Alemannia Aachen ist „keine Durchlaufstation“

Von: Klaus Schmidt
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Neue Nummer 1: Auf Frederic Löhe wartet in Lippstadt vermutlich viel Arbeit. Foto: W. Birkenstock

Aachen. Schon im ersten Pflichtspiel lernte insbesondere Michael Lejan die neue Nummer 1 richtig kennen. Gefahr war in Verzug, der Ball hätte gefährlich werden können, doch bevor Fortuna Köln damit etwas anstellen durfte, bezog Frederic Löhe gleich mal Position mit der Faust – und streckte nebenbei den Mannschaftskollegen nieder.

„Voll erwischt – mit meinem Knie, dem Ellbogen, dem Kopf. Aber da konnte ich keine Rücksicht nehmen.“ Lejan trug eine kleine Platzwunde davon und Alemannia Aachen ein 3:1 zum Regionalliga-Start.

Im zweiten Spiel gegen den SC Verl hielt Löhe seinen Kasten sogar sauber, 70 Minuten lang war er nicht gefordert, aber da, als es zwei Mal brenzlig wurde. „Dass wir so gut starten“, sagt der Torhüter, „das haben wir sicher nicht erwartet. Aber man darf das auch nicht überbewerten.“ Da müssten schon noch „34 Punkte hinzukommen, damit wir mit dem Abstieg nichts zu tun haben“.

„Freddi“ Löhe hatte persönlich ein gutes letztes Jahr und eine solide Serie gespielt, der SV Babelsberg konnte die 3. Liga aber nicht halten. Angebote aus höherklassigen deutschen und ausländischen Klassen trudelten ein, dennoch entschied sich der 1,93 Meter große Keeper für einen insolventen Viertligisten. „Erst mal schon ein doofes Gefühl, in die Regionalliga zu gehen.“ Doch als Dennis Dowidat – man kennt sich aus gemeinsamen Mönchengladbacher Zeiten – anrief und fragte „Hast Du schon was? Ich bin gerade in guten Gesprächen mit Aachen“, beschäftigte sich Löhe, gerade mit Freundin auf Mallorca, mit dem Gedanken Alemannia. Und gab Aachen nach einer Woche Bedenkzeit den Zuschlag. Aus zwei Gründen: „Wegen Trainer Peter Schubert, der mir seine Philosophie vom Neuaufbau aufgezeigt hat. Und der Name Alemannia zieht nach wie vor, hat immer noch Kraft.“

Aus dem Fußballer Löhe wurde erst mit 14 Jahren ein Schlussmann. Der Stammtorhüter hatte sich verletzt, der Ersatz war relativ klein, „da fragte mich der Trainer, ob ich schon mal im Tor gestanden hätte“. Bis dahin manchmal aus Spaß, jetzt aber war Ernst, Finale im D-Jugend-Kreispokal mit dem FV Wiehl, Elfmeterschießen. Den ersten Elfer verwandelte Löhe, dann parierte er drei und war der Held. Wenig später folgte eine Einladung zum Mittelrhein-Lehrgang mit dem Hinweis „Handschuhe nicht vergessen“.

In einem „schleichenden Prozess“ verabschiedete sich Löhe aus dem Feld, wechselte in die C-Jugend des 1. FC Köln und 2004 zu Borussia Mönchengladbach, geholt von Torwarttrainer Uwe Kamps. „Mein Zieh-Papa“, und als sich Uwe Gospodarek verletzte, kam der gebürtige Engelskirchener im Oktober 2008 zu seinem Bundesliga-Debüt. Ein einmaliges und denkwürdiges Erlebnis beim 0:3 in Wolfsburg mit zwei Elfmetern (einem selbst verschuldeten) und einem Gegentor nach Ecke.

„Ich bin Gladbach dankbar für die Ausbildung“, sagt Löhe, der 86 Mal bei der „Zweiten“ zwischen den Pfosten stand. „Aber vor 200 Leuten aufzulaufen, dafür spiele ich nicht Fußball.“ Borussia lieh ihn vor drei Jahren an den damaligen Drittligisten SV Sandhausen aus, vor einem Jahr verpflichtete ihn Babelsberg. Und nun Aachen: „Was die Fans hier anstellen, das hat meine Erwartungen übertroffen. Das ist geil. Gegen Verl hatte ich wirklich Gänsehaut.“

Frederic Löhe hält es mit dem Spruch „manchmal muss man einen Schritt zurückgehen, um zwei Schritte nach vorne zu machen“. Er sei aber kein Typ, der sagt: „Ich spiele zwar jetzt Regionalliga, doch in drei Jahren will ich Bundesliga spielen. Das ist utopisch.“ Alemannia Aachen – „keine Durchlaufstation, sonst hätte ich nur für ein Jahr unterschrieben und nicht für zwei plus Option bei Aufstieg“. Er liebt klare Ansagen, auch sich selbst gegenüber. „Mit meiner Größe müsste ich noch mehr Flanken abfangen.“

Für Überraschungen sorgen, „frühzeitig nichts mit dem Abstieg zu tun haben, aber den Gedanken, direkt wieder aufzusteigen, den hat bei uns keiner. Auch wenn Alemannia nicht in die Regionalliga gehört.“ Freddi Löhe sieht seine Mannschaft eher in der Kategorie des Gegners SV Lippstadt, der Aufsteiger sei „ein direkter Konkurrent“. Um 18.30 Uhr wird angepfiffen im Stadion Am Waldschlösschen. „Hoffentlich gibt’s drei Punkte“, sagt Löhe. „Das wäre ein schönes Geschenk.“ Am Tag, an dem er 25 Jahre alt wird.

Mögliche Aufstellung: Löhe - Schumacher, Thackray, Lünenbach, Lejan - Sangare, Marquet, Neppe, Dowidat - Krasniqi, Garcia

Schiedsrichter: Fabian Maibaum (Hagen)

Bilanz: noch kein Spiel gegen Lippstadt

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