Alemannia auf dem Weg zur neuen Heimstärke

Von: Christoph Pauli
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Es gibt was zu feiern: Dennis Dowidat (unten) nimmt zufrieden die Glückwünsche der Kollegen Garcia, Ahrens, Marquet und Lejan (von links) zu seinem Siegtreffer entgegen. Foto: Martin Ratajczak

Aachen. Eine Viertelstunde nach Spielende hatte Peter Schubert eine Besprechung angesetzt. Alemannias Trainer bevorzugt diesen Zeitpunkt, weil dann die Eindrücke der vorangegangenen 90 Minuten noch frisch sind. An Themen mangelte es dem 47-Jährigen nicht nach dem hochverdienten 2:1-Erfolg über Köln II.

Die Mannschaft hatte sich aus einer misslichen Lage befreit, sie war ruhig geblieben, hatte erstmals in dieser Saison eine Partie gedreht. Aber sie hatte diesen Sieg nicht souverän eingefahren, sie baute in Überzahl in den letzten Minuten einen heftigen Wackelkontakt in die Defensive ein. Sie kam dennoch nicht mehr in große Gefahr, zu harmlos waren die Gäste fast 90 Minuten unterwegs, auch wenn ihr Trainer Stephan Engels später mit der (pädagogischen) Nachricht überraschte: „Wir haben uns hier sehr gut verkauft, meine Mannschaft hatte eine Top-Einstellung.“

Peter Schubert hatte die Mannschaft wie erwartet neu geordnet. Für die gesperrten Hackenberg und Krasniqi rückten Lünenbach und Yoshihara ins Team, auch Sangare kehrte zurück. Die Mannschaft spielte mit viel Elan auf die große Fanwand. Aber sie war nicht sonderlich kreativ. Im letzten Drittel war die Fehlerquote zu hoch. „Wir sind ja ohnehin ein zusammengewürfelter Haufen“, grinste Dowidat nach Spielende. „Da machen sich Umstellungen sofort bemerkbar.“ Im Spielaufbau knirschte es eine Halbzeit lang. Sangare war zu schnörkelhaft, Yoshihara zu körperlos und Garcia zu unentschlossen unterwegs.

Aachens Torhüter Frederic Löhe sah das Spiel nur aus der Ferne, ein paar Rückpässe schauten vorbei, ansonsten drohte er zu vereinsamen, nur ein Kopfball von Marco Ban strich über sein Tor (29.). Die Alarmglocke wurde erst nach 33 Minuten geläutet, als die kleinen Geißböcke einen Freistoß knapp hinter der Mittellinie zugesprochen bekamen.

Besonders gefährlich war die Distanz nicht, aber bei ruhenden Bällen sind die Aachener ausgesprochen anfällig in dieser frühen Saisonphase. Die Flanke schwebte herein, und Jannis Nikolaou köpfte unbehelligt zum 0:1 ein. Wie schon am Wochenbeginn in Lippstadt hatte Kris Thackray die Orientierung verloren. Das ist eher ungewöhnlich bei seiner Biographie, denn vermutlich hat der Brite schon in seinem Kindergarten in Newcastle Kopfballtraining üben können. „Standardbälle gehören zu der Disziplin, an der wir noch sehr intensiv arbeiten müssen“, steckte Schubert den Stundenplan für die nächsten Wochen ab. 75 Prozent der vier Gegentore hat der Absteiger nach ruhenden Bällen „fressen“ müssen.

Aachen schüttelte sich, inzwischen hat das Team Zutrauen in die eigene Offensivstärke gewonnen. Die Mannschaft blieb unaufgeregt und konzentriert. Schubert gelang der entscheidende Schachzug. Er tauschte Yoshihara gegen Ahrens (53.) – Aachens Spiel bekam mehr Tempo und Tiefe. Der breitschultrige Linksaußen tankte sich durch, seinen Rückpass verwandelte Dowidat mühelos aus sechs Metern (55.).

In der nächsten Aktion sprintete Ahrens seinem Gegenspieler Koray Kacinoglu davon, der Verteidiger reparierte seinen Stellungsfehler mit einem Foul – Köln musste nach dem Platzverweis (58.) die Partie zu Zehnt beenden. Der überragende Marquet steckte durch, und Dowidat vollendete mit einem trockenen Flachschuss aus 15 Metern zum 2:1. Bis zur 66. Minute hatte Aachen die Partie eindrucksvoll gedreht. Die Mannschaft hätte die Führung kontinuierlich ausbauen können, doch Sangare (68.), Dowidat (77.), Ahrens (87.) oder Moslehe (92.) scheiterten. Sie nutzten ihre De-Luxe-Chancen nicht, so dass sich Aachen eher ins Ziel rettete. „Wir müssen es am Ende geduldiger ausspielen“, urteilte nicht nur Matchwinner Dowidat. Ohne jeden Anflug von Überheblichkeit sagte der Regionalliga-Kenner aber auch nach dem guten Saisonstart: „Wir müssen uns vor keiner Mannschaft der Liga verstecken.“

Die junge Mannschaft ist wieder einen Schritt vorangekommen in ihrem Projekt „Heimstärke“. Die ist nämlich vor Jahren beim Umzug in das neue Stadion auf der Strecke geblieben. Diesmal beobachteten 7500 Zuschauer – darunter erkennbar acht Kölner – wie sich das Team entwickelt.

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