Alemannia vor Abschluss mit großem Vermarkter

Von: Klaus Schmidt
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Noch gut gelaunt: Alemannia Aachens Trainer René van Eck in Erfurt um 18.50 Uhr vor der 1:3-Niederlage. Foto: imago/Hessland/Heyder
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Und Aachens Trainer René van Eck in Erfurt um 20.50 Uhr. Bei der Alemannia geht es jetzt um Stolz und Ehre. Foto: imago/Hessland/Heyder

Erfurt/Aachen. Tapfer stellten sich Tim Krumpen und Sascha Marquet den aktuellen Fragen. Der Torhüter und der Mittelfeldspieler sprachen von einem „Drecksspiel“ und berichteten, dass es zur Halbzeit in der Kabine – kaum überraschend – laut geworden war. René van Eck, der Cheftrainer, fuhr aus der Haut.

„Wenn Ihr Euch abschlachten lasst, dann fahren wir nach Hause, und Ihr lauft, bis es hell wird.“ Das konnte die Mannschaft dann noch verhindern, sie lief nach der Rückkehr nur eine Stunde. Doch man nennt es wohl das Rufen im Walde, wenn Krumpen und Marquet nach Alemannia Aachens 1:3 bei Rot-Weiß Erfurt (dem achten sieglosen Spiel in Folge) eine Diktion bemühten, die sich immer weiter von der bitteren Wahrheit entfernt. „Nicht aufgeben“, „alles dafür geben, da unten rauszukommen“, „Wunder gibt es immer wieder“.

Nimmt man die Tordifferenz hinzu, müsste Alemannia in den letzten fünf Spielen sechs Punkte Rückstand wettmachen. „Wenn alle einen Top-Tag haben und in die gleiche Richtung laufen, dann funktioniert das mit dieser Mannschaft“, sagt van Eck. Die erste Halbzeit in Erfurt sei allerdings „Verarschung gewesen, schließlich hat fast dieselbe Mannschaft es in der zweiten Halbzeit besser gemacht“.

Niederlagen akzeptiert der Coach, so lange wenigstens „gelaufen und gekämpft wird“, das habe nichts mit dem Alter oder Unerfahrenheit zu tun. Auf den Baum steigt die Sportliche Leitung, wenn Spieler „große Ansprüche stellen, auf dem Platz aber nichts zurückgeben“, wie Manager Uwe Scherr sagt. Profis wie Marcel Heller (gegen Rostock) oder Timmy Thiele jetzt in Erfurt.

Die Kunde von der Lizenzerteilung für die nächste Drittliga-Saison – die vielleicht einen erhöhten Druck hätte erklären können - war nicht bis zur Mannschaft vorgedrungen. Und selbst wenn das sportliche Wunder noch eintreten sollte, kann Alemannia nach derzeitigem Stand nichts mit dem Schein anfangen. Sprecher Holger Voskuhl: „Wir müssten uns mit dem DFB in Sachen Insolvenzordnung einigen. Im Moment wird für die Lizenz vorausgesetzt, dass ein Verein nicht in die Insolvenz geht. Das ist aber realistisch kaum zu verhindern.“ Weder sei der große Geldgeber in Sicht, der alle Ansprüche bedient, noch eine reelle Quote denkbar, der alle Gläubiger zustimmen würden.

Den Wirtschaftsplan für die 3. Liga hat der DFB unter Auflagen genehmigt, auch weil Aachen kurz vor dem Abschluss mit einem großen Vermarkter steht. Nach Informationen unserer Zeitung fällt die Entscheidung zwischen Infront und Sportfive, die beide auch in der Regionalliga an Bord gehen würden.

René van Eck zieht offiziell noch keinen Strich unter die Saison. Die letzten fünf Spiele „haben auch was mit Stolz zu tun“. Uwe Scherr mahnt eindringlich: „Wenn die Spieler ein Fünkchen Ehre haben, dann werden sie es nicht wagen, am Freitag in Wiesbaden noch einmal so einen Auftritt hinzulegen.“ Von den rechnerischen Möglichkeiten einer wundersamen Aufholjagd spricht der Manager nicht. „Wir müssen alle der Realität ins Auge schauen.“ Der 4. Liga. Erstmals in 113 Jahren schwarz-gelber Geschichte.

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