Aachen - Alemannia verpatzt die Generalprobe

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Alemannia verpatzt die Generalprobe

Von: Christoph Pauli
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Erst nach der Halbzeit drehten die Kaiserstädter auf und spielten den Absteiger an die Wand. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Das letzte Projekt in dieser Meisterschaft scheiterte zwei Minuten vor dem Saisonende. Alemannia kassierte töricht noch das 2:2 gegen Westfalia Ryhnern und setzt die trostlosen Wochen fort. Wenn es denn darum ging, mit einem Erfolgserlebnis in das Pokalfinale am Pfingstmontag gegen den entthronten Meister Viktoria Köln zu ziehen, misslang der Vorsatz gründlich.

Eine Saison, die über lange Zeit unerwartet positiv verlaufen ist, bekommt auf der langen Zielgeraden einen bitteren Beigeschmack. Der späte Ausgleich gegen die abgestiegenen Gäste macht aus einem möglichen Tabellenvierten noch einen faktischen Tabellensechsten.

Fuat Kilic schloss die Saison dann doch eher unzufrieden ab. „Der ein oder andere hat bei mir den Eindruck erweckt, dass es ihm egal ist, ob wir Vierter oder Sechster werden“, resümierte Alemannias Trainer. Dieses Spiel bot noch einmal eine kompakte Zusammenfassung der letzten Wochen. „Die Mannschaft hat nach dem Uerdingen-Spiel einen Knacks bekommen, von dem sie sich nicht mehr erholt hat“, sagte Kilic.

Der 45-Jährige legte an diesem Spieltag in Vorgriff auf das Bonusspiel zunächst das Augenmerk auf eine stabile Grundordnung, auch wenn die Gäste bislang kaum furchterregend in fremden Stadien unterwegs waren. Vor lauter Vorsorge kam den Aachenern ein bisschen das Leben ab.

Maurice Pluntke verabschiedete sich mit seiner zwölften Gelben Karte vom Tivoli, die ihn zum Spitzenreiter in dieser Kategorie in der Regionalliga West macht. Mit der Sanktion war auch ein Freistoß verbunden, der in den Fünfmeterraum schwebte. In dieser Phase der Saison, in der viel Konzentration verloren gegangen ist, sind die Aachener anfällig in dieser Disziplin. Tim Neumann nutzte die Konfusion und verwandelte aus zehn Metern zum 0:1.

Mühelos schaukelte der Aufsteiger die Führung in die Pause. Alemannia fand keine Lücken in der Fünferkette, zu dosiert war das Tempo, zu hoch die Fehlerquote. Rhynerns Torwart Maximilian Eul jedenfalls hätte folgenlos seine Zeit bei der Familie im Gästeblock verbringen können. Die einzigen Schüsse von Winter (21.) und Mickels (22.) flogen weit vorbei, auch Junior Torunarigha war ohne Zielfernrohr unterwegs (25.). Die besseren Möglichkeiten hatten sogar die Gäste. Adrian Cieslak zielte nur knapp über das Gehäuse von Patrick Nettekoven, die Vorlage hatte Aachens fahriger Innenverteidiger Marcel Damaschek gegeben.

Kilics Pausenansprache war kurz. Der Trainer stellte auf eine Dreierkette um und wechselte mehr Elan ein, der in diesem Fall den Namen Arda Nebi trug. Der vor der Partie verabschiedete Flügelflitzer brachte neuen Schwung mit, die Partie wurde über lange Zeit einseitig. Junior Torunarigha scheiterte am Gästekeeper (50.). Die Aachener drehten die Partie, zwei Mal lieferte Nebi die Vorlage, zwei Mal schubste Mickels den Ball über die Linie zum 1:1 und 2:1. Die Blickrichtung blieb für die 4300 Zuschauer gleich. Erst drosch David Pütz den Ball übers Tor (55.), dann vergaben Torunarigha und Kühnel feinste Gelegenheiten.

„Minimale Chance nutzen“

„Das hat nichts mit System oder Taktik zu tun, da geht es um Entschlossenheit“, ärgerte sich Kilic. Die Mannschaft brachte sich leichtfertig durch eigene Fehler um die Belohnung. „Wir sind aus unerklärlichen Gründen in unser altes Schema zurückgefallen“, staunte auch Doppeltorschütze Mickels. Einmal noch verhinderte Nettekoven mit einer gewaltigen Parade ein Eigentor von Torunarigha (86.), aber nach dem nächsten Fehlpass war auch er machtlos. Mühelos vollendete Michael Wiese zum 2:2 (88.). „Wir haben sehr naiv eine bessere Tabellenplatzierung aus der Hand gegeben“, war Kilic jedenfalls bedient. Die Stimmung hat sich nicht wie angestrebt gedreht vor dem Pokalfinale. Eine Woche hat der Außenseiter nun Zeit, die letzten Spiele abzustreifen. „Wir wollen unsere minimale Chance nutzen“, sagte Kilic.

 

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