Aachen - Alemannias Straub und seine Bayern-Bilanz

Alemannias Straub und seine Bayern-Bilanz

Von: Klaus Schmidt
Letzte Aktualisierung:
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Zugeschnappt: Stephan Straub fängt den Ball vor Münchens Bastian Schweinsteiger. Eine Szene aus dem Bundesligaspiel in der Saison 2006/07 auf dem Tivoli. Foto: imago/Sven Simon

Aachen. In dieser Fußballer-Karriere ist eine Bilanz versteckt, wie sie wohl nicht viele vorweisen können, und man erinnert sich jetzt daran, weil der große FC Bayern mal wieder vorbeischaut. Stephan Straub wird auch am Sonntag (13.30 Uhr) dabei sein auf dem natürlich ausverkauften Tivoli, der bald 42-Jährige ist inzwischen Torwarttrainer bei Alemannia Aachen.

 Die Zeiten haben sich auch deshalb geändert, weil der Rekordmeister von keiner Auslosung und keinem Spielplan an die Krefelder Straße delegiert wird, die Bayern kommen zum „Rettungsspiel“ für den Pleiteklub. Und Straub wird mit den großen Zeiten in Schwarz-Gelb konfrontiert: Der ehemalige Keeper gewann innerhalb von drei Jahren drei Mal gegen Deutschlands Parade-Verein.

„Natürlich sprechen mich die Leute in diesen Tagen oft darauf an“, sagt Straub. Und dann weist er die Leute darauf hin, dass er in seiner gesamten Laufbahn überhaupt nur drei Mal gegen die Bayern gespielt hat. „Mir wäre es lieber gewesen, ich hätte 20 Mal gegen sie gespielt und nur drei Mal gewonnen. Aber das hätte bedeutet, dass ich ein Jahrzehnt in der Bundesliga verbracht hätte.“

Sei’s drum, die „tollen Erinnerungen an tolle Spiele“ trübt das nicht. Am 4. Februar 2004 warf Alemannia den haushohen Favoriten mit 2:1 im Viertelfinale aus dem DFB-Pokal, mit diesem „Sonntagsschuss von Stefan Blank und der komischen Flugbahn des Balls“, dem Siegtreffer durch Erik Meijer, der sich anschließend das Trikot über den Kopf zog.

Der verschobene Trikot-Tausch

„Das sind Dinge, die behältst du immer in deinem Kopf“, sagt Straub. „Als Underdog hast du gegen die Bayern nur dann eine Chance, wenn sie keinen guten Tag erwischen oder man selbst dafür sorgt, dass sie keinen guten Tag haben.“ Aggressivität und Laufstärke, ein proppevolles Stadion und grandiose Stimmung, „es muss schon viel zusammenkommen, an so einem Tag muss alles passen“. An Überheblichkeit bei Michael Ballack & Co. mag Straub bis heute nicht glauben. „Vielleicht geht ein Einzelner etwas lasch ins Spiel. Aber dass da elf Mann auf den Platz gehen und denken, die schlagen wir mit links, das kann ich mir nicht vorstellen.“ Im Trubel nach der Sensation scheiterte der mit Oliver Kahn vereinbarte Trikot-Tausch, „er hat es mir später mit der Post schicken lassen“.

Es kam noch besser gegen die Bayern. Am 20. Dezember 2006, im Pokal-Achtelfinale, führte Ale- mannia zur Halbzeit sage und schreibe mit 3:0. „Zwei Mal Reghecampf, darunter ein toller Freistoß, und Ebbers“, Stephan Straub hat die Szenen auch heute noch präsent. „Wir kamen in die Kabine und haben uns gefragt: Was ist denn hier los? Und gleich gesagt: Das ist noch nicht gegessen, wir müssen hellwach sein. Das wird noch ganz ganz schwierig.“ So kam es, Podolski und van Bommel brachten die Bayern wieder heran. „Du zitterst, es kommt der Druck. Aber dann startete Jan Schlaudraff sein Solo“ – 4:2 in der Schlussminute, die Erlösung.

Straubs Münchner Trilogie endet keine zwei Monate später, am 17. Februar 2007, als man sich fragte, warum die Bayern überhaupt noch nach Aachen anreisten. „Alexander Klitzpera hat den Ball schon früh reingestochert“, das Bild von diesem Tor hängt im neuen Tivoli. Dieser Erfolg in der Bundesliga war für Straub auch deshalb ein besonderer, „weil ich zum ersten Mal zu Null gegen die Bayern gespielt hatte“. Am Saisonende war Alemannia Aachen dennoch abgestiegen.

„Rausgehen und genießen!“

Dass die Stars von der Säbener Straße nun am Sonntag auflaufen, um einen Beitrag zur Rettung des Drittligisten zu leisten, „muss man dem FC Bayern – auch wenn man ihn nicht mag – hoch anrechnen“. Seinen Erben im Alemannia-Trikot gibt Stephan Straub noch Folgendes mit auf den Weg: „Respekt ja, aber nicht in die Hosen machen. Auf die eigene Stärke besinnen. Rausgehen und genießen!“

Wer will mit auf die Bank oder Anstoß vollziehen?

Einen Platz neben René van Eck 90 Minuten auf der Ersatzbank? Mit dem FC Bayern und Alemannia einlaufen und den Anstoß vollziehen? Die Hausherren haben sich etwas einfallen lassen, um beim Rettungsspiel noch etwas die Kasse zu füllen. Drei Fans gibt der Verein die Möglichkeit, nicht nur dabei, sondern sogar mittendrin zu sein.

Auf der Auktions-Plattform von ebay.de (Stichwort Alemannia Aachen Bankplatz bzw. Einlauf) können Interessenten noch bis heute 17 Uhr für die Aktionen mitsteigern. Für den Bankplatz waren bei Redaktionsschluss 1960 Euro geboten, für die beiden Fans, die mit einlaufen und anstoßen, ehe sie sich auf ihre Sitzplätze begeben, gab es Höchstgebote von 530 und 605 Euro.

Fans können Aachen ab sofort per Anruf unter der Nummer 0900 3200206 oder per SMS mit dem Text „AAC“ an die 31000 unterstützen. Der Klub erhält für jeden Anruf fünf, für jede SMS 4,99 Euro vom Absender.

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