Alemannia: Der letzte Sprint nach vorn bringt den Sieg

Von: Helga Raue
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Die Erlösung im Geduldsspiel: Dominik Ernst (rechts) schiebt den Ball in der 90. Minute an SG-Keeper Tim Boss vorbei ins Tor. Foto: Gerd Krause

Wattenscheid. Vor Jahresfrist gab‘s zum Auftakt ein 3:1 bei Liga-Favorit Fortuna Köln. Und die Euphorie in Aachen wurde gleich überschwänglich. Euphorisch ging es nach den guten Testspielen – zuletzt das 1:1 gegen Bayer Leverkusen – nach Wattenscheid. Doch die Auftaktpartie holte alle sofort auf den Boden der Tatsachen zurück – auch wenn in der 90. Minute der Aachener Regionalligist doch jubeln durfte.

Dominik Ernst schoss das Team von Peter Schubert mit letzter Kraft zum Auftaktsieg.

„Den haben wir uns sehr hart erarbeitet“, stellte Aachens Kapitän Aimen Demai fest. Und Schubert griff tief in die Kiste der Fußballweisheiten: „Das Glück ist mit dem Tüchtigen.“ Vom Glücksvorrat 14/15 hat Alemannia schon eine gewaltige Portion verbraucht. „So ein 1:0 ist mit lieber als das 3:1 letztes Jahr – da bleiben alle realistisch. Wir haben noch viel Arbeit vor uns“, blieb Aachens Cheftrainer wie immer auf dem Boden.

Sein Team dominierte die ersten 15 Minuten, kombinierte gefällig, zwang dem Gegner sein Spiel auf, doch am Sechzehner war stets Schluss. Die SG, mit einer komplett neuen Mannschaft auf dem Platz, suchte ihr Heil in langen Bällen. Vorne wartete der blitzschnelle Jules Schwadorf, erst am Donnerstag von 1899 Hoffenheim II ins Ruhrgebiet gekommen. Und der zwang Aachens Keeper Frederic Löhe in Neuer-Manier an die Strafraumgrenze, doch erst Marcus Hoffmann konnte Schwadorf vor der Linie stoppen (15.). „Danach haben wir uns auf einmal zurückgezogen“, musste Schubert mitansehen. „Wir haben plötzlich viel zu brav, zu vorsichtig agiert.“

Auf einmal drängte Wattenscheid. Einen Freistoß von Burak Kaplan aus 25 Metern wehrte Löhe mit einer tollen Reaktion ab (18.). Eren Taskin (20.), ebenfalls erst am Donnerstag verpflichtet, prüfte Löhe, nachdem zuvor Schwadorf Jannik Stevens und Marcus Hoffmann „vernascht“ hatte. Den Nachschuss setzte Khalil Mohammad an die Latte. Auf der Gegenseite kam Domagoj Duspara (38.) nach Lejan-Flanke einen halben Schritt zu spät, Garcia (38.), der insgesamt wenig Bindung zum Spiel fand, schoss den Ball Tim Boss in die Arme. Und Ernst (45.+1) zwang den SG-Keeper zu einer Faustabwehr. „In der Schlussphase der ersten Hälfte haben wir langsam wieder mehr Spielkontrolle bekommen“, so Schubert.

Geduld haben – hatte Aachens Coach seinen Mannen mit auf den Weg gegeben. Ansehnlich war das nicht immer, doch zunehmend bekamen die Gäste die Partie unter Kontrolle, hatten so Möglichkeiten durch Garcia (63.), der aus der Drehung über das Gehäuse schoss. Gefährlicher war Wattenscheid: Erneut tankte sich Schwadorf durch und bediente via Kaplan den freistehenden Fatium Zaskoku, der Löhe zu einer starken Parade zwang. Als Khalil Mohammad (74.) Gelb-Rot sah, fand Aachen mehr Raum. Die bessere Physis setzte sich durch: Fabian Graudenz (76.) kam noch einen Schritt zu spät, Sahin Dagistan (85.) bekam nicht genug Druck auf den Ball – und dann kam Ernst (90.).

„Ich war mit der Kraft schon am Ende, das war ein letzter Sprint nach vorne“, strahlte der 22-Jährige, der viele Spurts gemacht hatte. „Ich wollte schon abspielen, doch dann machte der Innenverteidiger einen Schritt nach innen, und ich sah die Lücke.“ Ein Tor, das gelingt dem rechten Verteidiger nicht alle Tage. „Ich bin eher ein Vorlagengeber, aber im ersten Spiel für Alemannia zu treffen, ist geil.“ Die letzte SG-Chance – ein Fernschuss aus 25 Metern von Güngör Kaya (82.) – war zuvor wieder an der Latte gelandet.

„Wir waren nicht so aggressiv und giftig wie in der Vorbereitung, sind nicht so in die Zweikämpfe gegangen“, bemängelte Schubert und lobte, „wir sind nicht hektisch geworden, sondern haben versucht, alles spielerisch zu lösen. Wir waren sehr geduldig – und sind dafür belohnt worden.“

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