Aachener Tänzer sind Europameister

Von: Helga Raue
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Ein Team, das ganz fest zusammenhält: Mit strahlendem Selbstbewusstsein zaubert die Formation der FG Aachen/Düsseldorf bei der EM in Düren ein perfektes Finale aufs Parkett und kürt sich zum Europameister. Foto: Andreas Steindl

Düren. Die Sensation lag schon bei der ersten Wertung in der Luft: Nur ein Mal die Platzziffer eins gab es für den russischen Vize-Weltmeister Vera Tyumen, unverständlicherweise aber zwei Mal die Ziffer fünf.

In der Halle begann es zu brodeln, denn auch Weltmeister Grün-Gold-Club Bremen erhielt nicht die Majorität der ersten Plätze, drei Richter sahen das Team von Roberto Albanese vorne – einer aber nur auf Rang vier.

Als die Wertung für die FG Tanzsportzentrum Aachen/TD TSC Düsseldorf Rot-Weiß hochging, schien jeder einen Moment den Atem anzuhalten. Ebenfalls keine Majorität, ebenfalls drei Mal die Platzziffer eins – zudem Zweien und Dreien und keine Vier! Vor lauter Adrenalin fiel das Kopfrechnen schwer, die Sekunde dauerte gefühlt Minuten – dann wurde aus der Arena Kreis Düren ein Tollhaus: Die FG Aachen/Düsseldorf ist neuer Europameister der Lateinformationen.

„Unglaublich, nach so vielen Jahren. Wir haben so viel Arbeit in die Choreographie gesteckt, heute sind wir belohnt worden”, jubelte Oliver Seefeldt, seit 2006 FG-Cheftrainer, mühsam mit den Tränen kämpfend. Die Gefühle überwältigten alle, Umarmungen, Schreie und Unmengen Tränen begleiteten die Jubelarie der Tänzer, während sich am Rande all‘ jene Menschen, die seit Wochen für die EM und das Team gearbeitet hatten, in den Armen lagen. 1998 hatten die Aachener Tänzer, damals unter dem Namen Schwarz-Gelb, bei der WM in Göteborg letztmals einen Titel geholt. Zuletzt war man drei Mal in Folge deutscher Vizemeister geworden, gewann 2011 EM- sowie 2011 und 2013 WM-Bronze. Und nun nach 16 Jahren wieder den ersten Titel!

„Ich hatte es schon vorher im Gefühl – auch weil wir schon im Training eine Coolness wie noch nie zuvor hatten. Ich habe gedacht, diesmal kann alles möglich sein“, sagte FG-Kapitän Torben Bölk jubelnd. „Wir haben unseren Heimvorteil wie vorhergesagt genutzt. Das ist einfach ein unglaublicher Tag für uns alle.“

Schon in der Vorrunde hatten die Zuschauer in der Arena gespürt, das heute der Tagwelcher sein könnte. Strahlend schön und selbstbewusst gingen die Aachener als Zweite der Vorrunde aufs Parkett und zeigten einen sehr guten Durchgang. Auch Weltmeister Bremen, sonst in der Vorrunde meist zurückhaltend, demonstrierte, dass er nichts anbrennen lassen wollte. Einzig die Russen tanzten schwächer als gewohnt, doch schon in der Zwischenrunde am Abend fanden sie zu alter Qualität.

Erneut sehr stark waren die FG und Bremen. Im Duell der drei Großen konnte der Rest des Feldes an diesem Tag nicht mitmischen, wenn auch die Wertungsrichter überraschend für „Abwechslung“ sorgten und beispielsweise eine Platzziffer zwei für den späteren Fünften HSV Zwölfaxing aus Österreich zogen, und drei von ihnen sogar das junge Vera-„Double“-Team, das später Vierter wurde, vor dem russischen Top-Team gesehen hatten.

Im Finale begeisterte Vera Tyumen mit seiner Choreographie „You” das Publikum, das die Russen anfeuerte. Und die, sonst eher sehr unterkühlt wirkend, lächelten schon beim Tanzen glücklich ins Publikum. Weltmeister Bremen tanzte seinen „Final Countdown” gut wie immer – doch es fehlte die Leidenschaft, mit der das Team bei der WM in Bremen begeistert hatte. Und genau diese zeigte das FG-Team bei seiner wunderschönen Choreographie „Persia – the new experience”.

Das waren Emotionen pur, aber noch viel mehr begeisterte das Selbstvertrauen, das die Tänzer auf dem Parkett ausstrahlten. So hatte man sie noch nie erlebt. Es wurde ein perfekter Durchgang, und das Team von den Zuschauern enthusiastisch gefeiert. Auch die Wertungsrichter waren beeindruckt – und Gold die gerechte Belohnung.

„Aachen/Düsseldorf, Bremen und wir tanzen auf Top-Niveau und absolut auf Augenhöhe, gegen diese beiden Top-Teams Dritter zu werden, ist zwar traurig für uns, aber keine Schande“, befand Russlands sonst so unzugänglicher Meistertrainer Aleksej Litvinov. „Ein Tiefpunkt für den Tanzsport sind allerdings die Platzziffern fünf für uns und die vier für Bremen.“ Das sahen auch die fairen Zuschauer so, die die Russen bei der Siegerehrung minutenlang feierten – und diese dem Publikum ergriffen mit Herzzeichen dankten.

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