Köln - 1. FC Köln: Mit einem Doppelpack zum Derbyhelden

1. FC Köln: Mit einem Doppelpack zum Derbyhelden

Von: Lukas Weinberger
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Stolz, ein Kölner zu sein: Dominic Maroh entscheidet mit seinen beiden Toren das Derby gegen Bayer Leverkusen. Foto: dpa

Köln. Dass sich Dominic Marohs Arbeitstag elementar von dem von Dominique Heintz unterschieden hatte, das wurde um kurz vor sechs noch einmal ganz deutlich. Maroh und Heintz spielen ja beide für den 1. FC Köln, sie sind Innenverteidiger, und oft laufen ihre Tage recht ähnlich ab, aber das war diesmal eben anders.

Als Heintz‘ Arbeitstag längst beendet war, er geduscht hatte und aus der Kabine kam, da stand Maroh in seinem verschwitzten Trikot noch immer in den Katakomben der BayArena und erklärte den Journalisten, wie sein Tag denn so gelaufen ist. Es war schon kurz vor 18 Uhr, das Spiel fast eine dreiviertel Stunde abgepfiffen, aber als Heintz grinsend zum Bus lief, wurde Maroh immer noch ausgefragt.

Beide Verteidiger hatten ein gutes Spiel gegen Bayer Leverkusen gemacht, aber Maroh hatte das rheinische Derby mit seinen zwei Toren eben entschieden, und er sagte zu den Journalisten: „Solche Tage hatte ich noch nicht oft.“ Pause. „Ich glaube, wenige Abwehrspieler haben solche Tage.“

Marohs Geschichte bei diesem 2:1-Sieg der Kölner im Derby ist eine, von der viele wieder behauptet haben, dass sie nur der Fußball schreibe. Es kommt tatsächlich auch nicht besonders häufig vor, dass ein Abwehrspieler doppelt trifft, und der Kölner Innenverteidiger hatte in seinen 88 Bundesliga-Spielen zuvor ohnehin erst drei Tore geschossen.

Dazu hatte sich Maroh in der Vorbereitung verletzt und ziemlich lange auf seine Chance warten müssen, Frederik Sörensens Platz neben Heintz zu übernehmen; der Einsatz in Leverkusen war erst sein zweiter von Beginn an in dieser Saison, obwohl er in der vergangenen Spielzeit ein Leistungsträger war. Maroh sagte: „Ich bin nicht ungeduldig geworden, weil ich gewusst habe, dass mein Tag irgendwann kommen wird.“ Er kam gegen Bayer, „und dass ich ihn mit zwei Toren vergoldet habe, ist natürlich für mich super und macht die vergangenen Wochen vergessen.“ Maroh ist jetzt ein sogenannter Derbyheld, und damit könne er sich „durchaus anfreunden“.

Nicht nur für Maroh persönlich, sondern für den ganzen FC war der Sieg nach längerer Durststrecke wichtig; vier Pflichtspiele in Serie hatten die Kölner nicht gewonnen, vier Pflichtspiele in Serie nicht getroffen. Das ist jetzt vergessen, weil Stögers Team es im Moment wie vielleicht keine andere Mannschaft versteht, dann zu punkten, wenn die Stimmung zu kippen droht.

Der Erfolg bei Bayer hat ja wieder einiges mit sich gebracht: Es war der 200. Auswärtssieg in Kölns Bundesligageschichte, der FC ist mit jetzt 18 Punkten Siebter, steht vor Leverkusen, und deshalb sagte auch Trainer Peter Stöger: „Ich freue mich natürlich sehr.“ Er sprach von einem verdienten Erfolg, von wichtigen Punkten, von Stabilität, solchen Sachen, er sagte noch: „Wir sind in der Spur“.

Zuletzt hatte beim FC zwar meist die Leistung gestimmt, die Ergebnisse aber nicht, was vor allem daran lag, dass die Kölner in den vergangenen Spielen viele Chancen vergeben haben. Das war auch gegen Leverkusen so, Torjäger Anthony Modeste blieb weiter torlos, obwohl er sich redlich bemühte, aber einfach ein bisschen überspielt wirkte. Und auch bei Modestes Kollegen wollte es trotz der unerwartet offensiven Kölner Aufstellung aus dem Spiel heraus nicht klappen. Stöger sagte: „Da haben wir viele Situationen nicht gut ausgespielt.“

Dass der FC gegen Leverkusen trotzdem Tore schoss, hat viel mit der plötzlich vorhandenen Stärke bei Standards und auch ein bisschen mit Leverkusens Kyriakos Papadopoulos zu tun. Marohs ersten Treffer (17.) per Volleyschuss hatte Bayers Verteidiger mit seiner unfreiwilligen Kopfballverlängerung eines Freistoßes von Marcel Risse mitvorbereitet, bei Marohs zweitem Tor (73.) per Kopf nach einer Ecke von Risse war der Grieche schon unter der Dusche; er hatte zehn Minuten nach der Pause wegen Notbremse gegen Modeste die Rote Karte gesehen, eine harte, aber vertretbare Entscheidung. Mit dem Platzverweis verlor Bayer nicht nur Papadopoulos, sondern auch jegliche Struktur im Spiel.

Und auch von der Offensivstärke war nichts mehr zu sehen, sie war ohnehin nur in der ersten Halbzeit aufgeblitzt, zum Beispiel, als Chicharito den zwischenzeitlich verdienten Ausgleich köpfte (34.), als Risse einen Moment unaufmerksam war; mehr ließen die Kölner nicht zu. Es war eindrucksvoll zu sehen, wie sehr sich das Team weiterentwickelt, das im vergangenen Jahr noch von Leverkusens Trainer Roger Schmidt verunglimpft worden war. „So könnte ich nicht Fußball spielen“, sagte er damals, „Respekt und Glückwunsch an die Kölner“, sagte er jetzt.

Und die Journalisten wollten dann noch von Maroh wissen, wie so eine Feier nach einem Derbysieg denn aussehe. Maroh schmunzelte kurz, dann sagte er: „Die Busfahrt ist ja leider nicht lang, aber das eine oder andere Kölsch wird es schon geben.“ Dann wollte der Derbyheld aber auch los, inzwischen waren neben Heintz noch ein paar andere Kollegen aus der Kabine gekommen und zum Bus gegangen, und Ersatztorwart Matthias Kessler hatte noch gerufen: „Kannst Du mal aufhören? Wir wollen nach Hause!“ Maroh lachte. Es war ein schöner Arbeitstag.

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