Aachen - Aachener Basketballerin eine große Nummer in der Ersten Liga

Aachener Basketballerin eine große Nummer in der Ersten Liga

Von: Lukas Weinberger
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Eine junge Frau geht ihren Weg: Katharina Müller (in Rot) hat sich in der Bundesliga durchgesetzt, jetzt will sie auch A-Nationalspielerin werden. Foto: sport/Hartenfelser, Verein
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Das Ziel fest im Blick: Die Aachenerin Katharina Müller (in Rot) hat sich schon mit 20 Jahren fest in der Basketball-Bundesliga der Frauen etabliert, demnächst darf sie sich auch im A-Nationalteam beweisen. Foto: imago/Hartenfelser, Lukas Weinberger

Aachen. Es ist nicht schwierig, sich ihren Namen zu merken. Müller, Vorname Katharina. Ein Allerweltsname, einer ohne großen Wiedererkennungswert. Das ist aber sicher nicht der Grund, dass viele Menschen ihren Namen längst kennen, im Gegenteil: Katharina Müller, 20, hat sich – wie man doch zu sagen pflegt – einen Namen gemacht.

Die Basketballerin aus Aachen ist Stammspielerin beim Herner TC, mit ihrem Team feierte sie in der vergangenen Saison Platz 3 in der Bundesliga. Im Juli ging‘s dann auf dem Siegertreppchen noch zwei Plätze höher hinaus, Müller wurde mit der deutschen U 20-Nationalmannschaft im bulgarischen Sofia B-Europameisterin. Ja, man kann behaupten, dass die Flügelspielerin, die stattliche 1,81 Meter misst und in Herne die 4 auf dem Trikot trägt, längst eine große Nummer im deutschen Frauen-Basketball ist.

Der Weg dorthin war vorgezeichnet, Sport spielte in Katharina Müllers Leben schon früh eine Rolle. Mit Leichtathletik hat sie damals begonnen, sie war talentiert, doch das Dasein als Einzelkämpferin ließ sie schnell die Lust verlieren. „Das war einfach nichts für mich“, sagt Müller heute. Natürlich, mit der Leichtathletik aufzuhören, sei eine gute Entscheidung gewesen. Etwas anderes sollte her, ein Mannschaftssport. Nur eine Frage blieb offen: Welcher?

Initiative der Schwester

Dass Müller eine so gute Basketballerin geworden ist, hat sie zu einem gewissen Teil ihrer großen Schwester Susann zu verdanken. Die nämlich ging für die BG Aachen auf Korbjagd, „und dann hat sie mich einfach mal mit zum Training geschleppt“, sagt Katharina Müller. Und da war‘s schon passiert. Der damals Elfjährigen gefiel‘s gut beim Training, sehr sogar. Und Müller selbst und die anderen bemerkten schnell ihr Talent, sie war gut, sehr sogar. Die junge Basketballerin startete in der U 12, nach nur zwei Saisons fand sie sich im Kader der U 18 wieder und bot den viel älteren Spielerinnen dort mehr als Paroli. Ihr erster Trainer bei der BG, Oliver Ganschar, hatte das Potenzial Müllers früh erkannt, schickte sie Anfang 2007 zur Sichtung der NRW-Auswahl. Und – wen wundert‘s? – die Berufung folgte auf dem Fuße. Die nächste Sprosse auf der Karriereleiter erklomm Müller ein gutes Jahr später, im März 2008 wechselte sie aus Aachen zu den Köln 99ers. Dort spielte sie in der NRW-Liga, die damals höchste Nachwuchs-Spielklasse.

Und der Weg nach oben ging weiter, für die sprungkräftige Müller schienen kein Korb zu hoch zu hängen. Im Sommer 2009 spielte sie zunächst mit der U 16-Nationalmannschaft in Neapel um den Europameistertitel, danach wechselte sie zum damaligen Meister und Pokalsieger Saarlouis Royals in die Bundesliga. Sie war gerade 15, in ihrer neuen Heimat wohnte sie bei Gasteltern, sie wechselte vom Aachener Pius-Gymnasium aufs Max-Planck-Gymnasium in Saarlouis. Ein mutiger Schritt, den die Basketballerin nie bereut hat. „Ich würde wieder so entscheiden“, sagt sie heute. Natürlich, sie habe auch Heimweh gehabt, aber die meiste Zeit im Saarland sei „richtig cool“ gewesen. Und sie war sportlich erfolgreich: Müller, die in der Bundesliga und in Jugendteams spielte, wurde mit der U 17 und der U 19 Deutscher Meister. In der Elite-Liga fasste sie Fuß, etablierte sich, aus den U-Nationalteams war sie ohnehin nicht wegzudenken.

Nach drei Jahren beendete Müller das Kapitel Saarlouis – freiwillig. „Ich hatte mein Abi in der Tasche“, sagt Müller. „Und ich wusste nicht so recht, wohin mein Weg gehen soll.“ Sie wollte Medizin studieren, bekam aber keinen Studienplatz. Müller entschied sich schließlich, nach Amerika zu gehen. New Mexiko, ein großes College, natürlich mit Basketball-Team. Glücklich wurde sie nicht, nach ihrem Heimatbesuch an Weihnachten 2012 kehrte sie nicht in die USA zurück. „Irgendwie hat mir das nichts gebracht.“

Und nun? Müller heuerte beim Aachener Basketball-Oberligisten DJK Frankenberg an. Das, was wie ein Schrittfehler auf ihrem Karriereweg anmutet, war wohl überlegt. Sie wollte kürzer treten, sich vollends auf ihren beruflichen Werdegang konzentrieren, die Idee des Medizinstudiums war und ist nicht verworfen. Doch dann kam alles anders: Ihr Intermezzo in Aachen dauerte nur genau zwei Spiele, „dann hat‘s mich wieder gepackt.“ Der Herner TC machte ihr ein Angebot, der Bundesligist kämpfte da gerade um den Klassenerhalt, und Müller sagte zu. „Der Ehrgeiz war sofort wieder da.“ In einer extrem schwierigen Saison rettete sich Herne erst mit einem furiosen Endspurt vor dem Abstieg. In den letzten acht Spielen der Saison 2012/2013 spielte das Team überragend auf, Müller hatte entscheidenden Anteil.

Für die vergangene Saison hatten sich die Aachenerin und ihre Mitstreiterinnen vorgenommen, konstanter zu spielen. Nicht wieder in eine Negativspirale geraten, vielleicht einen Play-off-Platz ergattern. Das klappte – und wie! Die Herner Basketballerinnen wurden nach der Hauptrunde Vierter, sie marschierten bis ins Play-off-Halbfinale, wo sie von Serienmeister TSV Wasserburg gestoppt wurden. Im Spiel um Platz 3 erteilten Müller und Co. den Basketballerinnen aus Chemnitz eine Lehrstunde. Der größte Erfolg der Vereinsgeschichte. Und die Aachenerin hatte großen Anteil an den Herner Erfolgen. Sie war meist absolute Stammkraft, erzielte viele Punkte, zwischendurch warf sie nur eine kleine Verletzung zurück. „Es ist gut für mich gelaufen“, sagt sie. Kein Wunder, dass sie gerne ein weiteres Jahr in Herne bleibt und auf eine zweite starke Saison hofft.

Sie schätzt die Stadt im Ruhrpott auch, weil der Heimweg nach Aachen nicht besonders weit ist. Außerdem hat sie im September in Bochum eine Ausbildung zur Physiotherapeutin begonnen. Damit kommt sie ihrem beruflichen Ziel zumindest ein Stückchen näher, den Wunsch, Medizin zu studieren, hegt Müller immer noch. Falls sie einen Studienplatz bekommen sollte, könnte sie auch aus ihrem Vertrag aussteigen. Ihre berufliche Zukunft steht an erster Stelle. „Das ganz große Geld lässt sich mit Basketball nicht verdienen“, sagt Müller. Wenig sei es nicht, sie will sich nicht beklagen, „davon kann man aber nicht ein Leben lang zehren.“

Im Moment zählt aber der Sport, einen großen Traum hat sie sich vor ein paar Wochen erfüllt – den B-Europameistertitel mit den U 20-Juniorinnen. Nachdem das Team 2013 aus der A-Gruppe abgestiegen war, wollte Müller in ihrem letzten Jahr beim Nachwuchs unbedingt Erfolge feiern. „Es ist großartig, dass das geklappt hat.“ Und da sind noch ein paar Dinge, die Müller erreichen will. „In der A-Nationalmannschaft zu spielen – natürlich ist das mein nächstes großes Ziel“, sagt sie. Das Potenzial hat sie, und Bundestrainerin Alexandra Maerz hat Katharina Müllers Namen längst auf dem Zettel.

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