Alemannia: Ein Verein auf der Suche nach Perspektiven

Von: Christoph Pauli
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Unklare Lage: Alemannias Manager Uwe Scherr. Foto: imago/Sportnah

Aachen. Kurz vor Mitternacht wurde die Besucherzahl des AachenCups noch auf 5107 Gäste korrigiert. Ein fünfstelliger finanzieller Erfolg war die Veranstaltung schon, auch dank vieler Sponsoren. Dennoch: Die Nachfrage war sehr überschaubar. Leverkusen und Düsseldorf brachten nur 28 Fans mit, der 20. März verkleidete sich als 20. Dezember, das sind alles Gründe für die schlappe Resonanz.

Aber erkennbar ist auch eine Müdigkeit des Publikums für die nächste, übernächste und überübernächste Rettungsaktion. „Die Spieler, Fans, Mitarbeiter und Sponsoren brauchen eine Perspektive. Ihnen muss zeitnah seriös erklärt werden, wie es weitergeht“, sagt Thomas Deutz. Der Kaufmann hat mit Manager Uwe Scherr das Turnier organisiert, er gehört zum Wirtschaftsbeirat, der sich in Zeiten größter Not gefunden hat.

Der Verein beschäftigt sich aus gegebenem Anlass gerade mit all seinen Kräften mit der Gegenwart, die Finanzierung bis zum Saisonende ist die große Überschrift, nachdem der Klub wuchtig an die Wand gefahren wurde. Unter solchen Sofortmaßnahmen am Unfallort leidet zwangsläufig die Planung der Zukunft. Wie und wo es mit dem insolventen Verein weitergeht, ist knappe zwei Monate vor Toresschluss ungeklärt. Es droht der dritte Abstieg innerhalb von sechs Jahren. „Wir müssen mit aller Energie versuchen, die Klasse zu halten“, sagt Uwe Scherr. In der Regionalliga drohe jahrelange Tristesse.

Auch der Manager hängt in der Luft, detaillierte Gespräche mit Spielern lassen sich nicht führen. Die beklemmende Situation hat aber auch ein paar positive Seiten. Spieler aus unteren Ligen beweisen plötzlich, dass sie in der 3. Liga mithalten können. Profis wie Mark Flekken locken bereits die Scouts von Bundesligisten an. „Ich kann vorfühlen bei den Jungens. Hier ist ja auch etwas entstanden in den letzten Monaten.“ Konkreter kann er nicht werden, auch seine Zukunft wäre in Aachen im Abstiegsfall ungeklärt. Scherr verknüpft sein Schicksal ein bisschen mit Thomas Deutz. „Es wäre wichtig, wenn er dabei bleiben würde. Er ist mein wichtigster Ansprechpartner.“

Aber wer stellt die Weichen? Wer organisiert zum Beispiel einen neuen Geschäftsführer? Michael Mönig mit seiner Entourage ist erklärtermaßen eine Interims-Lösung. Ein Rettungssanitäter, der bald seinen nächsten Notfalleinsatz haben wird. Ohnehin ist ungeklärt, wie lange sich der klamme Klub den teuersten Mitarbeiter leisten kann. Wann kommt sein Nachfolger, wer sucht ihn aus? Der (dezimierte) Aufsichtsrat, der die Personalie in normalen Zeiten entscheiden würde, ist durch das Insolvenzverfahren entmachtet.

Bis Mitte des Jahres muss eine Jahreshauptversammlung stattfinden, zeitnah müssen Einladungen verschickt werden. Eine Neuwahl des Präsidiums ist nach dem Rücktritt von Meino Heyen nicht zwingend, das vierköpfige Gremium bleibt handlungsfähig.

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