Alemannia und ein „peinlicher Auftritt“ gegen Schalke II

Von: Christoph Pauli
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Auf der Restwiese: Tobias Mohr (rechts) traf zwar, Aachen verlor dennoch 1:2. Foto: Jérôme Gras

Herne. Nach dem Spiel war der letzte Vorrat an guter Laune endgültig aufgebraucht. Alemannia verlor auch das dritte Spiel gegen ein Bundesliga-Nachwuchsteam. Dieses 1:2 bei Schalke II gehört zu den größeren Enttäuschungen der Saison, weil die Mannschaft keinen Lerneffekt erkennen lässt und sich mit so einem desolaten Vortrag angreifbar macht.

„Ich bin richtig enttäuscht“, machte Trainer Fuat Kilic keinen Hehl aus seiner Unzufriedenheit nach der ersten Auswärtsniederlage der Saison. „Wir haben zu viele Spieler mit zwei Gesichtern“, kündigte er personelle Wechsel an, nachdem sein Team in die langweilige Zone der Tabelle abgerutscht ist.

Nichts deutete in den ersten Minuten auf die nächste Pleite hin. Mit einem feinen Hackentrick spielte Philipp Gödde an der Mittellinie den Kollegen Mergim Fejzullahu frei. Der strebte aufs Tor zu, legte noch einmal quer für seinen nachgerückten Mittelstürmer, doch Gödde schepperte den Ball aus vier Metern an die Latte (5.). Unfassbar!

Das Team wähnte sich dennoch gut im Spiel, aber schon im Gegenzug wurde es belehrt. Tobias Haitz schlug nach einer harmlosen Linksflanke von Fabian Reese ein großes Luftloch. Der Innenverteidiger war das erste Opfer der Restwiese, auf die vermutlich nicht einmal eine Kuhherde freiwillig gewandert wäre. Mike Brömer schob mühelos zum 1:0 ein. Nach sechs Minuten lag der Matchplan in der Tonne.

Das Nachwuchsteam erteilte den Profis eine Lektion in Sachen Effektivität, denn auch der zweite Torschuss endete mit einer Stadiondurchsage. „Nach 13 Minuten erhöht Mike Brömer auf 2:0.“ Beim ersten Eckball war der 1,90-Meter-Stürmer schlicht ignoriert worden. Alemannia zeigte wieder die mysteriösen Funktionsstörungen.

„So kann es nicht weitergehen“

Das Team kassiert regelmäßig frühe Gegentore, und regelmäßig kollabiert das Betriebssystem. Fortan wurden die Bälle nur noch hoch und weit in Richtung gegnerische Hälfte gepöhlt. Selbst eine Abwehr von Schildkröten hätte sich problemlos formieren können. „Es ist schon frustrierend, dass wir uns so viel vornehmen und nichts davon umsetzen“, bilanzierte Kapitän Timo Staffeldt.

Kilic hatte eine andere taktische Variante gewählt. Dennis Dowidat sollte diesmal aus dem defensiven Mittelfeld heraus die Aachener Angriffe sortieren. Die Idee war gut am Reißbrett, auf dem Spielfeld ging der Mannschaft die Balance verloren. Zu groß waren die Abstände zwischen den einzelnen Reihen, in die die jungen, aggressiveren Knappen immer wieder genüsslich hineinstießen.

Pascal Nagel konnte immerhin das Projekt „Jeder-Schuss-ein-Treffer“ beenden. Aachens Torwart fing einen Versuch von Reese ab (16.), den Fernschuss von Marius Schley hob er spektakulär über die Latte (36.). „Wir haben lange Zeit von unserer Defensive gelebt, aber auch hier häufen sich die individuellen Missgeschicke“, ging Kilic seine Mängelliste durch. Das Spiel in die andere Richtung versprach auch keine Fortschritte. Die Gäste verhedderten sich regelmäßig im Abwehrgestrüpp, sie versuchten es viel zu umständlich, erwähnenswerte Abschlüsse waren eine Rarität.

„Was wir gespielt haben, war schlicht peinlich“, wütete Dominik Ernst nach Spielende. „Wir reden und reden, haben feste Vorgaben, die wir dann ignorieren.“ Kilic verzichtete auf drei Auswechslungen in der Pause. Die Mannschaft schaffte sogar überraschend den Anschlusstreffer. Nach einem Gödde-Versuch kam der Ball zu Tobias Mohr, der aus acht Metern vollendete. Für Schalke begann der erste Stresstest, Rüters Linksschuss zischte knapp am Winkel vorbei (58.).

Die Hausherren verlegten sich auf Konter. Meistens war (Ex-) Nationalspieler Sidney Sam zu schnell für die Sensen, die ihn aufhalten wollten. Aachens Torwart Nagel hielt sein Team mit einigen Paraden noch im Wettkampf. Die einzige Chance zum schmeichelhaften Remis vergab Philipp Gödde per Kopf (84.). Dann stand die nächste Niederlage fest. „So kann es nicht mehr weitergehen, denn so macht es keinen Spaß mehr“, fasste Ernst den tristen Nachmittag zusammen

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