viel Routine wie Brady, und weil er in seiner 17-jährigen Karriere weitgehend von Verletzungen verschont geblieben ist, bringt er auch körperlich immer noch das mit, was einen guten NFL-Spielmacher auszeichnet.

Wenn die Patriots als amtierender Titelverteidiger in dieser Nacht gegen die Kansas City Chiefs die neue Saison eröffnen, dann fehlen Brady allerdings zwei wichtige Säulen. Zum einen Star-Receiver Julian Edelman, der sich beim ersten Vorbereitungsspiel einen Kreuzbandriss zuzog und für die gesamte Saison ausfallen wird. Zum anderen der deutsche Tackle Sebastian Vollmer: Nach sieben Spielzeiten beendete der 33-Jährige im Sommer seine Karriere. Gerade er war es, der in der vergangenen Jahren als Teil der Offensive-Line Brady vor den Angriffen der Gegner beschützte, ein Bollwerk, auf das sich Brady stets verlassen konnte. Die Frage wird also sein, wie der Quarterback und die Patriots diese Ausfälle verkraften.

„Jede Mannschaft startet bei null“, stapelt Brady, der trotz seiner Erfolge eh nicht zum Übermut neigt, vor dem Eröffnungsspiel denn auch eher tief. „Es ist ein wichtiges Spiel, wir treffen auf eine der besten Mannschaften in der AFC“, meinte der 40-Jährige jüngst.

Trotz der haushohen Überlegenheit von Brady & Co., die die Buchmacher sehen, wittern andere Teams ihre Chance. In der AFC, in der die Hälfte der 32 NFL-Mannschaften spielen, gehören neben den Patriots auch die Pittsburgh Steelers und die Oakland Raiders zum engeren Favoritenkreis. Die Raiders setzen dabei ganz auf den 26 Jahre alten Spielmacher Derek Carr, der endlich den Sprung in die Quarterback-Elite schaffen will.

In der NFC, zu der die andere Hälfte der NFL-Mannschaften zählt, werden den Green Bay Packers die besten Chancen auf den Super-Bowl-Einzug eingeräumt, bei dem die Sieger von AFC und NFC aufeinander treffen. Mit Packers-Quarterback Aaron Rogers, der seit Jahren als einer der besten NFL-Spielmacher gilt und auf der Jagd nach seinem zweiten Super-Bowl-Titel ist, dürfte dabei zu rechnen sein.

Auch Vorjahresfinalist Atlanta Falcons, die Seattle Seahawks und die New York Giants haben erweiterte Titelaspirationen. Im footballverrückten Texas gilt die Aufmerksamkeit den Dallas Cowboys, die dank Quarterback Dak Prescott und Running Back Ezekiel Elliott nicht nur zu den Favoriten, sondern auch zu den aufregendsten Mannschaften der Liga gehören.

Auch an der Westküste ist einiges in Bewegung: Nachdem im vergangenen Jahr bereits die Los Angeles Rams in die Metropole zurückkamen, kehren in diesem Jahr auch die Los Angeles Chargers an ihren Ursprungsort zurück. Und die Millionenmetropole hat plötzlich zwei Profi-Football-Teams.

Trotz aller Unwägbarkeiten ist eines sicher: Die NFL wird auch 2017 wieder ein Milliardengeschäft. Laut dem US-Sportwirtschaftsmagazin „SportsBusiness Journal“ rechnet die NFL, die schon vor Jahren die Baseball-Liga MLB als beliebtesten Zeitvertreib der Amerikaner abgelöst hat, mit einem Umsatz von 14 Milliarden Dollar (11,8 Milliarden Euro). Zum Vergleich: Die Bundesliga machte in der Saison 2015/16 etwa 3,24 Milliarden Euro Umsatz.

Auch neben dem Spielfeld bleibt es spannend. Der derzeit arbeitslose Quarterback Colin Kaepernick startete 2016 eine Protestaktion gegen die ungerechte Behandlung von Minderheiten, allen voran Afro-Amerikanern – in den USA und speziell im Football. Die vom früheren Quarterback der San Francisco 49ers ausgelöste Bewegung wächst (siehe dazu auch Text unten). Erst gestern äußerte sich Cam Newton, der Quarterback der Carolina Panthers, zu seinem Kollegen: „Ich denke wirklich, dass es unfair ist“, erklärte Newton auf der Panthers-Pressekonferenz mit Blick auf die Tatsache, dass Kaepernick zum Saisonstart noch ohne Team ist. „In meinen Augen ist Kaepernick absolut besser als einige aktuelle Starting-Quarterbacks in dieser Liga. Er sollte ohne Frage bei einem Team im Kader stehen, da gibt es keine Frage. Das ist meine Meinung. Er ist gut genug, um ein Starting-Quarterback zu sein.“

Wenig verheißungsvoll verlief die Vorbereitung auf die Saison für die Miami Dolphins. Der Hoffnungsträger, Quarterback Ryan Tannehill, zog sich im Tarining einen Riss jenes Kreuzbandes zu, das ihn schon im Vorjahr Probleme bereitete und Tannehill die Teilnahme an den Play-offs kostete. Kurzerhand holten sich die Dolphins mit Jay Cuttler einen Quarterback-Veteranen, der seine Karriere eigentlich schon beendet hatte und einen Vertrag als TV-Analyst unterzeichnet hatte.

Es wird sich zeigen, ob Cuttler, der in Denver und Chicago seinen Erwartungen niemals gerecht werden konnte, in Miami endlich zu einem großen Quarterback wird. Eines spricht dafür: Mit Dolphins-Trainer Adam Gase ist Cuttler nun mit dem Mann wiedervereint, mit dem er 2015 als Quarterback-Coach bei den Chicago Bears sein bestes Jahr erlebte. An diesem Wochenende werden sich Cuttler und Gase jedoch noch nicht beweisen können. Wegen des Hurrikanes „Irma“, der in den nächsten Tag wohl Florida erreichen wird, wurde das Spiel der Fins gegen die Buccaneers auf den 19. November verschoben. Ab 2.10 Uhr in dieser Nacht zeigt ProSieben das Duell New England Patriots - Kansas City Chiefs live im TV und Live-Stream auf ran.de.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert