Aachen - 30 von 31 Judo-Bundesligisten proben den Aufstand

30 von 31 Judo-Bundesligisten proben den Aufstand

Von: Heribert Förster
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Aachen. Aufruhr in der Fußball-Szene: Bis auf Bayern München wollen die anderen 35 Klubs aus der 1. und 2. Bundesliga die vom Deutschen Fußball-Bund geplante und vor einem Jahr beschlossene Reform zur Reduzierung beider Ligen auf je 16 Mannschaften rückgängig machen.

35:1, das ist eine satte Mehrheit. Natürlich ist dieses Beispiel Utopie, aber in der Judo-Bundesliga sind 30 der 31 Erst- und Zweitligisten für eine Beibehaltung der vier Staffeln - je zwei im Norden und Süden - mit je acht Vereinen. Nur Serienmeister TSV Abensberg, der FC Bayern der Judo-Szene, enthält sich. „Denen ist die Liga scheißegal, die interessiert nur der Europapokal”, sagt ein Manager eines Bundesligisten.

30 von 31 Klubs wollen die Reform nicht mehr, die vor genau einem Jahr vom Deutschen Judo-Bund (DJB) nach einem Dringlichkeitsantrag der Bundesliga-Exekutive beschlossen wurde. Profitieren würde von einer Reform der Reform auch der TSV Hertha Walheim, der in der gerade beendeten Saison sportlich abgestiegen ist.

„Wir wollten seinerzeit abspecken”, sagt Dr. Rainer Ganschow, Mitglied der Exekutive und Präsident des Erstligisten Hamburger JT, „denn im Norden war es kon-traproduktiv, einen Platz unbesetzt zu lassen.” Der SC Berlin hatte sich zurückgezogen, und da in der Vergangenheit mehrmals keine Mannschaft aufsteigen wollte, schien eine Reduzierung Sinn zu ergeben. Mit nur sieben Mannschaften ging die Saison in der Gruppe Nord in diesem Jahr über die Bühne. Für Ganschow und das DJB-Präsidium soll die Reduzierung nur der Anfang für eine umfangreiche Reform sein, denn „in der Bundesliga”, sagt Ganschow, „liegt einiges im Argen”.

Das empfindet auch Volker Trapper so. Der Manager des JC Bottrop 66, der nach zahllosen Anläufen endlich wieder den Sprung in die Erstklassigkeit geschafft hat, ist quasi der Organisator des Widerstands. Er hält die Reduzierung für „töricht, höchst gefährlich”. Weil in beiden Ligen gleich neun Klubs ihren Status als Bundesligist verlieren würden, weil für ihn die Reduzierung viel zu schnell über die Bühne ging. „Man sollte nicht auf einer zweistündigen Sitzung eine Reform beschließen.” Man solle eine „vernünftige Arbeitsgruppe ins Leben rufen, die ernsthaft eine echte Reform entwickelt”.

„Bezirksliga-Niveau”

Trapper weiß, „es läuft nicht alles so, wie es sein sollte”, er sagt sogar: „Die Ist-Analyse ist erschreckend.” Wie sich die Judo-Bundesligisten an manchen Standorten präsentieren, sei oftmals wenig professionell. Und da ist Trapper einer Meinung mit Peter Frese. Der DJB-Präsident sagt: „Viele Veranstaltungen haben Bezirksliga-Niveau.” Frese hält eine Verkleinerung der Staffeln zwar für „vernünftig”, am wichtigsten sei ihm jedoch eine „funktionierende Liga”.

Da wundert sich so mancher Manager, denn Frese gilt in der Li­ga nicht als Freund der Liga. Ihn würden nur Großereignisse wie WM, EM oder Olympische Spiele interessieren, heißt es, denn Erfolge dort erhöhen die finanzielle Unterstützung durch die Politik.

Trapper und Hertha Walheims stellvertretender Abteilungsleiter Frank Heynen sind sich einig: Mit mehr Liga-Kämpfen habe man mehr Vermarktungsmöglichkeiten, bei vielleicht nur zwei Heimkämpfen würde man erst recht keine Sponsoren finden. Junge Kämpfer würden gefördert und gefordert, die Bundesligen seien die Basis für die Kämpfer.

„Gute Argumente sind nicht gefallen”, sagt indes Rainer Ganschow, dessen Hamburger Teammanager Thomas Schynol übrigens auch für eine größere Bundesliga plädiert. Das Problem sei: „Jeder Verein hat seine Interessen.” Das leugnen auch Trapper und Heynen nicht, aber gebündelt ergibt sich vor der Jahreshauptversammlung an diesem Samstag in Sindelfingen ein klares Bild: 30 von 31 Erst- und Zweitligisten wollen Achter-Staffeln. Eine Stimme haben die Klubs nicht, allein rund 70 Vertreter der Landesverbände dürfen Ja oder Nein sagen. Dass Frese neben seiner Präsidentschaft im DJB auch den nordrhein-westfälischen Verband führt, ist für die vier NRW-Erstligisten aus Witten, Bottrop, Mönchengladbach und Walheim folglich nicht hilfreich gewesen, als sie für eine Reform der Reform geworben haben. . .

Die Walheimer sehen der Entscheidung gelassen entgegen. Der Verein hat sich mit dem sportlichen Abstieg arrangiert. „Für unsere Jungs ist ein Jahr in der Zweiten Liga vielleicht gar nicht so schlecht”, sagen Heynen und Trainer Steffen Krüger unisono. Aber ein weiteres Jahr Erstklassigkeit würden sie natürlich auch in Angriff nehmen.
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