1. FC Köln: Mit einer Grätsche in den Saisonrückblick

Von: Lukas Weinberger
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Grätsche der Saison: Dominic Maroh (am Boden) hat Frankfurts Haris Seferovic in letzter Sekunde fair vom Ball getrennt. Foto: sport/Team2
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Einer, der den Weg vorgibt: Dominic Maroh. Foto: sport/DeFodi

Köln. Es sind meist die schönen Tore und wichtigen Paraden, die es im Fußball in den Saisonrückblick schaffen. Das ist beim 1. FC Köln nicht anders, da ist das Solo von Jonas Hector gegen Hoffenheim, der von Timo Horn entschärfte Elfmeter im Derby gegen Leverkusen, das Tor von Yannick Gerhardt zum Klassenerhalt, solche Sachen.

 Und da ist noch etwas: die Grätsche von Dominic Maroh gegen Frankfurts Haris Seferovic. Eine Grätsche als eine Schlüsselszene der Saison? Abwehrchef Maroh, 28, muss ein bisschen grinsen, „dass eine Grätsche so eine besondere Szene ist, kommt nicht oft vor“, sagt er. Dieses Mal schon...

Es ist der 24. Spieltag, Köln hat Frankfurt zu Gast, und es läuft die 65. Spielminute. Der FC hat ein paar Minuten zuvor das 1:1 kassiert, die Eintracht drückt, und plötzlich läuft Seferovic alleine aufs Kölner Tor zu. In allerletzter Sekunde rauscht Innenverteidiger Maroh von hinten heran – und grätscht dazwischen. Eine Initialzündung. Statt ein Gegentor zu kassieren, treffen die Kölner selbst noch dreimal. Am Ende siegt der FC 4:1 – und macht damit einen wichtigen Schritt in Richtung Klassenerhalt.

Ein Slogan für die Saison

Wie wichtig seine Grätsche gewesen ist, das sei ihm im ersten Moment gar nicht so bewusst gewesen, „ich wollte einfach nur verhindern, dass dieser Ball reingeht“, sagt Maroh. „Dafür bin ich ja auch da...“ Und er sagt noch etwas: „Tore verhindern – das macht richtig großen Spaß.“ Es ist ein Slogan, der über der ganzen Saison der Kölner stehen könnte, der FC hat den souveränen Klassenerhalt vor allem wegen seiner konsequenten Defensivarbeit geschafft, und Maroh, der 2012 aus Nürnberg kam, hat daran als Abwehrchef großen Anteil.

„Natürlich ist das ein schönes Gefühl“, sagt er, will das aber als Lob für das ganze Team verstanden wissen. „Im heutigen Fußball fängt Abwehrarbeit schon ganz vorne an.“ Die Zahlen des Aufsteigers sind durchaus beeindruckend: Köln hat bisher nur 38 Gegentore kassiert, das sind die fünftwenigsten aller Klubs, in der Abstiegssaison 2011/2012 waren es noch satte 75 Gegentore. Jetzt hat der FC nur in drei Spielen mehr als zwei Treffer hinnehmen müssen. „Wir haben immer gewusst, dass es extrem schwierig ist, ein Tor gegen uns zu schießen“, sagt Maroh.

Überraschend ist die Stärke nicht, „seit Peter Stöger da ist, haben wir uns in der Defensive extrem weiterentwickelt“, sagt der gebürtige Nürtinger. Schon in der vergangenen Aufstiegssaison mussten die Kölner nur 20 Gegentore hinnehmen, das ist Zweitligarekord, „und auch dass wir diese Stärke in der Bundesliga beibehalten konnten, ist ein Verdienst des Trainerteams“, sagt Maroh.

Immer wieder hätten Stöger und Co. mit der Mannschaft eingeübt, wie sie sich das Abwehrverhalten des Teams vorstellen. Die Mannschaft spielt in der Defensive extrem diszipliniert, sie läuft viel, verschiebt gut, stellt konsequent die Räume zu. „Ich glaube, dass auch ich unter dem Trainer noch einmal einen Sprung gemacht habe“, sagt Maroh, der regelmäßig zu den besten Kölnern gehörte. Dass mit ihm, Hector, Kevin Wimmer und Matthias Lehmann das defensive Grundgerüst schon in Liga zwei zusammenspielte, ist ein zusätzlicher Vorteil.

Und auch wenn es mehrere Spiele gegeben hat, in denen sich der FC selbst schwer getan hat, ein Tor zu schießen, hat das Team nie wirklich um den Klassenerhalt bangen müssen. „Der Gedanke, dass wir es nicht schaffen könnten, war eigentlich zu keinem Zeitpunkt da“, sagt Maroh. „Wir wussten immer, dass wir eine gute Mannschaft und ein gutes Konzept haben.“

Es gab da zwar ein paar Phasen, in denen es hätte ein bisschen ungemütlicher werden können, „da haben wir aber immer die richtige Antwort gefunden“. Der Heimsieg gegen Frankfurt war eine solche Antwort, Köln hatte vor dem Spiel nur zwei Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz, baute ihn mit dem Erfolg auf fünf Punkte aus. Von diesem Zeitpunkt an kam der FC dem Klassenerhalt jede Woche einen Schritt näher.

Statistiken weiter aufpolieren

Im Spiel gegen Wolfsburg können die Kölner Samstag (15.30 Uhr) ihre Statistiken noch ein bisschen weiter aufpolieren – zumal die Gäste mit Diego Benaglio, Ricardo Rodriguez und Naldo gleich drei Stammspieler für das Pokalfinale schonen. Der FC kann in der Rückrunde im eigenen Stadion ungeschlagen bleiben, er kann über die 40-Punkte-Marke springen, und Dominic Maroh könnte seinen persönlichen Ausgleich feiern.

85 Spiele hat er in Liga zwei gemacht, das Duell gegen Wolfsburg wäre sein 85. Auftritt in der Bundesliga. „Und wenn ich dann noch in der 85. Minute das 1:0 machen würde – das wäre doch was“, sagt Maroh und lacht. Er hätte wohl einen weiteren Platz im Saisonrückblick sicher.

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