Aachener Athletin startet bei der U18-WM in Nairobi

Von: Wolfgang Birkenstock
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Vorneweg statt nur dabei: Die Aachenerin Beauty Somuah (links) hat sich für die U18-Weltmeisterschaft in Nairobi qualifiziert und bestreitetet am Mittwoch dort die Vorläufe über 100 Meter. Foto: Wolfgang Birkenstock

Aachen. Das Nationaltrikot hat sie seit Anfang des Monats. Es kam wenig glamourös per Post. Es gefällt Beauty Somuah. Die Aachener Sprinterin, die für den ASV Köln startet, könnte sich an dieses Kleidungsstück gewöhnen. An diesem Mittwoch wird sie es das erste Mal in einem Wettkampf tragen. Im Vorlauf über 100 Meter bei den U18-Weltmeisterschaften in Nairobi.

„Ich wollte die Norm die ganze Zeit“, sagt die 15-Jährige. In zweierlei Hinsicht war es die letzte Chance, sich für eine U18-WM zu qualifizieren, die sie bei der Gala in Schweinfurt am 24. Juni nutzte.

Zum einen lief an diesem Tag die vom Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) gesetzte Frist zur Normerfüllung ab, zum anderen ist die zehnte Auflage der früher als Jugend-Weltmeisterschaften bezeichneten Titelkämpfe zugleich die letzte. Der Leichtathletik-Weltverband IAAF stellt sie ein.

Bei 11,85 Sekunden hatte der DLV die WM-Norm für die jungen Sprinterinnen angesetzt. Beauty Somuahs 100 Meter-Bestzeit aus dem vergangenen Jahr stand bei 12,22 Sekunden, mit denen sie bei der U16-DM in Bremen Silber gewonnen hatte. Die Steigerung hin zur WM-Norm war also nicht unerheblich. Und es zog sich hin, mit einigen Hochs und Tiefs. Es lief nicht so richtig rund, Trainer Tobias Rüttgers erkannte technische Probleme, die nach den Regiomeisterschaften in Aachen, nach Ansicht von Rüttgers „sowas wie der Tiefpunkt“, konkret angegangen wurden. „Wir haben danach viele lockere Läufe gemacht. Beauty hat es neu verstanden, was sie machen soll.“

Dreimal in der Woche fährt die Aachenerin mit der Bahn zum Training nach Köln. In der Wettkampfphase sind es nur zwei Einheiten. Unterdurchschnittlich für ihr Alter und Leistungsniveau, wie Tobias Rüttgers betont. „Im vergangenen Jahr haben wir viel an der Gesundheit gearbeitet und wenig sprintspezifisches Training gemacht.“ Ziel sei, die Nachwuchsathletin langfristig auf höhere Belastungen vorzubereiten. Der Hürdensprint und der Weitsprung seien erst einmal aus dem Wettkampfprogramm genommen worden, weil dabei immer wieder Probleme mit der Leiste und den Füßen aufgetreten seien, so Rüttgers.

Die Zeit im Zug verbringt die 15-Jährige primär mit ihrer neben und nach dem Sport liebsten Beschäftigung: Soziale Netzwerke. Wie ASV-Pressesprecher Stephan Ehritt nicht ohne Anerkennung feststellt, habe sie in Instagram mehr Abonnenten als der Verein selbst. Und obwohl die Sprinterin die Pendelei daher kaum als Belastung wahrnimmt, wird sie zum nächsten Schuljahr komplett nach Köln wechseln und im dortigen Sportinternat leben. Mit den dann vereinfachten Abläufen soll, wie Rüttgers erläutert, die vierte Trainingseinheit pro Woche hinzukommen.

Bei der Kurpfalz-Gala in Weinheim Ende Mai sprintete die Aachenerin die 100 Meter in 11,91 Sekunden. Eine erste ernsthafte Annäherung an die Norm, für den Trainer die „Wende“, die Erkenntnis, dass sein Schützling auch „mit starker Konkurrenz umgehen kann“ und die Zuversicht, dass es mit der Norm tatsächlich noch klappen könnte. Eine Zuversicht, von der Beauty Somuah behauptet, dass sie sie nie verloren habe.

Vor dem Vorlauf in Schweinfurt habe sie ihm gesagt, so Rüttgers, dass sie gleich die Norm laufen werde. Was sie dann in 11,79 Sekunden auch tat. In einem Lauf „wie aus einem Guss“, schwärmt der Trainer. Ein Rennen, bei dem alles passte. Da sie die einzige deutsche Nachwuchssprinterin war, die sich für Nairobi qualifizieren konnte, durfte sie vor Ort in einer Anprobe das erste Mal ins Nationaltrikot schlüpfen.

Bei der am Mittwoch beginnenden U18-WM stünden im besten Falle drei Starts für die Schülerin der Gesamtschule Aachen-Brand an. Für den Mittwochabend 17.45 Uhr MEZ sind die 100 Meter-Vorläufe terminiert, am Donnerstag folgen die Halbfinales um 16.10 und der Endlauf um 18.40 Uhr.

„Ich habe eigentlich kein Ziel“, sagt Beauty Somuah. Die aktuelle Weltrangliste interessiere sie nicht. Der Trainer sieht das berufsbedingt etwas analytischer. „Es geht für Beauty darum, Erfahrung zu sammeln“, so Rüttgers. „Es wäre natürlich schön, wenn sie eine Runde weiterkäme.“

2015, bei der U18-WM in Cali, reichten 11,96 Sekunden für den Einzug in die 100 Meter-Halbfinals. 11,73 Sekunden waren dann für den Endlauf notwendig, in dem die Wattenscheiderin Keshia Beverly Kwadwo in 11,76 Sekunden Achte wurde. Zwei Jahre zuvor, bei den Titelkämpfen in Donezk, vertrat die Düsseldorferin Jessie Maduka die deutschen Farben und erreichte im Sprintfinale in 11,84 Sekunden Platz sieben.

Für Beauty Somuah ist die WM in Nairobi die Premiere auf internationalen Terrain. Zudem gehört sie noch dem jüngeren Jahrgang der U18 an. Daher ist es nachvollziehbar, dass Rüttgers den Ball flach hält – den Blick eher auf 2018 richtet. Da steht in Ungarn die U18-EM an. Aber auch die sieht er in dem jungen Alter als Durchgangsstation. „Es ist nicht mein Ziel, sie in der U18 top zu machen, und dann kommt nichts mehr.“

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