Aachen - Alemannia betreibt überzeugende Werbung in eigener Sache

Alemannia betreibt überzeugende Werbung in eigener Sache

Von: Christoph Pauli
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Mutig gegen die rote Übermacht: Timmy Thiele nimmt es mit gleich vier berühmten Spielern auf. Foto: Andreas Steindl

Aachen. Wie groß dieser Klub ist, spürt man in den kleinen Momenten. Der FC Bayern hatte ein Treffen eines kranken Jungen mit seinem Idol Manuel Neuer organisiert. Die Begegnung fand jenseits der Öffentlichkeit, jenseits des Trubels statt, der immer ausbricht, wenn der größte deutsche Verein unterwegs ist. Manchmal wirkt der Klub auch im Verborgenen, das Benefizspiel am Tivoli fand natürlich hoch öffentlich statt. 5:2 siegten die Münchner, die natürlich nicht ihre erste, aber immer noch eine erstklassige Elf aufs vereiste Spielfeld schickten.

Mehr als 500.000 Euro saugt der insolvente Klub aus diesem „Retterspiel“. Gerettet ist Alemannia damit noch nicht, aber die alte Dame bekommt dank solcher Großzügigkeit wieder eine Perspektive. „Man muss alle Hüte ziehen, die es in Aachen gibt. Die Hilfe ist einfach großartig, so etwas ist in Deutschland ohne Beispiel“, bedankte sich Uwe Scherr am Ende des Tages. Es war bereits das dritte Retterspiel (nach 1974 und 1999) der Münchner im Laufe der Jahre in Aachen, und mit großem Abstand das kühlste.

Das Ergebnis war nicht sonderlich überraschend, die Nachricht des Tages war der couragierte Auftritt der Aachener. Die Mannschaft ist aus finanziellen Gründen im Zwangs-Umbruch, ihr droht der sportliche Abstieg, aber sie wehrt sich prächtig. Das Team machte vor einem Millionen-Publikum eindrucksvoll Werbung in eigener Sache.

Mario Gomez hätte die Gäste schon nach vier Minuten in Führung bringen müssen, die Dinge entwickelten sich wie erwartet. Oder doch nicht? „Geht raus und zeigt euch, stellt euch ins Schaufenster, wehrt euch“, hatte René van Eck seiner stündlich jünger werdenden Mannschaft mit auf dem Weg gegeben. Timmy Thiele zwang Bayern-Keeper Tom Starke schon nach fünf Minuten zu einer Fußabwehr. Die Aachener versteckten sich nicht – im Gegensatz zu den Fürthern am Vortag. Leipertz gab Thiele den Laufpass, der Angreifer überlistete freistehend Starke nach 14 Minuten zum 1:0. Für ein paar Minuten lag eine Sensation in der Luft in diesem Freundschaftsspiel. Thiele hätte nach einem Rückpass des agilen Kefkir an der Schlagzeile weiter feilen können (20.).

Die ballsicheren Bayern suchten sich eine Lücke, Gomez traf platziert aus 16 Metern zum 1:1 (28.). 31 600 Zuschauer am dann doch nicht ausverkauften Tivoli staunten, die Aachener waren nicht als Autogrammjäger aufs Spielfeld gekommen. Leipertz und Kefkir vergaben innerhalb von drei Sekunden die erneute Führung (31.). Die sicherten sich die Bayern dann doch zur Pause, Boateng köpfte aus zwei Metern eine Contento-Flanke ein (41.). „Das hat mir gut gefallen, was die Aachener in der ersten Halbzeit gespielt haben“, urteilte Bayerns Manager Matthias Sammer, der eine überdimensionierte Aachener Printe später im Flieger ab Maas-tricht verstauen musste.

Vermutlich wurde seine Laune nicht besser, denn nach 56 Minuten fiel sogar der Ausgleich. Es war eine Kombination der noch Unentschlossenen. Heller flankte auf Schwertfeger, der Kapitän drosch den Ball humorlos ins Netz. Bei Heller zeichnet sich die Unterschrift ab, Schwertfeger wird zur Hängepartie. „Stand heute ist, ich bin noch hier“, sagt der defensive Mittelfeldspieler. Fakten sind noch nicht geschaffen. Florian Müller hätte fast das 3:2 erzielt, aber dann redeten die Bayern doch noch Tacheles.

Arjen Robben erzielte nach etlichen vergebenen Chancen zwei prächtige Treffer (74./77), Gomez krönte eine schnelle Stafette mit dem 2:5 (79.). Alemannia verliert das letzte Testspiel vor dem Ligastart und fühlt sich doch etwas unerwartet als Sieger, auch wenn der freundschaftliche Charakter jederzeit dominierte. „Wer gegen eine so große Mannschaft wie die Bayern klarkommt, braucht sich nicht vor dem Alltag in der 3. Liga zu fürchten“, war René van Eck zufrieden.

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