Alemannia: Suche nach dem Nädelchen im Heuhaufen

Von: Christoph Pauli
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Tivoli
Der Insolvenzverwalter der Stadion GmbH sucht Investor. Realistischer ist ein Kompromiss mit den Gläubigern. Foto: dpa

Aachen. Immer noch sichtet Frank Kebekus Unterlagen. „Manches müssen wir uns mühsam zusammensuchen“, sagt der Fachanwalt. Der Düsseldorfer ist der gerichtlich bestellte Insolvenzverwalter von Alemannias Stadion GmbH. Kebekus interessiert sich nun von Amtswegen für Baugeschichte. Für die Baugeschichte des neuen Tivolis.

Schließlich gehört die zu groß geratene Arena und ihre mindestens ambitionierte Finanzierung zum Niedergang des Traditionsvereins. Immer noch tropft es im flammneuen Stadion an manchen Stellen, werden Risse hinter dem Putz und Schimmelflecken erkennbar. Juristisch abgesichert ist, dass mögliche Baumängel nicht Ende letzten Jahres verjährt waren. Ansprüche könnten weiter geltend gemacht werden beim Bauherren, der Hellmich Unternehmungsgruppe.

Aber sie müssten erst einmal erkannt und rechtskräftig abgesichert werden. „Bei vielen gibt es das falsche Verständnis, dass selbst berechtigte Ansprüche zu mehr Liquidität führen würden“, sagt der Jurist. Vielmehr müsse der Bauherr gegebenenfalls im Rahmen seiner Mängelbeseitigungspflicht nachbessern.

Das Insolvenzverfahren der Stadion GmbH wurde zum 1. Februar eröffnet. Insolvenzverwalter Frank Kebekus verfügt über kaum Masse, um die großen Gläubiger Stadt, Land und AachenMünchener zu befriedigen. Die Sport GmbH überweist monatlich etwa 50.000 Euro. Die Summe sei am „untersten Limit“, sagt Kebekus, um den Wert des ziemlich neuen Stadions zu erhalten.

An Kebekus ist es, ein Konzept, besser einen Kompromiss zu finden, der eine Perspektive bietet. „Wir müssen alles daran setzen, um einen Klub, der so lange schon durchhält, am Leben zu halten.“ Eine der Ideen, die derzeit intensiv unter den Vertragspartnern diskutiert werden, ist eine Miete, die sich an Umsätzen und Ligazugehörigkeit orientiert. Motto: Geht es Alemannia gut, sollen davon auch die Darlehensgeber profitieren. Kebekus hat viel Sympathie für diese Variante. Man müsse überlegen, ob man die eine oder andere Nutzung zulassen könne, überlegt er laut. Im Klartext: Könnte der Klub höhere Einnahmen zum Beispiel durch Konzerte generieren, würden auch die Geldgeber von höheren Umsätzen profitieren.

Nun ist das Verhältnis zwischen Stadt und Vorzeigeklub gerade aus gegebenem Anlass ziemlich angespannt, die Stadtväter fühlen sich getäuscht, haben Strafanzeige gestellt. Kebekus, der auch die Insolvenz von Rot-Weiß Essen begleitet hat, hofft auf Entspannung. „Wenn man die Emotionen runterfährt und eine Zeitlang die Vergangenheit weglässt, kann man eine Lösung finden, die im Sinne von Alemannia, aber auch im Sinne der Stadt ist.“

„Hausherr“ Kebekus redet in diesen Tagen auch mit möglichen Investoren, Leuten, die den Tivoli übernehmen könnten. Er sucht ein Nädelchen im Heuhaufen, jemanden, der sowohl in die Stadion- als auch in die Spiel-GmbH investieren würde. Der Insolvenzverwalter will keine Luftblasen produzieren, nichts ist konkret, es gilt das Prinzip Hoffnung. „In unserer Situation ist es schon einmal positiv, dass wir Gesprächstermine bekommen.“

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